Ich habe Anfang des Jahres zum ersten Mail Kirby Air Ride auf dem GameCube gespielt und war gelinde gesagt ordentlich verwirrt. Gemeinsam im lokalen Multiplayer hatte erst niemand von uns so richtig verstanden was das Spiel von uns möchte und was hier eigentlich passiert, was wir aber all gemerkt haben war, dass wir trotzdem verdammt viel Spaß hatten mit dem Chaos am Screen. Als hätte ich es geahnt, wurde dann im April im Zuge einer Nintendo Direct ein Nachfolger für die Switch 2 angekündigt und diesmal hatte ich mir fest vorgenommen, mich in das Spielprinzip einzuarbeiten. Als Yvonne und ich dann dieses Jahr auf der gamescom bei Nintendo zu Besuch waren, durfte ich erst ein bisschen in Metroid Prime 4 reinspielen, um dann in einen separaten Raum gebracht zu werden, in dem wir erst einmal eine Tutorial-Session zu Kirby Air Riders bekommen haben, um dann im Multiplayer-Modus frontal ins Spiel gestoßen zu werden und obwohl der Chaos-Anteil immer noch verdammt hoch war, wusste ich zumindest, was zu tun ist und was das Spiel von mir erwartet. Die Session zischte an uns vorbei wie Kirby auf seinem Warp Star und am Ende waren wir uns beide einig, dass hier sehr viel Spaß auf uns wartet. Nach einer kleinen Dosis Kirby in der Switch 2 Edition von Kirby und das vergessene Land kam Air Riders jetzt genau richtig, um mehr vom pinken Blob auf der Konsole zu erleben.
Hinter dem ganzen Chaos und Spaß in Kirby Air Riders versteckt sich eine Hintergrundgeschichte, die Kirby und seine Popstar-Mitbewohner*innen dazu bewegt sich auf die verschiedenen Gefährte zu schwingen und Rennen zu veranstalten und die sich auch perfekt in die absurden Settings der Serie einreiht: Die Maschine Zorah landete vor einiger Zeit in einer Bruchlandung auf dem Planeten und verweilte gezwungenermaßen dort, bis der Traumbrunnen irgendwann Zorahs Wunsch aufgeschnappt hat, sich wieder bewegen zu können. Der Satellit Galactic Nova begann daraufhin Fahrzeuge zu erschaffen, die dem Design von Zorah nachempfunden waren und ließ diese in deaktiviertem Zustand auf Popstar herunterregnen. Dort wurden sie von den „Ridern“ gefunden, aktiviert und über die Zeit haben sich die Gefährte komplett in die Gesellschaft integriert. Zorah wurde währenddessen von Galactic Nova zur übermächtigen Maschine Gigantes transformiert, die den Planeten zerstören soll, wenn sie von einem besonders starken Rider aktiviert wird. Wenn ihr jetzt glaubt, dass ich mir das alles ausgedacht habe, habt ihr vermutlich schon lange kein Kirby-Game mehr gespielt, in dem man am Ende gegen übermächtige Götterwesen antritt. Die Story hat mich in Kirby Air Riders trotz Wahnwitz und Absurdität – für ein spaßiges Rennspiel – überraschend gut unterhalten und vor allem die vorgerenderten Videosequenzen sehen auf der Switch 2 verdammt gut aus.

Bevor ihr mit irgendwas im Spiel startet, empfehle ich euch eindringlich erst mal das Tutorial zu spielen, um zumindest die Grundzüge von Kirby Air Riders zu verstehen. Das ist zwar etwas zäh und auch mein Instinkt war anfangs einfach drauf los zu spielen, aber es lohnt sich wirklich das Training zu spielen. Euer Fahrzeug fährt im Spiel erst mal automatisch nach vorne und obwohl ihr für das gesamte Spiel eigentlich nur den linken Stick, den ihr auch zum Angreifen nutzt und einen Button (bzw. maximal einen zweiten für eure Special Attacke) verwendet, steckt wahnsinnig viel Tiefe und Mechaniken im Spiel, die man sich erst einmal aneignen sollte, bevor es einem so geht wie mir Anfang des Jahres im GameCube-Original. Das Tutorial ist dabei in individuelle Lehreinheiten unterteilt, die ihr einzeln auswählen und absolvieren könnt und die euch alles zeigen, was das Spiel zu bieten hat. Es startet dabei wirklich mit den absoluten Basics vorwärts fahren und nach links & rechts lenken, zeigt euch aber dann, wie ihr euren Boost aufladen könnt, was gleichzeitig dazu führt, dass ihr euer Fahrzeug anhaltet, wenn ihr lange genug auf dem Button bleibt. Während ihr euch über die jeweilige Strecke bewegt, könnt ihr Gegner einsaugen, falls vorhanden deren Fähigkeiten kopieren und damit weiter angreifen. Jede Attacke gibt euch dabei einen kleinen Boost, den ihr nicht unterschätzen solltet. Greift also so gut es geht alle Mitfahrer*innen und NPC-Gegner auf der Strecke an, um möglichst viel Boost zu sammeln.
