Titelbild zu Mario Tennis Fever von Camelot für Nintendo Switch 2

Mario Tennis Fever

Wenn Nintendo mit einem neuen Sport-Spiel um die Ecke kommt, bin ich dafür ja wirklich immer zu haben. Die Sportart ist mir dabei auch ehrlicherweise so gut wie egal: Golf, Tennis, Basketball, Fußball, ich bin da ganz unvoreingenommen. Von mir aus könnte auch gerne wieder mal ein Baseball- oder Tanz-Spiel mit Mario & Co. erscheinen. Ich bin zwar selbst kein großer Sportfan, aber ich weiß, dass ich hier immer mit spaßigen Elementen rechnen kann, die den jeweiligen Sport und seine Regeln auf den Kopf stellen, Multiplayer-Spaß vorprogrammiert ist und im Idealfall unterhält mich der Titel dann auch noch im Singleplayer-Modus bzw. alleine vor der Konsole gut und ausgiebig. Der neueste Streich für die Switch 2, Mario Tennis Fever, kam diesmal mit unfassbar gutem Timing, da wir gerade am Wochende zum Release Besuch hatten und meine erste Amtshandlung zuhause war anzukündigen, dass wir jetzt Tennis spielen. Nach einer kurzen Schrecksekunde, ob wir raus müssen oder was ich denn jetzt geplant hätte, wurden freudig die Switch Controller entgegen genommen und wir starteten das Spiel im Multiplayer.

Vermutlich ist Multiplayer tatsächlich auch der beste Weg das Spiel zu starten. Es gibt zwar auch diesmal wieder einen Abentuer-Modus in Fever, so richtig langfristige Unterhaltung dürft ihr dabei aber nicht unbedingt erwarten. Wie schon in Mario Tennis Aces sind es wieder Wario und Waluigi die, in einer zugegebenermaßen sehr schick aussehenden Videosequenz, mit ihren eigenen Motiven und Machenschaften die Schuld daran tragen, dass unglückliche Dinge passieren, die Mario dazu zwingen einzugreifen. Als die gesamte Gang, inklusive der beiden, loszieht, um eine Heilung für die erkrankte Prinzessin Daisy zu finden, führt deren Gier dazu, dass ein Fluch gebrochen und alle Protagonist*innen in Babys verwandelt werden. Um diesen zu brechen, hilft im Mushroom Kingdom nur eine Sache: Tennis spielen, was sonst? Die Babys trainieren also an der Mushroom Tennis Academy ihre Fähigkeiten, bestreiten verschiedene Challenges, treten in Matches gegeneinander und Bosse an und bekommen es immer wieder auch mit Bowser zu tun. So absurd die Story klingt, so unaufgeregt ist sie am Ende und an einem Abend habt ihr die ganze Geschichte, die euch durch mehrere Gebiete schickt auch recht schnell abgefrühstückt. Seht es also eher als ausgiebiges Tutorial und weniger als vollwertigen Story-Modus und erwartet nicht zu viel. Nicht, dass ihr am Ende enttäuscht seid.

Die besondere Idee für Mario Tennis Fever sind diesmal die namensgebenden Fever-Schläger: insgesamt gibt es davon 30 Stück und während ihr 6 davon direkt zu Beginn auswählen könnt, müsst ihr die restlichen 24 erst mal freischalten. Jeder Fever-Racket bringt dabei eine besondere Fähigkeit mit, die ihr im Match aktivieren könnt und die meist erst aktiv wird, sobald der Ball das erste Mal den Boden berührt. Hat sich eure Fever-Leiste durch fortlaufende Matchdauer und Moves eurerseits aufgefüllt, könnt ihr einen mächtigen Schuss abfeuern, der vom gegenerischen Team allerdings auch geblockt und zurückgeschickt werden kann. Solange sich der Ball in der Luft befindet, tritt der Effekt meist noch nicht ein und das Match erhält dadurch eine ganz neue Art von Spannungsphase, in der man versucht so nah wie möglich am Netz zu bleiben und den Ball im besten Fall direkt in der Luft wieder zu erwischen. Schafft es der Tennisball dann doch vorbeizukommen, breiten sich am Boden verschiedene Effekte wie Feuer, Eis oder auch Matsch aus, die das jeweilige Team in ihrer Freiheit beeinflussen, im Spiel stören und auch HP abziehen können. Spielt ihr im Doppel wird ein*e Spieler*in für kurze Zeit aus dem Match genommen, spielt ihr Single Matches habt ihr weniger Ausdauer und könnt nicht mehr jedem Ball über große Strecken hinterher springen.

