Der Pokémon Day 2026 war ein ganz Besonderer, immerhin gab es das 30-jährige Bestehen der mittlerweile weltbekannten Marke zu feiern. Der Pokémon Presents-Stream im Februar war dieses Jahr also mehr als vollgepackt: neben Updates zu den verschiedenen Mobile Games, dem Release von Pokémon XD: Der Dunkle Sturm in der GameCube App am 18. März und der finalen Ankündigung von Pokémon Champions, gab es außerdem schon einen ersten Blick auf die zehnte Generation, Pokémon Wind und Welle, die 2027 exklusiv für die Switch 2 erscheinen wird. Gleichzeitig wurden am selben Tag endlich die Switch Ports der Game Boy Advance-Remakes Feuerrot und Blattgrün, als Tribut an die erste Generation, veröffentlicht und nur eine Woche später war es endlich Zeit für Pokémon Pokopia. Das Spin-Off wurde während der Nintendo Direct im September 2025 das erste Mal gezeigt und seitdem wartete ich ungeduldig auf den Release. Was auf den ersten Blick wie eine Mischung aus Minecraft und Animal Crossing nur eben mit Pokémon-Anstrich aussah, wirkte schon im ersten Trailer wie ein Spiel, in dem ich endlose Stunden verbringen könnte.
Startet ihr das Spiel, wacht ihr als Ditto in einer verlassenen Höhle auf und verwandelt euch in eine menschliche Form. Als Menschen-Ditto trefft ihr dann auf Tangoloss, welches euch erklärt, dass eure Umgebung brach liegt, alle anderen Pokémon verschwunden sind und es schon seit sehr langer Zeit keine Menschen mehr gesehen hat. Gemeinsam mit Professor Tangoloss macht ihr es euch also zur Aufgabe zuerst das Startgebiet und insgesamt 4 weitere Gebiete wieder zum Leben zu erwecken und damit hoffentlich wieder genug Lebensräume für eure fellow Pokémon zu schaffen, um herauszufinden, warum diese verschwunden sind und was eigentlich mit den Menschen passiert ist. Schon vor Release wurden wilde Theorien darüber aufgestellt, dass Pokopia eventuell in einer dystopischen Kanto-Region stattfinden soll und je tiefer ihr ins Spiel eintaucht, desto mehr findet ihr in Dokumenten, Dialogen und der Welt selbst heraus, was hier genau passiert ist. Ich hätte selbst nicht gedacht, dass so viel an Narrative ins Spiel gepackt wird, aber war am Ende wirklich mehr als positiv überrascht, wie gut sich das Spin-Off mit der Pokémon-Lore beschäftigt.

Pokémon Pokopia ist wie Minecraft oder auch die ebenfalls von Omega Force entwickelte Dragon Quest Builders-Reihe blockförmig strukturiert und genau so baut ihr auch in der Welt eure Häuser, Wege und alles andere. Tatsächlich hat das Spiel auch genau mit diesen Vorbildern sehr viel mehr gemeinsam, als etwa mit Animal Crossing, was viele vor Release erwartet hatten. Ihr sammelt zwar einen Haufen Pokémon, die jeweils ihre eigene Persönlichkeiten und Dialoge haben, denen ihr Häuser baut und die bei euch leben, das Spiel konzentriert sich aber sowohl im Verlauf der Story, als auch im Gameplay selbst sehr viel mehr auf den Aufbau-Aspekt, als auf die Interaktionen. Klar, der „Schnapp sie dir alle!“-Aspekt darf bei Pokémon nie zu kurz kommen und es macht verdammt viel Spaß über den Pokédex zu verfolgen, wie viele der 300 Pokémon ihr schon gefunden habt, ich habe mich aber in meiner Spielzeit immer mehr darin verloren meine Gebiete wieder aufzubauen, diese zu verschönern und mir selbst Dinge auszudenken, wie man etwas schön aussehen lassen kann. Ich bin dabei zwar weit entfernt von absurd kreativen Konstruktionen, die durchs Internet geistern, aber Spaß habe ich trotzdem verdammt viel in meiner Stümperei.