Ein weiterer sehr wichtiger Aspekt von Kirby Air Riders, der euch auch direkt in den Tutorial-Lessons anhand einiger Beispiele gezeigt wird, sind die verschiedenen Gefährte und Werte der Fahrer*innen. Je nach Spielmodus startet ihr mit einem Standard-Fahrzeug oder einem Fahrzeug eurer Wahl, wobei ihr diese ähnlich wie in Super Smash Bros. nach und nach freischaltet, indem ihr verschiedene Aktionen im Spiel durchführt und dabei insgesamt 750 Achievements freischaltet. Wie auch in Mario Kart World ändern sich eure Anfangs-Werte je nachdem welche Figur ihr wählt, zusätzlich hat jeder Charakter eine eigene Spezialattacke, die ihr einsetzen könnt, sobald diese aufgeladen ist. In Kombination mit den Werten und Eigenheiten der Fahrzeuge gibt es dabei Challenges, die euch mit eurem aktuellen Setup leichter fallen werden und andere, die ihr nicht ganz so leicht absolvieren werdet. Insgesamt gibt es in Kirby Air Riders aber ganze 10 Werte, die ihr aufleveln könnt, u.a. Geschwindigkeit, Boost, Wendigkeit, Auftrieb, Angriff oder Gewicht. Habt ihr z.B. vor euch eine Challenge, in der ihr besonders weit fliegen sollt, ist es nicht besonders vorteilhaft viel zu wiegen und euer Fahrzeug sollte eher der Flügel-Stern sein, anstatt, dass ihr mit z.B. Giga-Auriga versucht abzuheben. Die verschiedenen Kombinationen sind dabei echt nicht zu unterschätzen und ich empfehle euch am besten eine Figur-Fahrzeug-Kombination zu finden, die euch am besten liegt und diese dann zu perfektionieren. Es macht aber verdammt viel Spaß, sich durch die verschiedenen Kombinationen zu testen und auch immer wieder mal was ganz neues zu probieren.

Die Story erlebt ihr in Kirby Air Riders in einem speziell dafür vorgesehenen Modus, dem Road Trip, den ihr wie alle weiteren Modi separat über das Hauptmenü erreicht. Dem sieht man übrigens direkt seine Wurzeln an und wer schon einmal Smash Bros. Ultimate gespielt hat, sollte sich direkt zurecht finden. Insgesamt hat das Spiel auch viel mehr mit Smash Bros. gemein als mit Mario Kart, aber das nur mal am Rande erwähnt. Während eures Road Trips wählt ihr in verschiedenen Gebieten auf einer von drei Spuren, die ihr jederzeit wechseln könnt, immer wieder einzelne Rennen bzw. Challenges aus, oder haltet in Shops, schnappt euch neue Gefährte oder Bonus-Gegenstände. Durch die Challenges erhaltet ihr jeweils Powerups, um im Laufe der Story gegen eure Gegner und auch Bosse gewappnet zu sein und seht auch schon vor jeder Challenge welcher Wert sich durch die jeweilige Aktivität erhöhen wird. Welche Gebiete ihr bereist, entscheidet ihr selbst während eures Runs durch spezielle Gegenstände, wodurch der Modus nicht nur einiges an Wiederspielwert hat, sondern insgesamt auch ein bisschen Roguelike-Feeling in den Mix bringt. Sammelt ihr alle 20 verschiedenen Rides während ihr den Road Trip-Modus spielt wartet eine besondere Überraschung auf euch und selbst, wenn ihr das nicht im ersten Durchlauf schaffen solltet, könnt ihr einfach ein New Game+ starten, um alles zu sehen, was ihr beim ersten Mal verpasst habt.
