Ihr kennt bestimmt dieses Videospiel-Klischee, dass man in Rollenspielen bzw. besonders in JRPGs am Ende immer in einem der absurdesten und gleichzeitig epischsten Settings gegen einen Quasi-Gott kämpft oder manchmal das „quasi“ sogar streichen kann. Soweit so meistens auch richtig. Aber viel zu selten wird dabei über Kirby gesprochen und vermutlich hat da sein süßes Design und generell die kawaii-fication der Marke einen gar nicht so kleinen Einfluss darauf. Aber wenn man sich mal ansieht, welche Kämpfe am Ende von diversen Kirby-Spielen auf Spieler*innen warten, müsste man eigentlich den Witz neu schreiben und Kirby als mächtigstes Wesen der Videospielwelt zumindest aufs Treppchen stellen. Auch Kirby und das vergessene Land hat da keine Ausnahme gemacht und uns am Ende mit Fecto Elfilis eine als „Ultimative Lebensform“ betitelte Bedrohung gegenüber gestellt, wobei wir eigentlich alle wissen, dass das eigentlich ja Shadow the Hedgehog ist, aber das sei mal dahingestellt. Nach dem absolut epischen Ende, das das Switch-Original für mich sehr positiv abgeschlossen hat, gibt es jetzt mit der Switch 2 Edition und der neuen Sternensplitter-Welt aber die perfekte Gelegenheit noch mal einen Blick ins Spiel zu werfen.
Falls ihr Kirby und das vergessene Land bei seinem Release im März 2022 nicht gespielt habt: keine Sorge, mit dem Namen habe ich euch nicht wirklich viel gespoilert und es lohnt sich auch über 3 Jahre später definitiv noch das Spiel nachzuholen. Vor allem, wenn ihr auf der Switch 2 jetzt direkt das Komplettpaket bekommen könnt. An der Grundstory des Spiels hat sich dabei nichts geändert, diese hat lediglich ein paar technische Upgrades bekommen, der neue Teil, die Sternensplitter-Welt, fügt sich dabei einfach nahtlos an und kann jederzeit auf der Weltkarte ausgewählt werden. Im Spiel selbst beobachten Kirby und Elfilin wie ein seltsamer Meteorit abstürzt und sich aus dem Meer eine mysteriöse Vulkaninsel erhebt. Dem Meteoriten wohnt dabei eine bedrohliche Kraft inne und deshalb zieht Kirby nun los, um die über die Spielwelt verstreuten Astralinis zu finden, mit deren Hilfe er den Meteoriten wieder verschließen kann. Das Add-On wird euch mit allem drum und dran vermutlich um die vier bis sechs Stunden beschäftigen und kann auch separat als Upgrade im eShop für 20€ gekauft werden, falls ihr das Grundspiel schon besitzt, egal ob Digital oder auf Cartridge.

Im Grunde können wir diese Review auch einfach als Add-On zur Review zu Kirby und das vergessene Land sehen und uns einiges sparen, das schon an anderer Stelle besprochen wurde. Denn am grundlegenden Gameplay und Aufbau des Spiels hat sich eigentlich nicht wirklich etwas verändert: ihr lauft auch in der Sternensplitter-Welt durch verschiedene Levels, die ihr über die Weltkarte und euren Warp-Stern einzeln ansteuern könnt und könnt jederzeit in Waddle Dee Town Zwischenhalt machen und euch dort ein bisschen ausruhen. Die neuen Levels sind dabei, ähnlich wie die zweiten Akte in Sonic Mania, jeweils Remix-Versionen der bekannten Levels und dabei auch auf der Karte jeweils an diese angekoppelt. Ausgehend vom Meteor, der relativ nah am Startpunkt des Spiels selbst landet, reist ihr dabei also noch einmal über die gesamte Weltkarte und spielt euch erneut durch die verschiedenen Gebiete, diese sind allerdings durch besondere Sternensplitter-Fragmente und damit einhergehende Besonderheiten aufgepeppt. Den Aufbau fand ich dabei sowohl für Neueinsteiger*innen als auch Personen, die das Spiel zu Release oder im Laufe der Jahre schon beendet haben und jetzt wieder zurückkommen, gut geeignet.
Als Motiv hat jedes der neuen Level die Sternensplitter und verwendet diese, um die Levels teilweise komplett umzukrempeln, neue Elemente einzubauen und vorhandene Level-Architektur einfach zu verändern. Eine meiner Lieblingssituationen war, als in einem Level das Wasser plötzlich wie von Moses geteilt wurde und man statt zu schwimmen eine Platforming-Passage vor sich hatte. Kirby ist zwar eigentlich nicht dafür bekannt, die härtesten Platforming-Einlagen da draußen zu haben, vor allem durch seine Flugfähigkeit, die vieles ein bisschen trivial machen würde. Im Sternensplitter-Welt DLC sind aber vermutlich mit die forderndsten Sprungpassagen, die es bisher in der Kirby-Reihe gab und da hilft euch selbst die Flugfunktion nicht mehr weiter. Wenn plötzlich aus allen Richtungen Feuer kommt und der Weg nur wenig Platz bietet auszuweichen, hatte ich es teilweise echt gar nicht so einfach und vor allem wenn da die verschiedenen Fähigkeiten von Kirby in Kombination genutzt werden müssen, verlangt das Spiel all eure Fähigkeiten von euch. Das alles ist natürlich nie auf Celeste-Level oder in ähnlichen Gefilden unterwegs, für Kirby-Verhältnisse aber definitiv beachtlich.