Die Fever-Schläger können dabei vor den jeweiligen Matches von euch individuell ausgewählt werden und decken eine verdammt breite Auswahl an Effekten und fiesen Tricks ab. Der Schatten-Schläger lässt eine begrenzte Zeit ein Schatten-Double der jeweiligen Figur auftauchen, das aktiv mitspielt, der Minipilz-Schläger kann Spielfiguren schrumpfen und dadurch schwächer werden lassen, mit dem Sparky-Schläger erschafft ihr ein eigenes Stromnetz auf dem Feld, das Gegner kurz paralysieren kann, der Bananen-Schläger verteilt rutschige Bananenschalen auf dem Spielfeld und der Metall-Schläger lässt euch für kurze Zeit unverwundbar werden. Vor allem in Double-Matches, in denen insgesamt 4 Figuren auf dem Spielfeld stehen, können die verschiedenen Effekte zu sehr viel Chaos und teilweise auch Verwirrung sorgen, für den typischen Nintendo-Multiplayer-Spaß ist das aber auch perfekt. Wer puristisch unterwegs ist, kann aber auch einfach den Standard-Schläger auswählen, der zwar trotzdem einen besonders starken Spezial-Schuss abfeuern kann, dieser hat dann aber keinen besonderen Effekt, sondern wird „nur“ in Slow Motion gezielt in eine bestimmte Ecke des Spielfelds geschosse und ist immer noch besonders schwer zu kontern.

Zum Glück funktioniert der Tennis-Spaß aber auch ohne Chaos und Fever-Rackets überraschend gut. Selbst wenn ihr die Special Moves deaktiviert und einfach eine Runde Tennis spielt, kann das Match durch verschiedene Schussarten, die die Reaktion des Balles merklich verändern, sehr viel komplexer und spannender werden, als man es im ersten Moment meinen möchte. Während ihr mit dem X-Button der Switch 2 den Fever Shot aktiviert, liegen auf den anderen 3 Buttons jeweils unterschiedliche Moves, die teilweise sogar noch kombiniert werden können und die selbst entweder aufgeladen oder per doppeltem Input in einer verstärkten Form ausgeführt werden können: mit A feuert ihr einen Top Spin ab, der sich durch einen hohen Aufprall auszeichnet und eure Gegner*innen so zurückdrängt, auf Y liegt der Flat, der eine besonders schnelle Flugbahn hat und mit dem B-Knopf führt ihr den Slice aus, ein Schuss der niedrig fliegt und zusätzlich noch eine Kurve in der Flugbahn hat. Drückt ihr erst A und dann B führt ihr einen Lob aus, der besonders wirksam ist, wenn die Gegner nah am Netz stehen und dreht ihr das Kommando um, drückt also erst B und dann A, gelingt euch hoffentlich ein Drop Shot, der weit vorne im Feld aufkommt und nur ganz leicht hüpft. Die Moves lassen sich nach ein bisschen Übung gut kombinieren und ausführen, in hitzigen Matches ist mir nur manchmal der Drop Shot oder Lob nicht ganz so gelungen, wie ich das gerne gehabt hätte.

