Titelbild zu LOVE ETERNAL von brlka und Ysbryd Games

LOVE ETERNAL

Was haben das Adventure Everdeep Aurora im Game Boy Color-Look, in dem man eine kleine Katze mit Bohrer spielt, das grandiose 1-Bit Roguelite World of Horror und die wunderschöne Hommage an frühe Persona-Spiele Demonschool, in dem Kämpfe zu Puzzles werden, gemeinsam? Auf den ersten Blick vielleicht nicht unbedingt viel, aber sie kommen alle vom selben UK Indie-Publisher Ysbryd Games, den man mittlerweile am Schirm haben sollte. Über die letzten Jahre hat sich hier bei mir auf jeden Fall ein Vertrauen eingestellt und auch als ich beim PC Gaming Showcase während des Summer Game Fest 2025 den Trailer zu LOVE ETERNAL gesehen habe, war mir klar, dass sich da direkt ein neuer Indie-Hit in den Katalog einreihen wird. Einerseits weil die Platformer-Elemente in dem Trailer direkt schon extrem spannend aussahen, aber andererseits vor allem, weil der Trailer schon eine ganz speziell-creepy Stimmung rüberbringt, die mich wahnsinnig neugierig darauf gemacht hat, was uns im finalen Spiel erwartet. Damals war der Release noch lose mit Q4 2025 angegeben, ein bisschen Feinschliff später ist der Release des Spiels von Entwickler Toby Alden aka brlka für den 19.02. festgesetzt und die Reise von Maya kann losgehen.

Während die simple Optik vielleicht anderes vermuten lässt, ist die Story ein integraler Bestandteil der Spielerfahrung und kommt mit einigen Twists und Überraschungen um die Ecke, die ich absolut nicht erwartet hätte. Klar, nach dem Trailer während des Summer Game Fests war schon klar, dass es sich hier nicht um einen Standard-Platformer handelt, in dem man einfach nur von A nach B läuft, was aber letztendlich im Spiel schlummert, habe auch ich so nicht erwartet. Hier will ich auch gar nicht zu viel vorneweg nehmen, aber die Grundprämisse des Spiels ist, dass das junge Mädchen Maya von einer einsamen Gottheit entführt wird und eingesperrt in einer anderen Dimension strandet. Von dort will sie natürlich so schnell es geht entkommen, trifft dabei relativ früh auf eine Gestalt, die wie sie selbst aussieht und nach und nach passieren immer seltsamere Dinge und spätestens ab der zweiten Spielhälfte hat LOVE ETERNAL narrativ so viel unerwartetes zu bieten, dass ich nur noch gefesselt vor dem Fernseher saß und das Spiel in einer Session durchziehen musste, obwohl eigentlich schon längst Schlafenszeit gewesen wäre. Zum Glück ist die Spieldauer dafür gut geeignet, wenn man nicht allzu spät anfängt. Je nachdem wie gut ihr durch die Platforming-Passagen kommt, seid ihr etwa 6 bis 7 Stunden mehr als gut beschäftigt.

Nach einem kurzen Intro, das euch noch nicht wirklich fordern wird und euch eine Einführung in die Welt und die Geschichte des Spiels gibt, erklärt euch LOVE ETERNAL in wenigen Screens kurz die Mechaniken des Spiels. Ihr bewegt euch von Screen zu Screen, könnt auf Knopfdruck springen und habt die Möglichkeit an kleinen Lichtsäulen am Boden zwischenzuspeichern, um von dort aus weiterzumachen, wenn ihr sterben solltet. Die wichtigste Mechanik im Spiel ist aber die Manipulation der Gravitation: Maya kann diese nämlich ebenfalls per Tastendruck umdrehen und so entweder vom Boden aus oder direkt im Sprung in die jeweils andere Richtung fallen. Zu Beginn macht ihr das jeweils ein Mal, um euch durch die Screens zu bewegen, im weiteren Spielverlauf findet ihr dann aber auch Räume mit speziellen Kristallen, die eure Umkehr-Fähigkeit direkt in der Luft wieder aufladen, damit ihr erneut switchen könnt. Ihr könnt euch das ungefähr so vorstellen, wie die Dash-Kristalle in Celeste. Je weiter ihr im Spiel kommt, desto öfter müsst ihr genau das dann auch machen und desto schwerer werden dadurch auch die einzelnen Screens. Die Steuerung sitzt dabei perfekt und führt zum Glück nicht zu unnötigen Frustmomenten. Wenn es um 2D-Platformer geht, ist das für mich vermutlich der wichtigste Faktor, ob ich Spaß mit dem Spiel habe oder nicht und LOVE ETERNAL hat da zum Glück abgeliefert.