Um die Pokémon in Pokopia wieder zurückzubringen, müsst ihr diesen erst mal Habitate bauen, in denen sie dann leben können. Dazu müsst ihr erst mal neue Fähigkeiten finden, die Ditto von anderen Pokémon imitieren kann: die Attacke Blattwerk lässt euch hohes Gras aus der Erde ziehen, per Aquaknarre bewässert ihr den Boden und lasst ausgetrockneten Boden und verdorrte Blumen wieder in neuem Glanz erstrahlen und mit dem Zerschneider könnt ihr Holz und Geäst kleinhacken. Insgesamt warten in Pokémon Pokopia ganze 14 Skills darauf von euch erlernt zu werden, wobei manche wesentlich häufiger gebraucht werden, als andere und das Spiel lässt euch easy durch die verschiedenen Skills wechseln, damit ihr es beim Umbau der Gebiete möglichst einfach habt. Ich verstehe zwar bis jetzt nicht, warum man sich dazu entschieden hat, die Aquaknarre kreuzförmig aufzubauen, aber bis auf das hatte ich über die gesamte Spielzeit absolut keine Probleme mit den Fähigkeiten. Manche Fähigkeiten, wie den Sprung, den ihr von Karpador lernen könnt, müsst ihr auch nicht erst aktiv auswählen, um sie einzusetzen.

Während ich vor allem in Minecraft immer Probleme damit hatte meine Motivation lange aufrecht zu erhalten und mir beim Spielen schnell die Motivation flöten ging, haben es mir schon Dragon Quest Builders und der zweite Teil davon wesentlich leichter gemacht und genau so ging es mir auch in Pokopia. Dabei hält Pokopia nicht nur mit konkreten Haupt- und Nebenmissionen den Ball am rollen, sondern gibt euch mit dem Pokédex und der Habitat-Liste noch zwei weitere Motivationen, die aktiv ins Gameplay eingebunden sind. Das schönste daran ist, dass das Spiel euch bis zum Ende immer wieder neue Fähigkeiten lernt, Items gibt, die ihr einsetzen könnt und die aktiv eure Prozesse vereinfachen und sogar die Fähigkeiten, die ihr schon gelernt habt und seit 20 Stunden einsetzt, erhalten später noch Upgrades. Ich hatte schon über 40 Spielstunden auf der Uhr und plötzlich hat mir das Spiel wieder eine Funktion an die Hand gegeben, die mich noch mal komplett umdenken hat lassen. Ich will euch da gar nicht zu viel selbst vorweg nehmen, das eigene Entdecken ist für mich selbst großer Teil der Faszination des Spiels gewesen, aber ich gebe euch einen kleinen Tipp mit an die Hand: nehmt euch vielleicht nicht schon in den ersten Spielstunden vor ein Gebiet komplett umzubauen. Ihr bekommt noch mal wesentlich mehr Items und Fähigkeiten im weiteren Spielverlauf, mit denen ihr es einfacher haben werdet und sehr viel coolere Dinge bauen könnt.
Ein bisschen gehört das Einreißen und das Neu-bauen natürlich zum Spiel und ganz konnte und wollte ich dem auch nicht aus dem Weg gehen. Folgt ihr aber der Story des Spiels durch die verschiedenen Gebiete und schweift nicht zu sehr ab, habt ihr trotzdem viel zu tun und lernt ganz organisch, was Pokopia alles zu bieten hat. In jedem der Gebiete erhöht ihr nach und nach den Level davon, der maximal auf Stufe 10 ansteigen kann. Den Level bekommt ihr höher, indem ihr neue Habitate für Pokémon baut, diesen Wünsche erfüllt und deren Komfort so erhöht und die insgesamte Zufriedenheit steigert. Ihr verschenkt also Betten, baut Häuser, stellt Dekoration auf und pflanzt Blumen und Bäume, um das Gebiet möglichst schön werden zu lassen. Ab einem bestimmten Level bittet euch Professor Tangoloss dann das jeweilige Pokémon Center wieder aufzubauen und ihr werdet überall bei Level 5 landen, bevor ihr weiter dürft. Den Maximal-Level für alle Gebiete zu erreichen wird euch dann auf jeden Fall noch mal einige Spielzeit und Mühe kosten, macht aber mindestens genau so viel Spaß.