Ein weiterer Faktor, der Einfluss auf eure Matches hat, ist die Auswahl des jeweiligen Charakters. Mario Tennis Fever hat mehr Charaktere im Spiel, als jeder bisherige Eintrag der Serie und insgesamt dürft ihr aus 38 Figuren aus dem Mario-Universum wählen. Neben klassischen Figuren wie Mario, Luigi oder Peach, könnt ihr auch als Blooper, Wiggler, Diddy Kong oder erstmals auch Baby Wario und Baby Waluigi auf den Tennis Court und könnt Yoshi, Shy Guy oder Luma sogar in verschiedenen Farbvarianten spielen. Jeder Figur wurden dabei eigene Stats und eine Klasse zugewiesen, von denen ich erst dachte, dass sie sich vermutlich nur marginal auf das eigentliche Spielgefühl auswirken, nachdem ich vor allem im Multiplayer aber ein bisschen durchprobiert habe, habe ich schnell gemerkt, dass ich mich da getäuscht habe. Man merkt definitiv den Unterschied zwischen Klassen wie Speedy, Tricky oder Defensive und vor allem im Zusammenspiel mit den Stats der jeweiligen Figur lohnt es sich, wenn man sich da selbst mal ein bisschen durchtestet, um seine Lieblingsfigur zu finden. Vor allem, wenn man dann noch die Fever-Schläger bedenkt. Ich hatte es mit Rosalina und Wiggler am einfachsten, vielleicht seid ihr aber auch eher Team Knochen-Bowser, wer weiß.

Während der Abenteuer-Modus wie bereits erwähnt nicht unbedingt das große Verkaufsargument von Mario Tennis Fever ist, wird das Spiel wesentlich spannender, wenn man sich die restlichen Spielmodi ansieht. Vom Hauptmenü aus, das wie eine etwas abgespecktere Variante vom Super Smash Bros. Ultimate– oder Kirby Air Riders-Menü aussieht, könnt ihr 5 weitere Spielarten finden, die ihr entweder alleine oder mit bis zu drei weiteren Personen zusammen spielen könnt. Im Turnier-Modus erwartet euch ein klassischer Tennis Turnierbaum, in dem ihr auf mehrere Gegner*innen trefft und euch am Ende einen Pokal holt. Insgesamt könnt ihr hier drei Cups gewinnen und das entweder alleine oder im Doppel, genauso wie die Missionstürme. Hier erwarten euch verschiedene Matches oder Aufgaben mit Sonderregeln, die ihr mit einer begrenzten Anzahl an Versuchen schaffen müsst. Habt ihr eure drei Herzen verloren, müsst ihr von vorne anfangen und besonders das letzte Match im letzten Turm hat mich im Singleplayer-Modus einige Nerven und auch mehrere Versuche gekostet. Zu zweit werden manche dieser Aufgaben wiederum etwas trivial und fast schon zu einfach, da ihr die Gegner dadurch oft viel leichter aushebeln könnt. Wer also eine richtige Challenge sucht, sollte die drei verschiedenen Türme alleine angehen.

Mit bis zu drei Freund*innen könnt ihr euch dann entweder im freien Spiel austoben, in dem ihr entweder mit oder ohne Fever-Schläger gegeneinander antretet oder ihr versucht euch am Spezialmix: hier leiht sich das Spiel u.a. die Wundersamen aus Super Mario Bros. Wonder und stellt auf speziellen Plätzen die Tennis-Regeln komplett auf den Kopf. Ihr habt die Auswahl aus 5 verschiedenen Matchtypen, wie Ringeschießen oder einem Flippertisch und wem das Chaos im Doppel mit 4 Fever-Schlägern noch nicht genug ist, hat hier sicher eine gute Zeit. Wer Wii Sports vermisst, kann im Realmodus die Beweguns-Steuerung der Joy-Con 2 nutzen und selbst die Arme schwingen und auch das könnt ihr zu viert vorm Fernseher machen. Ich habe am Ende dann selbst auch mehr Zeit im Online-Modus verbracht, als ich gedacht hätte und habe mich in den Ranked Matches gegen echte Gegner aus aller Welt richtig anstrengen müssen, um nicht haushoch zu verlieren. Auch hier zeigt sich wieder: sobald ihr Mario Tennis Fever nicht mehr alleine spielt, sondern gegen reale Gegner, erblüht das Spiel erst so richtig, während es sich im Singleplayer leider recht schnell auserzählt hat.