Der Road Trip setzt sich dabei in den einzelnen Challenges zusammen aus verschiedenen Modi, die ihr auch separat über das Hauptmenü auswählen und entweder online, lokal mit Freund*innen oder alleine gegen NPCs spielen könnt. Am meisten Spaß hat mir dabei der City Trial-Modus gemacht, in dem bis zu 16 Spieler*innen gleichzeitig antreten. Ihr startet mit dem Charakter eurer Wahl und müsst zuerst durch die Stadt Celestia fahren, in der ihr Powerups sammelt, euer Fahrzeug austauschen und zufällige Events absolvieren könnt. Das Ziel ist es sich innerhalb von fünf Minuten dort bestmöglich vorzubereiten, ehe ihr am Ende der Zeit einen Stadion-Wettbewerb absolvieren müsst. Das können dann Rennen, Kampfarenen, Weitfliegen und mehr sein, ihr solltet also am besten nicht nur einen Wert erhöhen und auch mit eurem Fahrzeug auf verschiedene Eventualitäten eingestellt sein. Aber keine Sorge, am Ende ist die Vorbereitungszeit in Celestia auch viel zu chaotisch und teilweise unübersichtlich, als dass ihr euch auf einen Wert konzentrieren könntet. Ihr sammelt also einfach so gut es geht alles auf, was euch vor die Reifen, Ketten, Sterne oder was auch immer kommt und hofft, dass es am Ende reicht, um mit den zusätzlichen Skills als Sieger*in vom Platz zu gehen. Egal ob im Multiplayer oder alleine gegen NPCs hat mich dieser Modus jede Runde wieder vor Chaos gestellt und unterhalten und ist für mich auch der Modus, den ich mich in Zukunft am öftesten spielen sehe.

Aber auch wenn ihr einfach Bock auf ganz klassische Rennen habt, könnt ihr dem Wunsch in Kirby Air Riders nachgehen. Im Modus Air Ride fahrt ihr zu sechst auf einer von insgesamt 18 Strecken, wobei 9 davon alle Strecken des GameCube-Originals mit in den Nachfolger gebracht haben. Dort fahrt ihr dann eine vorgegebene Anzahl an Runden, während ihr über Boost-Pads fahrt, Gegner einsaugt, um Skills zu lernen, um am Ende im besten Fall zuerst über die Ziellinie zu rasen. Eure Fahrzeug-Fahrer*in-Kombination wählt ihr dabei vor Beginn des Rennens und könnt diese im weiteren Verlauf auch nicht mehr anpassen, wodurch der Chaos-Faktor etwas minimiert wird, durch das Geschehen auf den Strecken aber nie zu 100% verschwindet. Je nachdem welches Fahrzeug ihr ausgewählt habt, kann sich dabei eure Route auf den verschiedenen Strecken erheblich unterscheiden: bewegt ihr euch eher durch die Lüfte, seht ihr das Geschehen aus der Vogelperspektive, haltet ihr euch eher am Boden auf, driftet ihr um Kurven. Eine richtige Optimalroute zu finden ist dabei gar nicht so leicht und am Ende entscheiden eure Fahr- bzw. Flugkünste darüber, auf welchem Platz ihr landet. Ich zumindest habe in meinen diversen Sessions noch keine Meta-Route oder Super-Abkürzung finden können.