Neben den regulären Gebieten, die jeweils mit ihren regionsexklusiven Pokémon kommen, gibt euch das Spiel nach etwas Spielzeit außerdem noch ein Gebiet, das keinem linearen Progress folgt. Dort könnt ihr euch auf einer riesigen Spielwiese ganz eigenständig ausleben und bauen wo und wie ihr wollt. Ihr könnt das Gebiet theoretisch sogar selbst benennen, wie es eigentlich heißt, will ich euch an der Stelle tatsächlich nicht verraten. Begrüßt werdet ihr dort von einem Evoli, könnt dort ebenfalls ein Pokémon Center aufbauen und habt sogar die Möglichkeit Freund*innen im Multiplayer dorthin einzuladen. Diese können mit euch gemeinsam bauen, Pokémon entdecken, auch welche, die es nur dort zu finden gibt und mit euch allen möglichen Schabernack auf der Insel treiben. Zusätzlich findet ihr dort noch Bauvorlagen, die ihr vermutlich erst in Richtung Endgame bauen könnt, da diese nicht nur verdammt viel Material brauchen, sondern auch Dinge, die ihr erst recht spät im Spiel finden und herstellen könnt. Der Fortschritt und Zustand wird dabei jeweils für die Person gespeichert, die eingeladen hat und ihr könnt auch über die GameShare-Funktion Freund*innen zu euch einladen.
Aber nicht nur in diesem Gebiet könnt ihr mit anderen gemeinsam spielen: Jede Person kann eine eigene Cloud Insel erstelle und dann Leute dorthin einladen. Die Trauminsel ist wie ein Privatserver in Minecraft, auf dem ihr insgesamt zu viert drauf losbauen könnt und das komplett von Null an. Sobald ihr im Spiel außerdem die Mysteriöse Brille freischaltet und aufsetzt, könnt ihr via Code auch die Hauptinseln von anderen Personen besuchen, dort dann allerdings nichts umbauen oder mitnehmen. Ihr habt aber die Möglichkeit, Items, die euch gefallen, zu fotografieren und im Pokémon Center eurer Wahl für eure eigene Insel drucken zu lassen. Zu Release gab es so auch direkt die Möglichkeit eine offizielle Developer-Insel zu besuchen, mittlerweile kam eine Zusammenarbeit mit Ikea heraus und ich denke auch in Zukunft werden wir da noch einiges sehen. Nur die Story selbst könnt ihr in Pokopia leider nicht mit Freund*innen gemeinsam spielen, dort seid ihr ganz auf euch allein gestellt, mit den verschiedenen Multiplayer-Möglichkeiten fiel das für mich aber nicht negativ ins Gewicht.

Ich war während meiner Spielzeit wirklich positiv überrascht, wie viel wirklich in Pokopia steckt: alleine die 300 Pokémon und über 200 Habitate, die ihr finden könnt, sind ja schon eine ordentliche Hausnummer, wirft man allerdings dann noch einen Blick auf die Items, mit denen ihr bauen könnt, werden euch wie mir bestimmt nicht so schnell die Ideen ausgehen. Neben unterschiedlichen Blöcken, mit denen ihr Häuser und andere Strukturen selbst bauen könnt, gibt es außerdem eine scheinbar endlose Anzahl an Möbeln, Outdoor Items, nützlichen Gegenständen wie Stromleitungen, Kochutensilien, Schmelzöfen und mehr, Mahlzeiten, Bäume, Büsche, Blumen und auch reine Dekorationen. Außerdem findet ihr immer wieder Bauanleitungen, zu denen ihr vorgegebenes Material bringt, Pokémon zuweist und diese dann fertige Häuser, Brunnen oder andere Strukturen fertig bauen lasst. Bis ihr wirklich alles im Spiel gesehen habt, vergeht also sicher einiges an Spielzeit und selbst ich bin nach 50 Stunden im Spiel noch weit davon entfernt.