Vor allem die vorgerenderten Zwischensequenzen im Spiel sehen schon fast aus wie ein Animationsfilm, aber auch das Gameplay selbst stinkt optisch nicht zu stark dagegen ab. Natürlich bewegen wir uns hier immer noch auf einem Tennis-Court und im Mario-Universum, erwartet also keinen Fotorealismus, aber das, was am Bildschirm passiert, sieht detailliert gestaltet, farbenfroh und scharf aus. Die Charakter-Modelle sehen optisch so gut aus wie selten zuvor, die Ladezeiten sind kurz und knackig und auch abseits des Courts tummeln sich Publikum, es gibt interaktive Screens und ein Publikum, das zum Glück nicht nur aus 2D-Pappaufstellern besteht. Egal wie viele Fever-Effekte außerdem gleichzeitig auf dem Bildschirm zu sehen sind und wie schnell der Ballwechsel gerade passiert, das Spiel gerät dabei nie ins Ruckel und liefert eine konstante 60er Framerate mit 4K-Auflösung im Docked und Full HD-Auflösung im Handheld-Modus. Wir befinden uns natürlich noch am Anfang der Switch 2-Ära und vermutlich wird diese Begeisterung irgendwann auch bei mir nachlassen, aktuell bin ich aber einfach immer wieder freudig überrascht, wie gut Nintendos neue Konsole technisch abliefert.

„Mario Tennis Fever kombiniert mit den neuen Schlägern und mehr Charakteren als je zuvor abwechslungsreiche Elemente mit einem mehr als soliden Tennis-Gameplay, das auch schon ohne das typische Nintendo-Chaos verdammt gut funktioniert.“

Wer das neueste Mario Tennis-Spiel kauft und sich darin nur offline und im Singleplayer-Modus aufhalten will, der wird vermutlich auf Dauer etwas zu wenig geboten bekommen. Der Abenteuer-Modus ist einerseits recht kurz und bietet andererseits neben ein paar witzigen Boss-Matches und Challenges nicht viel, was ihr nicht auch in normalen Matches erleben könnt. Sobald ihr aber entweder ein paar Freund*innen auf der Couch sitzen oder Zugang zum Internet habt, blüht das Spiel so auf, wie die Plauderblume, die euch ständig in den Ohren hängt (und die ihr theoretisch auch in den Settings stumm schalten könnt). Mario Tennis Fever kombiniert mit den neuen Schlägern und mehr Charakteren als je zuvor abwechslungsreiche Elemente mit einem mehr als soliden Tennis-Gameplay, das auch schon ohne das typische Nintendo-Chaos verdammt gut funktioniert. Die Türme bieten vor allem alleine eine gute Herausforderung, im Multiplayer könnt ihr euch zu maximal viert so richtig austoben und vor allem im Online-Modus könnt ihr eure Tennis-Skills richtig auf die Probe stellen. Hätte Camelot Software den Abenteuer-Modus noch ein bisschen besser durchdacht, gäbe es auch hier weniger zu meckern, so bleibt euch trotzdem ein verdammt gut gemachtes Tennis-Spie, das ihr mit diversen Modi auf die Spitze treiben könnt und das vor allem mit anderen Spieler*innen seine Qualitäten so richtig entfaltet.

4 von 5 Wertung für Mario Tennis Fever von Camelot für Nintendo Switch 2
4 von 5 Plauderblumen-Kommentatoren.

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