Ich hatte das irgendwie gar nicht mehr im Kopf, dass es schon so lange her ist, aber 2021 erschien mit Lost in Random ein zauberhaftes und ideenreiches Spiel, mit dem ich damals richtig viel Spaß hatte. Der Look war einzigartig, die Mechaniken frisch und auch die Story und die Charaktere haben mich damals komplett abgeholt. Dass wir vier Jahre später nun ein neues Lost in Random bekommen, hatte ich einerseits nicht erwartet und andererseits ist in Lost in Random: The Eternal Die auch einiges ganz anders als im Vorgänger. Aber dazu gleich mehr, bevor wir loslegen, muss ich kurz noch etwas anderes erwähnen: vielleicht habt ihr es schon mal in einer Review oder einer unserer Podcast-Folgen mal aufgeschnappt, aber ich sage es zur Sicherheit an der Stelle noch einmal: ich hatte nicht wirklich viel Spaß mit Hades. Während nicht nur meine Freundesgruppe, sondern gefühlt die ganze Welt im Hypetrain saß, stand ich daneben, hatte das Spiel relativ schnell bis zum letzten Boss gespielt und war etwas ernüchtert, wie schnell ich „durch“ war und konnte auch der Ästhetik nicht so wahnsinnig viel abgewinnen. Und das obwohl ich Roguelikes und Roguelites als Genre bzw. Mechanik eigentlich richtig gerne mag. Warum ich das jetzt direkt zu Beginn dieser Review anmerken muss, das werdet ihr am Ende bestimmt verstehen. Aber kommen wir erst einmal noch zurück zu Lost in Random.
Nachdem ihr im Vorgänger noch als Even eure Schwester Odd aus den Fängen der bösen Königin befreien musstet, die am Ende auch noch Teil eines kleinen Story-Twists war, den ich an der Stelle nicht spoilern möchte, wird im Sequel der Spieß komplett umgedreht. Das Team des schwedischen Studios Stormteller Games wollte hier bewusst abweichen und explizit kein einfaches Lost in Random 2 entwickeln, was sich auch in der Wahl der Protagonistin niederschlägt. Im neuen Teil spielt ihr nämlich nicht als Even oder Odd, sondern als die Antagonistin des ersten Teils – Aleksandra aka die Königin von Random. Diese wird von Mare The Knight – warum ich den Namen absichtlich auf Englisch schreibe, hat seine (Wortwitz-)Gründe – gemeinsam mit ihrem Würfel-Buddy Fortunia in den schwarzen Würfel gezogen und muss dort als junges Mädchen nicht nur Mare besiegen, um zu entkommen, sondern trifft dort auch auf allerhand neue und wiederkehrende Gesichter, die ihr auf der Reise zur Seite stehen werden. Die Story und die Charaktere haben mich, wie auch schon im Vorgänger, abgeholt und obwohl ich nach etwa 8 Stunden und 30 Minuten den Abspann das erste Mal gesehen hatte, gab es auch danach noch einige Story- und Lore-Stücke zu entdecken bzw. habe ich gefühlt immer noch etwas vor mir. Das Studio nutzt das Roguelite-Genre hier perfekt aus, um eine stimmige und nicht-lineare Story zu erzählen und den Charakteren nach und nach mehr Tiefe zu geben.

Aber Story hin oder her, viel wichtiger ist doch bei einem Roguelite, ob das Gameplay stimmt und vor allem, ob es Spieler*innen in den gewünschten „Eine Runde geht noch“-Loop ziehen kann. Aufgebaut ist Lost in Random: The Eternal Die im Grunde genau wie Hades. Ihr landet mit Aleksandra nach jedem Run, auf die wir gleich noch zu sprechen kommen, in einem Hub, in dem ihr nach und nach mit immer mehr Charakteren interagieren und natürlich dort auch Aleksandras Waffen und Stats anpassen könnt. Sobald ihr zwischen euren Runs dort alles erledigt habt, könnt ihr durch ein Portal ins erste Gebiet springen und euch von dort ausgehend durch diverse Räume, in insgesamt vier randomisiert aufgebauten Bereichen, kämpfen, die jeweils durch einen Bosskampf abgeschlossen werden. Das Spiel findet in einer isometrischen Perspektive statt, ihr könnt je nach Waffe verschiedene Angriffe ausführen und habt auch die Möglichkeit zu dashen bzw. dodgen und verschiedene Zauber auszuführen, je nachdem, welche Karte ihr im Run aufgesammelt habt. Insgesamt stehen euch im Spiel vier Waffentypen zur Verfügung: Schwert, Bogen, Hammer und Speer. Ich persönlich hatte mit dem Hammer am meisten Spaß, die Attacken unterscheiden sich aber alle stark voneinander und so könnt ihr eure Waffe gut an euren Spielstil anpassen. Mit bestimmten Artefakten könnt ihr euch außerdem verschiedene passive und aktive Buffs geben, um euch einen hoffentlich erfolgreichen Build zu basteln, der euch bis ans Ende zum Kampf gegen Mare bringt.
