Titelbild zu Reanimal von Tarsier Studios und THQ Nordic

Reanimal

Ach Leute! Wie hammer ist bitte dieser Full Circle Moment? Ein Spiel, das mich seit seiner Ankündigung auf der gamescom im August 2024 nicht mehr losgelassen hat, konnte ich ein Jahr später endlich genau dort auf dem Event ausführlich anspielen. War dann so hooked, dass ich es in unserer Jahresausblick-Folge im Podcast als mein persönliches „Most Anticipated Game 2026“ gekürt habe – und jetzt, nach dem Release im Februar 2026, kann ich guten Gewissens sagen: „Abgeliefert!“ Genau! EXTREM HAMMER! Ziemlich genau so verhielt es sich bei mir mit REANIMAL, dem neuen Horror-Koop-Adventure von Tarsier Studios. Bildgewaltig, atmosphärisch und kryptisch erzählt sich die Geschichte rund um ein Geschwisterpaar, das wortwörtlich durch die Hölle gehen muss, um seine verschwundenen Freunde zu retten.

In REANIMAL spielt ihr euch entweder alleine (mit einer wirklich solide agierenden KI an eurer Seite) oder zusammen als Boy und Girl im Couch-Koop bzw. online mit dem Freunde-Pass durch neun erzählerisch sowie optisch extrem düstere Kapitel. Bevor es also so richtig losgeht, empfiehlt es sich, sich erst einmal mit den Grafikeinstellungen, besonders aber der Bildschirmhelligkeit vertraut zu machen, denn obwohl die allgegenwärtige Dunkelheit ein wichtiges Stilmittel im Spiel ist, kann sie auch schnell frustrieren, wenn man die Anzeigenhelligkeit nicht gut voreingestellt hat. Zum Glück ist das Schieben an den entsprechenden Reglern im Spielmenü jederzeit auch während des Spiels möglich, denn oft ist es hier nur ein schmaler Grat zwischen einem gefühlten Blindflug und einer für die Gesamtatmosphäre wichtigen „Grunddunkelheit“. Es klingt vielleicht banal, diesen Punkt hier so explizit aufzuführen, aber ich musste – gerade Richtung Ende – wirklich immer wieder tüchtig an dem Regler nachjustieren, konnte dies aber, wie auch andere kleine Ruckler und Glitches im Spiel, wirklich gut verschmerzen.

Außerdem gut zu wissen, sofern ihr das Spiel im Coop spielt: Anders als in Spielen wie It Takes Two oder Split Fiction habt ihr in REANIMAL keinen Split Screen. Ihr bewegt euch immer zusammen durch die Szenerie und lasst euer Leben, sobald ihr euch zu weit von eurer/eurem Coop-Partner*in entfernt. Die relativ fixen Kameraeinstellungen erinnern dabei sehr an klassische Survival Horror-Spiele, allerdings sollte man sich nicht täuschen lassen und in der teilweise wirklich mies finsteren Umgebung gut die Augen offen halten, denn das Spiel erzählt sich zwar fast komplett ohne Worte, strotzt aber nur so vor starker Bildsprache und versteckter Möglichkeiten. Perspektive ist alles und so passiert es schnell, dass man eine versteckte Abzweigung verpasst oder das kleine Loch in der Wand übersieht, durch das es sich durchzuquetschen lohnt.

Alles, was REANIMAL zu bieten hat, direkt auf Anhieb zu finden, ist also gar nicht mal so leicht. Neben zahlreichen Collectibles in Form von Postern, die Concept Art des Spiels zeigen, oder verschiedenen Masken, die man den beiden Charakteren aufsetzen kann, gibt es noch fünf Statuen sowie fünf Särge ausfindig zu machen. Gerade diese bringen weiter Licht ins Dunkle der Geschichte der Kinder, denn jeder geöffnete Sarg enthüllt ein tödliches Schicksal. Doch Achtung: Sowohl die Statuen als auch die Särge müssen auf Anhieb in einem Durchgang gefunden werden, um ihren Effekt am Ende des Spiels freizuschalten. Ansonsten ist das Gameplay eher simpel gehalten und konzentriert sich vorrangig auf das Durchqueren der Welt. Neben den insgesamt wirklich wenigen vorhandenen Lichtquellen erhellen ausschließlich Boys Feuerzeug und Girls Laterne die direkte Umgebung.