Wie schon im Original von vor 3 Jahren gibt es auch in – wir holen jetzt gemeinsam Luft – Kirby und das vergessene Land – Nintendo Switch 2 Edition + Die Sternensplitter-Welt wieder einige Verwandlungen, die Kirby durchführen kann. Während euch natürlich Gegner wieder Fähigkeiten liefern, wie ein Schwert oder Bomben, hatte das Switch-Original damals den Vollstopf-Modus eingeführt, in dem Kirby sich einfach über ein Auto, einen Getränkeautomaten oder eine Treppe stülpt und ihr mit dieser Verwandlung weiter durch das Level laufen oder eben fahren könnt. Gefühlt hat sich das Team nach dem Original noch einmal an den Zeichentisch gesetzt und überlegt, welche Verwandlungen nicht nur witzig wären, sondern auch mechanisch im Spiel selbst Sinn machen würden und diese dann für die Switch 2 Edition umgesetzt. Insgesamt dürft ihr drei neue Gegenstände einsaugen und deren Form annehmen: ein Zahnrad, das mit die knackigsten Geschicklichkeitspassagen mitbringt, die das Spiel zu bieten hat, eine Sprungfeder, mit der ihr neue Höhen erreicht und ein aufklappbares Schild, das zwar etwas unspektakulär klingen mag, es aber definitiv in sich hat.
Mit dem Zahnrad hängt ihr euch im Spiel direkt an Wände bzw. Oberflächen und könnt daran entlang rollen. Gleichzeitig habt ihr einen kurzen Boost-Move, der euch einerseits über Abgründe katapultieren kann, gleichzeitig aber auch Gegner beseite räumt, die euch im Weg stehen. Vor allem in den späteren Levels der Sternensplitter-Welt sind diese Passagen echt fordernd und ich bin öfter in den Abgrund gefallen, als mir lieb ist. Die Sprungfeder ist da schon etwas angenehmer und zumindest mir sind die Passagen damit leichter gefallen: ihr schießt euch entweder per Knopfdruck weit nach oben oder hüpft normal vor euch hin und könnt von oben noch eine Stampfattacke ausführen, die Gegner besiegt und teilweise auch den Boden unter euch kaputt machen kann. Am spaßigsten fand ich die Abschnitte mit dem Klappschild: saugt Kirby dieses ein, verwandelt er sich in einen Schlitten und euch steht eine kleine Rennstrecke bevor, in der ihr schnell Hindernissen ausweichen, über Abgründe hüpfen und mit einer Drehattacke auch Gegner ausschalten müsst. Diese kleinen Strecken haben mir richtig viel Spaß gemacht und nur meine Vorfreude auf Kirby Air Riders gesteigert.

Natürlich profitiert aber das gesamte Spiel von der neuen Technik der Switch 2 und damit einer höheren Auflösung und höheren Framerate. Ihr müsst nicht im Titelbildschirm zwischen zwei separaten Spielen wählen und habt überall die gleichen Vorteile: während das Original auf der Switch noch in 30 Frames pro Sekunde lief, könnt ihr auf der neuen Konsole konstante 60 Frames genießen und das sowohl im Handheld- als auch im Docked-Modus. Unterwegs seid ihr mit 1080p unterwegs, während ihr am TV 4K genießen dürft. Als jemand, der die letzten Jahre immer schon nach einer Pro-Version der Switch gerufen hat und mir Spiele wie Kirby oder auch The Legend of Zelda: Echoes of Wisdom mit besserer Performance gewünscht habe, freue ich mich über Upgrades wie dieses natürlich sehr. Etwas schade ist leider nur, dass ihr die Switch 2 Edition des Spiels bzw. das Upgrade zur Basis-Version definitiv kaufen müsst, um diese technischen Verbesserungen auf eurer Switch 2 zu erhalten. Habt ihr „nur“ die originale Switch-Version und legt sie auf eurer neuen Konsole ein, werden diese Vorteile für euch nicht automatisch freigeschaltet. Ich finde, dass das Sternensplitter-Welt Add-On alleine schon den Preis des Upgrades wert ist und habe mich über die Dreingabe einer flüssigen Framerate und 4K-Auflösung natürlich umso mehr gefreut, ob ihr das genau seht, ist aber natürlich eine andere Frage, die ich euch nicht abnehmen kann.
„Die Switch 2 Edition von Kirby und das vergessene Land und das Add-On zur Sternensplitter-Welt ist definitiv einen Blick wert und vor allem die neuen Vollstopf-Modus-Verwandlungen haben es in sich, wie Kirby eben die Gegenstände in sich hat.“
Als jemand der mit Kirby und das vergessene Land damals schon verdammt viel Spaß hatte und mich generell immer freue, wenn es neuen Kirby-Content für meine Konsole gibt, habe ich mich gleich nach der gamescom voller Vorfreude in die Switch 2 Edition und den Sternensplitter-Welt DLC gestürzt. Wenn ihr das Spiel im Original noch nicht gespielt habt, ist die neue Version definitiv der Way to go und dank dem Upgrade Pack könnt ihr auch von eurer Basis-Version ausgehend easy wieder einsteigen und euren Spaß haben. Die Switch 2 Edition von Kirby und das vergessene Land und das Add-On zur Sternensplitter-Welt ist definitiv einen Blick wert und vor allem die neuen Vollstopf-Modus-Verwandlungen haben es in sich, wie Kirby eben die Gegenstände in sich hat. Die neuen Level-Abschnitte schaffen eine gute Balance zwischen dem Gefühl das Level schon einmal gesehen zu haben, nur um es dann völlig auf den Kopf zu stellen und das technische Upgrade lässt das Spiel so schön und flüssig aussehen wie nie zuvor. Dass das Performance-Upgrade auf der Switch 2 hinter dem Kauf der Edition gesperrt ist, ist dabei der einzig bittere Beigeschmack, abseits davon ist das Upgrade aber wirklich umfangreich und ist für mich absolut den Kauf bzw. Preis wert.


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