Die Progression in Lost in Random: The Eternal Die fühlt sich dabei immer sowohl organisch als auch belohnend an. Kein Run, egal wie kurz oder lang er dauert, wirkt als wäre er sinnlos gewesen, da ihr immer wieder neue Charaktere für euren Hub finden könnt, neue Zauberkarten oder Artefakte freischaltet, kleine Lore-Pieces in den Räumen entdecken könnt, Gegnertypen und deren Attacken besser lernt oder auch einfach verschiedene Materialien sammelt, die euch beim Upgraden eurer Stats und Waffen weiterhelfen. So macht es auch Spaß einfach mal mit einer neuen Waffe loszuziehen und mit Zaubern zu hantieren, die einem eventuell nicht ganz so sehr liegen, da man zumindest diese Erkenntnis gewinnt und trotzdem während des Runs nicht leer ausgehen wird. Attacken könnt ihr entweder als Standard-Angriff oder aufgeladene Attacke ausführen und habt dann noch die Möglichkeit euren ausgerüsteten Zauber einzusetzen. Zu Beginn jedes Runs erhaltet ihr hier eine zufällige Zauber-Karte, die ihr im Laufe des Runs noch austauschen könnt. Ladet ihr euren Zauber auf, könnt ihr außerdem mit perfektem Timing eine verstärkte Version davon abfeuern, die entweder mehr Schaden anrichtet oder deren Effekt sich dadurch verstärkt. Außerdem habt ihr immer die Möglichkeit euren Würfel-Companion zu werfen und je nach Würfelergebnis höhere oder eben niedrigere Boni zu erhalten, je nachdem, was ihr gerade ausgerüstet habt.

Besonders spannend fand ich während meines Playthroughs das Artefakt-System von Lost in Random: The Eternal Die, das ich definitiv als Alleinstellungsmerkmal bezeichnen würde. Das Spiel stellt euch hier eine Art Spielbrett zur Verfügung, auf dem ihr erhaltene Artefakte platzieren könnt. Ihr startet immer in der Mitte und arbeitet euch nach außen vor, wobei ihr höchstens Platz für 5 Artefakte in einer Reihe habt. Die Artefakte, die jeweils von sich aus schon bestimmte Effekte auf euch haben, sind dabei zusätzlich jeweils noch einer oder mehreren Farben zugeordnet: Rot steht etwa für die Kraft eurer Attacken, Lila für den Schaden, den Statuseffekte wie Gift oder Feuer anrichten und insgesamt gibt es 5 Stats, die ihr damit beeinflussen könnt. Schafft ihr es mindestens 3 Artefakte der selben Farbe in einer Reihe zu platzieren, steigt der dazu passende Wert prozentual an und das Artefakt verliert die ihm zugewiesene Farbe. Während eures Runs müsst ihr also überlegen, ob ihr den Effekt des platzierten Artefakts behalten möchtet, oder es lieber gegen ein neues Artefakt mit noch aktiver Farbe austauscht, um eure Stats weiter aufzuleveln. Zusätzlich dazu könnt ihr außerdem noch Färbemittel verwenden, das ein Artefakt neu einfärben kann oder auch Perlen, die nach einmaliger Kombination vom Spielfeld verschwinden. Diese taktische Komponente hat mir in den Runs unglaublich viel Spaß gemacht und eine komplett andere Ebene für mich aufgemacht, als nur so durch die Levels zu laufen und zu kämpfen.