Gewöhnen musste ich mir nur an die Physik der Gravitations-Umkehrung: seid ihr nämlich in der Luft und dreht die Schwerkraft um, dauert es kurz, bis Maya die Richtung wechselt. Je länger ihr fallt, desto mehr Geschwindigkeit hat sie natürlich drauf und das müsst ihr bei jedem Screen und jedem Wechsel bedenken, da ihr sonst schneller in den Stacheln landet, als ihr gucken könnt. Dass das oft passieren wird, muss ich euch vermutlich an dieser Stelle gar nicht sagen, wenn ihr einen Blick auf die Screenshots werft, aber zur Sicherheit: ihr werdet sehr oft in den Stacheln landen. Passt also auf, dass ihr jeden Speicherpunkt und genug Frustresistenz mitnehmt. Zum Glück dürft ihr nach jedem Bildschirmtod direkt weitermachen und den Screen neu starten. Ich wüsste wirklich zu gerne wie oft ich manche Screens am Ende neu starten musste, vor allem zum Schluss hin warten ein paar echt Brecher auf euch. Das einzige was mich hier etwas gestört hat, war das kurze Aufblitzen eines schwarzen Screens, wenn man stirbt. Da das Spiel sowieso mit einzelnen Screens arbeitet, wäre es für die Augen etwas angenehmer gewesen, den Screen einfach sichtbar zu lassen und nicht dieses kurze Aufblitzen am Screen zu haben. Dafür werden alle beweglichen Elemente am aktuellen Screen jedes Mal an ihre ursprüngliche Position zurückgebracht, wodurch ihr euch zumindest da nicht auf euer eigenes Timing verlassen müsst, sobald ihr von vorne startet.

Was mich auch wirklich positiv überrascht hat, war die Lernkurve von LOVE ETERNAL und die Muscle Memory, die man sich während des Spielens aufbaut. Obwohl die Lernkurve wirklich sehr steil ist und einen der Titel teilweise vor Herausforderungen stellt, bei denen man immer wieder an seinen eigenen Fähigkeiten zweifelt, fühlt es sich am Ende umso besser an, wenn man den Screen dann schafft und rekapituliert, was gerade passiert ist bzw. das gelernte weiter anwenden kann. Während ich anfangs noch mit simplen Screens gut zu kämpfen hatte, habe ich die dann bei meinem zweiten Anlauf direkt ohne Probleme gemeistert und es hat sich richtig gut angefühlt, mit dem Wissen, das man sich angeeignet hat, noch einmal durch den Anfang zu laufen und direkt zu sehen, wie gut man über die Spieldauer eigentlich geworden ist. Warum ich den Anfang des Spiels nochmal gespielt habe – und das sogar direkt zwei Mal – möchte ich allerdings an dieser Stelle bewusst offen lassen. Der eine Grund hat mit dem Design und Ablauf des Spiels selbst zu tun und der andere Grund ist meiner eigenen Ungläubigkeit darüber geschuldet, was in der Story am Ende passiert. Da beides aber zu viel vorneweg nehmen würde, lasse ich das an dieser Stelle einfach so stehen und ihr werdet es auf jeden Fall verstehen, solltet ihr das Spiel dann selbst spielen.