Viel mehr haben die beiden Kinder am Anfang ihres Abenteuers tatsächlich auch nicht zu bieten, aber keine Sorge – im weiteren Verlauf des Spiels gibt es dann irgendwann diverse Waffen wie eine Harpune oder eine Brechstange, die nicht nur das Gameplay abwechslungsreicher gestalten, sondern auch den beiden dabei helfen, sich gegen ekelige Monster zur Wehr zu setzen oder sich neue Wege in der Welt zu bahnen. Des Weiteren setzt REANIMAL hier und da auf kleine mehr oder minder anspruchsvolle Rätsel oder Suchspiele a la: „„“Finde Item X, um Gerätschaft Y funktionsfähig zu machen“. Diese Passagen sind nett und funktionieren super intuitiv. Deutlich eindrucksvoller und für mich am coolsten, waren jedoch die Schleichpassagen und Fluchtsequenzen. Wobei hier nie auf billige Jump-Scares zurückgegriffen wurde, sondern gekonnt eine konstante Grundanspannung für rundum atmosphärischen Horror gehalten wird. Dazu trägt nicht nur das beeindruckende Sounddesign bei, sondern auch die Charaktergestaltung, insbesondere der Antagonisten. Lange Gliedmaßen, schlaksiger Körper und eine graue verzerrte Fratze: Das ist der Sniffer, der Hauptgegner in Kapitel 1 & 2 und für mich einer der unangenehmsten Bösewichte im Spiel. Diesem konnte man bereits in der Demo begegnen und einen ersten Eindruck davon bekommen, was einen in diesem Spiel erwartet.

Der Sniffer scheint besessen von Menschenhaut, welche er auch gerne mal in einer Wäscherei leidenschaftlich bügelt. Hier wird einem viel Schleichen und verstecken abverlangt, denn sobald der Herr einen ausfindig macht gilt: „Renn um dein Leben!“. Ein weitere Highlight für mich war das Seepferdchen, einer der am beeindruckendsten Gegner und auch meiner Meinung nach eine der besten Passagen im Game! Und wenn man sich jetzt denkt: „Mensch, das kommt mir doch aber irgendwie alles ein bisschen bekannt vor …“ – stimmt! Schaut man sich REANIMAL genauer an, springen einem viele Parallelen zur beliebten Little Nightmares-Reihe ins Auge – und das kommt nicht von ungefähr: Die Schöpfer von Little Nightmares I & II haben es sich nämlich mit REANIMAL zur Aufgabe gemacht, ihr Horror-Game auf die nächste Ebene zu heben. Besonders der Sniffer erinnert da noch sehr an klassische Antagonisten aus dem Little Nightmares Cosmos. Category is: „If Little Nightmares had a darker, troubled sister“ und was soll man sagen? Mit REANIMAL wird Tarsier genau diesem Anspruch gerecht!

Die bereits erwähnte Bild- und Soundgewalt erzeugen eine Atmosphäre, die ihresgleichen sucht, allerdings wird die Experience hier und da ein klein wenig geschmälert durch die vorab erwähnten kleinen Ruckler in der Grafik und Hänger in der Steuerung. Ein weiterer Kritikpunkt kann die – für den Preis von zurzeit 39,99 € – relativ kurze Spielzeit von ca. 4–7 Stunden sein. Wie oben bereits erwähnt, gibt es allerdings wirklich viel zu entdecken, und sofern man anstrebt, alle Collectibles im Game zu finden und die Welt ausgiebig zu erkunden, kann die Spielzeit noch um einiges erhöht werden und der Wiederspielwert ist definitiv vorhanden. Das Ende lässt extrem viel Interpretationsspielraum und bietet ordentlich Stoff zum Grübeln. Wer also eine on-the-nose Auflösung am Ende erwartet, der wird enttäuscht sein. Stattdessen lässt das Spiel einen mit vielen offenen Fragen zurück. Ob die bereits angekündigten drei DLCs da Licht ins Dunkel bringen können, wird sich im weiteren Verlauf des Jahres zeigen. Es bleibt also spannend!

„Für mich persönlich ist REANIMAL genau das, was ich mir erhofft habe: Ein rein vom Gameplay her zugänglicher, ultra atmosphärischer Horror-Snack für 1-2 Abende Couch-Coop und viel Raum für Interpretation im Anschluss.“

Für mich persönlich ist REANIMAL genau das, was ich mir erhofft habe: Ein rein vom Gameplay her zugänglicher, ultra atmosphärischer Horror-Snack für 1-2 Abende Couch-Coop und viel Raum für Interpretation im Anschluss. Wie bereits erwähnt ist das Spiel keine 0-8-15 Jumpscare Party, sondern hat so viel mehr zu bieten und eignet sich daher meiner Meinung nach auch für Spieler*innen, die das Horror-Genre tendenziell schon interessant finden, aber keine Lust haben von einem Jumpscare in den nächsten zu stolpern. Wer also anspruchsvollen Horror mit einem ordentlichen WTF-Moment am Ende sucht, ist hier genau richtig. Die Themen, die REANIMAL behandelt, sind allerdings nicht ohne, dessen muss man sich vor dem Spielen bewusst sein. Themen wie Krieg, Suizid, Tod, Tier- und Menschenleid, Gewalt, Trauma und der Kampf ums Überleben werden explizit gezeigt oder lassen sich im Kontext der Geschichte erkennen. Eine Triggerwarnung gibt es, soweit ich gesehen habe, leider weder vorab noch auf der offiziellen Website des Spiels.

4 von 5 Wertung für Reanimal von Tarsier Studios und THQ Nordic
4 von 5 Gruselschafen.

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