In einem Roguelite wie Lost in Random: The Eternal Die darf natürlich aber auch die Gegnervielfalt und der Abwechslungsreichtum der einzelnen Gebiete nicht zu kurz kommen. Ich persönlich hatte hier den Eindruck, dass sowohl die Lernkurve der normalen Gegner, sowie die der Bosse nicht absurd hoch ist, man aber schon merkbar Fortschritt macht, je öfter man auf einen Gegnertyp trifft. Gleichzeitig unterscheiden sich die Gebiete allesamt merkbar in ihren Mechaniken und während man in einem Gebiet immer wieder Eisblöcke zerstören muss, die einem im Weg rumstehen, muss man im Sumpf aufpassen, da man hier nicht in voller Geschwindigkeit laufen kann, wenn man den Weg verlässt. Neben simplen Kampfarena-Feldern, findet ihr auf eurem Abentuer außerdem noch Shops, Minispiele für euren Würfel-Companion und noch weitere Räume. Für mich persönlich hätten die einzelnen Gebiete allerdings in sich noch etwas umfangreicher sein können, da man doch recht schnell durchlaufen kann, bis man beim Boss der Welt angekommen ist. Ich fände es hier besser, wenn man nicht direkt nach einer Ebene schon beim Boss angekommen ist, sondern es eventuell noch mehrere „Stockwerke“ pro Gebiet geben würde. Am Style und den Ideen der Gebiete gibt es allerdings für mich nichts zu meckern.

Während meiner Sessions, schon einige Zeit vor dem offiziellen Release, konnte ich in Lost in Random: The Eternal Die keine Probleme bezüglich der Performance feststellen. Das Spiel läuft komplett flüssig, auch wenn am Screen gerade gefühlt nur noch Projektile durch die Gegend fliegen und man versucht per Dauer-Dodging auszuweichen, während etliche Gegner durch das Bild wuseln. Dazu kommt, dass der prägnanten und einzigartige Look auch in The Eternal Die wieder wunderschön ist und auch der Genrewechsel dem keinen Abbruch tut. Ich hatte auch sonst keine Crashes oder irgendwelche Bugs und war tatsächlich ein bisschen erstaunt wie problemfrei das Spiel auch ohne Day One-Patch oder ähnliches lief. Schon in meiner Review zum Vorgänger habe ich außerdem den Look gelobt und das kann ich auch hier nur wiederholen: ich liebe den Stil des Spiels, die Character Designs und die Welt, die hierfür geschaffen wurde. Ergänzt wird das durch gute Synchro-Leistung der Charaktere, wie etwa der Protagonistin, die von Elsie Lovelock gesprochen wird, die u.a. auch Charlie Morningstar in der Serie Hazbin Hotel vertont hat.
„Lost in Random: The Eternal Die ist vermutlich nicht der Nachfolger, den man nach dem ersten Teil erwartet hat, ich bin aber großer Fan der Idee und hoffe, dass das nicht das letzte Mal war, dass wir von Random gehört haben.“
Als Fan des Genres kann ich erleichtert aufatmen und sagen: The Eternal Die hat mir wirklich viel Spaß gemacht, bietet einiges an Abwechslung und obwohl es sehr viele Ideen und Konzepte von Hades übernimmt, hat es trotzdem mehr als genug eigene Ideen und Kniffe zu bieten, die es nicht als plumpe Kopie dastehen lassen. Die Kämpfe machen Spaß, das Spiel ist fordern, aber nie unfair und das ausgeklügelte Artefakt-System war eines meiner absoluten Highlihgts. Die Story funktioniert ganz egal, ob ihr Neuankömmlinge in Random seid, oder den ersten Teil schon gespielt habt und die Charaktere bzw. das Setting sind nicht nur charmant und einzigartig, durch den besonderen Look, sieht die Welt auch einfach verdammt schön aus. Lost in Random: The Eternal Die ist vermutlich nicht der Nachfolger, den man nach dem ersten Teil erwartet hat, ich bin aber großer Fan der Idee und hoffe, dass das nicht das letzte Mal war, dass wir von Random gehört haben. Vielleicht ja dann wieder in einem ganz anderen Genre, wie wäre es denn mit einem Metroidvania? Oder ein rundenbasiertes RPG? Ich finde da könnte man sich auf jeden Fall noch sehr gut austoben.


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