Bei LOVE ETERNAL ist es generell verdammt schwierig zu viel zu sagen über das Spiel, was darin passiert und vor allem, was man als Spieler*in machen muss, ohne wichtige und überraschende Momente zu spoilern. Ihr müsst mir an dieser Stelle einfach vertrauen, wenn ich euch sage, dass euch in diesem Spiel Twists erwarten, mit denen ihr niemals rechnet und die das Spiel noch viel besonderer machen, als es auf den ersten Blick wirkt. Ein bisschen kann man das evtl. schon im Trailer zum Spiel sehen, was genau einen erwartet, wird aber auch da nicht zu 100% gezeigt. Das bezieht sich in diesem Fall tatsächlich nicht nur auf die Story, sondern auch auf das Gameplay und mehr. Ich würde es am ehesten in eine Schublade packen mit Doki Doki Literature Club! und wer das gespielt hat, weiß auch da wie schwer es ist, Leuten den Titel zu pitchen, ohne wichtige Schlüsselmomente davon kaputt zu machen. Ohne das zu machen, möchte ich aber einfach sagen, dass LOVE ETERNAL nicht nur ein sehr kompetenter Platformer mit knallharten Screens ist, sondern noch sehr sehr viel mehr dahinter steckt, womit ihr definitiv nicht rechnen werdet. Mich hat es auf jeden Fall eiskalt erwischt und gleichzeitig habe ich alles geliebt, was ab einem bestimmten Punkt im Spiel passiert. Tatsächlich gab es sogar mehrere dieser riesigen Überraschungen, die noch mal alles durcheinander gewürfelt haben, was man bisher erlebt hat und während man sich gerade vom ersten Moment erholt hat, hat einen direkt der nächste Twist erwischt.

Während ich mich mit der Steuerung schnell vertraut gemacht hatte und technisch alles flüssig und ohne Probleme lief, muss ich an dieser Stelle noch das unkonventionelle und gleichzeitig wahnsinnig detaillierte Pixel-Art von LOVE ETERNAL hervorheben. Die Hintergründe der Screens, verschiedene Räume, die ihr im Spielverlauf findet und vor allem der Part, den ich euch nicht spoilern möchte, haben einen unglaublich einzigartigen Artstyle. Während das Sprite von Maya relativ simpel gestaltet ist, stecken so viele Details in den verschiedenen Umgebungen, die die Spielwelt trotz der zweidimensionalen Perspektive plastisch, groß und vor allem bedrohlich wirken lassen. Ganz viele feine Striche sorgen dafür, dass vieles wirkt wie eine lebendig gewordene Bleistift-Skizze und ein bisschen musste ich hier an Mundaun denken, das mich damals auch schon durch seinen besonderen Stil beeindrucken konnte. Der Horror-Aspekt des Spiels wird dadurch auf jeden Fall perfekt transportiert und hatte definitiv sehr gute gruseligen Moment parat. Dazu trägt auch das gelungene Sound Design bei, dass die bedrückende Stimmung wahnsinnig gelungen transportiert.

„LOVE ETERNAL ist ein ganz besonderer Platformer, der seine Kern-Mechanik perfektioniert und darauf aufbauend eine einzigartige Horror-Atmosphäre schafft, während man als Spieler*in mehrmals mit offener Kinnlade vorm Bildschirm sitzen wird, ob der Twists, die auf einen einprasseln.“

Während ich dachte, dass mich das Spiel vor allem als Fan schwerer Platformer abholen wird, waren es am Ende diverse andere Momente und Aspekte, die das Erlebnis so besonders gemacht haben. Dabei wird das grundlegende Gameplay mit der Gravitations-Mechanik und den verschiedenen Screens, die immer schwerer und schwerer werden, trotzdem nicht zum Gimmick und bei einigen Abschnitten hatte ich wirklich harte Flashbacks zu den Celeste C-Sides. LOVE ETERNAL ist ein ganz besonderer Platformer, der seine Kern-Mechanik perfektioniert und darauf aufbauend eine einzigartige Horror-Atmosphäre schafft, während man als Spieler*in mehrmals mit offener Kinnlade vorm Bildschirm sitzen wird, ob der Twists, die auf einen einprasseln. Toby Alden hat hier nicht nur ein teilweise verdammt schweres und forderndes, sondern vor allem ein ganz besonderes Spielerlebnis geschaffen, das seinesgleichen sucht. Die Experience wurde für mich minimal nur dadurch getrübt, dass der Screen jedes Mal kurz schwarz aufblitzt, wenn man stirbt, was auf Dauer ein bisschen anstrengend für die Augen ist. Außerdem muss ich glaube ich die Story noch mal genau durchdenken oder mir von einer Person erklären lassen, die klüger ist, als ich, um zu verstehen, was da jetzt genau alles passiert ist. Als die Credits über den Bildschirm liefen war ich nämlich erst mal sehr verwirrt. Bringt ihr genug Frustresistenz für die harten Passagen mit, erwartet euch mit LOVE ETERNAL eine absolut einzigartige Spielerfahrung.

4,5 von 5 Wertung für LOVE ETERNAL von brlka und Ysbryd Games
4,5 von 5 Schwerkraftkristallen.

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