Der letzte Modus, den ihr im Spiel auswählen könnt, ist Top Ride. Dort seht ihr das Geschehen weiter herausgezoomt aus der Vogelperspektive und steuert eure Figur so über eine von sechs kleineren Strecke. Lokal treten dabei bis zu 4 Spieler*innen gegeneinander an, während ihr online insgesamt zu acht gegeneinander fahren könnt. Um euch das Leben etwas leichter zu machen, könnt ihr hier aus einer von zwei Steuerungs-Möglichkeiten wählen, die bestimmen in welche Richtung eure Figur lenkt. Während des Rennens ploppen immer wieder Powerups und Gegner auf, die ihr einsammeln könnt und auch wenn dieser Modus vermutlich der kurzweiligste ist, hatte ich richtig viel Spaß damit und vor allem, wenn zwischendurch im Road Trip wieder mal eine Top Ride Challenge aufgetaucht ist, habe ich die immer sehr gerne angenommen. Innerhalb des ersten Jahres von Release warten außerdem tägliche Air Ride- und zeitbegrenzte Events mit speziellen Regeln auf euch, die ihr online absolvieren könnt. Die Entscheidung die Online-Inhalte auf ein Jahr zu begrenzen und auch keine DLCs oder weitere Zusatz-Inhalte einzubauen wurde hierbei von Director Masahiro Sakurai und dem Team bewusst getroffen, um das Spiel auch für die Zukunft so komplett wie möglich zu halten und es nicht jahrelang mit DLC am Leben halten zu müssen. So sollen Käufer*innen zu jedem Zeitpunkt die komplette Experience des Spiels erleben können.

Auch wenn in Kirby Air Riders zu so gut wie jedem Zeitpunkt wirklich wahnsinnig viel am Screen passiert und man manchmal selbst nur noch schwer folgen kann, was gerade abgeht, schafft das die Nintendo Switch 2 umso besser. Während meiner Sessions konnte ich zu keinem Zeitpunkt grobe Performance-Probleme feststellen, während das Spiel gleichzeitig verdammt gut aussieht, was nicht nur der Cartoon-Optik geschuldet ist, die natürlich etwas weniger Realismus verlangt als andere Spiele. Im Docked Modus gibt es dabei kaum Einbrüche unter 60fps, nur im City Trial Modus geht es Richtung 50 Frames und auch im Handheld-Modus liefert Nintendos neue Konsole ähnliche Performance. Nur wenn ihr das Spiel im Splitscreen-Modus auf einem Gerät spielt, kann die Performance etwas weiter abfallen, richtig störend habe ich aber auch das in Matches nicht empfunden, vor allem weil da sowieso der Spaß im Vordergrund steht und nicht die Skills. Insgesamt war ich auf jeden Fall sehr positiv davon überrascht was Kirby Air Riders hier optisch und effektmäßig abliefert, ohne dabei die Performance zu vergessen und es zeigt sich wieder einmal, dass es viel wichtiger ist seine Spiele ordentlich auf die jeweilige Konsole oder Plattform zu optimieren, als einfach stur auf die teuerste und performanteste Hardware zu setzen.
„Kirby Air Riders ist viel mehr als nur ein weiterer Funracer: die verschiedenen Spielmodi unterscheiden sich grundlegend voneinander und vor allem City Trial birgt gefühlt unendlich viel Stunden Spaß.“
Wie viele andere dachte ich bei der ersten Ankündigung und ohne viel Vorwissen des Vorgängers, dass uns mit Kirby Air Riders ein weiteres Spil im Stile von Mario Kart World erwartet und habe mich auch gewundert, warum sich Nintendo entscheidet, beide Spiele im Launchjahr der Switch 2 in so kurzen Abständen zu veröffentlichen. Durch jede weitere Spielstunde hat sich mir aber immer mehr gezeigt, wie unterschiedlich die beiden Spiele doch sind und vor allem wie viel Tiefe das Kirby-Spinoff hat. Kirby Air Riders ist viel mehr als nur ein weiterer Funracer: die verschiedenen Spielmodi unterscheiden sich grundlegend voneinander und vor allem City Trial birgt gefühlt unendlich viel Stunden Spaß. Egal ob ihr alleine, an einer Konsole mit Freund*innen oder online spielt, könnt ihr mit dem Titel verdammt viel Zeit verbringen, ohne, dass euch langweilig wird. Man merkt dem Titel ganz klar die Smash Bros.-Wurzeln von Sakurai und seinem Team an und ich bin wahnsinnig froh, dass er mit Air Riders ein absolutes Leidenschafts-Projekt umsetzen konnte, das diesmal hoffentlich möglichst viele Spieler*innen erreicht. Lasst euch also nicht vom Kauf abschrecken, auch wenn ihr Mario Kart schon zuhause habt, hier wartet nämlich eine komplett andere Spielerfahrung auf euch, die wahnsinnig viel Spielspaß zu bieten hat, wenn man sich erst mal etwas in die Mechaniken eingearbeitet hat.


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