Viele Gegenstände sind dabei, genau wie die Pokémon und Habitate, direkt an die jeweiligen Gebiete geknüpft. Während ihr im ersten Gebiet noch hauptsächlich die Grundlagen des Spiels lernt, kommt ihr danach an ein Strandgebiet, das euch mit Wasser vertraut macht und euch lernt, wie ihr mit Strom und Stromleitungen umgeht. Danach schickt euch das Spiel in ein von Vulkanasche überschüttetes Berg-Gebiet, in dem ihr euch durch Höhlen und heiße Quellen buddelt und lernt, wie ihr verschiedene Gerichte kocht und habt ihr dort alles erledigt, schickt euch Pokopia in luftige Höhen und lässt euch Müll und Lehm zu Bau-Material umwandeln. Die Gebiete sind dabei allesamt nicht nur in ihrem Aufbau an die jeweiligen neuen Fähigkeiten, die ihr dort lernen könnt, angelehnt, sondern sie unterscheiden sich auch optisch sehr schön voneinander. Wird es euch also irgendwann zu eintönig, nur im ersten Gebiet rumzuhängen, könnt ihr einfach woanders hinreisen und dort weiterbauen. Habt ihr erst mal ein eigenes Haus im jeweiligen Gebiet gebaut, funktioniert das sogar ganz einfach via Schnellreise.

Schon vor Release haben sich einige Leute beschwert, dass Pokémon Pokopia nur für die Nintendo Switch 2 erscheint und nicht mehr für die Vorgänger-Konsole. Nachdem ich das Spiel jetzt aber selbst gespielt und erlebt habe, kann ich diese Entscheidung nur begrüßen: ich selbst spiele viel lieber ein performantes und gleichzeitig hübsches Spiel, in dem ohne Leistungseinbrüche wahnsinnig viel auf dem Screen passieren kann, anstatt noch mal eine Situation wie in Pokémon Karmesin & Purpur zu haben, das zwar eigentlich ein vom Gameplay her richtig gutes Spiel wäre, aber so sehr unter der Hardware und fehlender Optimierung leidet. Pokopia läuft sowohl im Handheld- als auch im Docked Modus ohne Probleme mit 60 Frames die Sekunde und ihr könnt euch metertief in den Boden graben oder nach oben bauen, ohne dabei Performance-Probleme zu haben. Pokopia hat außerdem einen fantastischen Soundtrack, der sowohl Neuinterpretationen bekannter Melodien ins Spiel einbaut aber euch auch immer wieder CDs finden lässt, die eine Auswahl an 30 Jahren Pokémon-Songs bieten. Diese können von DJ Rotom in eurer eigenen Playlist verpackt abgespielt werden und vor allem ich als alter Hase, habe mich sehr über beides gefreut.
„Pokémon Pokopia bedient sich zum 30-jährigen Jubiläum unfassbar geschickt an der Franchise-Historie und bringt diese mit einer Leichtigkeit in ein bisher völlig neues Genre, dass man sich am Ende fragt, warum es so lange gedauert hat, bis wir dieses Spiel bekommen haben.“
Mein Einstieg ins Spiel war grundsätzlich schon recht wohlwollend, aber auch mit einer gewissen Skepsis, da Aufbau-Simulationen, bei mir einen etwas schwierigen Stand haben. Da Omega Force mich aber schon in der Vergangenheit gut abholen konnte, war ich auch da nicht voller Sorge und was soll ich sagen? Das Spiel hat für mich auf ganzer Ebene mehr als gut funktioniert. Pokémon Pokopia bedient sich zum 30-jährigen Jubiläum unfassbar geschickt an der Franchise-Historie und bringt diese mit einer Leichtigkeit in ein bisher völlig neues Genre, dass man sich am Ende fragt, warum es so lange gedauert hat, bis wir dieses Spiel bekommen haben. Aber hey, gut Ding will Weile haben. Die umfangreiche Story leitet einen als Spieler*in immer weiter an neue Funktionen heran, ohne, dass man sich dabei zu sehr an die Hand genommen fühlt und durch die verschiedenen Habitate, Pokémon und Items könnt ihr hunderte Stunden im Spiel verbringen und habt dann immer noch nicht alles gesehen. Die Multiplayer-Funktionen ergänzen das Solo-Spielerlebnis perfekt, der Soundtrack weckt immer wieder nostalgische Gefühle und gleichzeitig läuft Pokopia auf der Switch 2 flüssig und ohne Probleme. Lediglich die GameShare-Funktion hat bei mir ein paar Wünsche offen gelassen, das ist aber Jammern auf ganz hohem Niveau und am Ende ist Pokopia so viel mehr als ich erwartet oder mir gewünscht hätte.


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