Titelbild zu Pokémon-Legenden: Z‑A von Game Freak für Nintendo Switch 2

Pokémon-Legenden: Z‑A

Nach dem Launch von Pokémon Karmesin & Purpur waren zwei Dinge relativ eindeutig zu sehen. a.) die Nintendo Switch hat nicht mehr so lange Zeit, bis der Nachfolger erscheint und b.) Game Freak muss ganz dringend mal mehr Zeit in die Entwicklung ihrer Pokémon-Spiele stecken. Und damit meine ich beim besten Willen nicht die Ideen im Gameplay, dem Design der Welt oder auch den echt verdammt guten DLC Der Schatz von Zone Null, der das Grundspiel noch mal um eine mitreißende Story erweitert hat. Aber technisch war das leider echt nix. Naja, die Kritik scheint jedenfalls gefruchtet zu haben, denn diesmal hat es knapp 3 Jahre gedauert, bis ein neues Spiel der Marke erschien. Zählt man die verschiedenen Sondereditionen Gelb, Kristall, Platin & Co. und die Remakes mit, ist das so lange Zeit wie noch nie, in der kein Mainline-Pokémon-Spiel erschien und für ein Franchise wie dieses ist das wirklich ein großer Schritt. Und obwohl mit Pokémon-Legenden: Z‑A nun keine neue Pokémon-Generation eingeleitet wird, darf es sich trotzdem in die Reihe der Main-Games gesellen und erschien zu Release auch direkt als Nintendo Switch 2 Edition, mit allen technischen Vorteilen, die Nintendos neue Konsole zu bieten hat.

Pokémon-Legenden: Z‑A findet dabei nur fünf Jahre nach den Geschehnissen von Pokémon X & Y, der sechsten Generation der Reihe, statt und knüpft teilweise sehr stark an die Story und Lore dieser Spiele an. Wer die 3DS-Teile nicht gespielt hat, sollte also zumindest mal eine kurze Zusammenfassung checken, sonst werdet ihr vor allem gegen Ende des Spiels öfter Fragezeichen über dem Kopf haben als Woingenau. Diesmal bereist ihr allerdings nicht die gesamte Kalos-Region, sondern haltet euch lediglich in Illumina City auf, in dessen Mitte der Prismaturm steht, um den herum die verschiedenen Bezirke der Stadt aufgeteilt sind. Ihr kommt als Tourist*in in der Stadt an und werdet recht schnell von Zita oder Alton – je nachdem welches Geschlecht ihr für eure Spielfigur gewählt habt – in eine Story rund um das Hotel Z, das Z-A Royale, Wildsektoren und die sogenannte Megamanie-Entwicklung verwickelt. Diese plagt Pokémon in der Stadt, wodurch sie unkontrolliert die Mega Entwicklung ausführen und eine Gefahr für die Stadt darstellen. Die Story wurde vor allem zum Ende hin sehr viel düsterer, als ich es erwartet hatte und hat mich doch mehr beeindruckt, als ich es von einem Pokémon-Titel erwartet hätte.

Während das halbe Internet ausgerastet ist, dass die Stadt doch viel zu klein sei, wie soll das denn nicht langweilig werden und das klappt doch gar nicht mit den wilden Pokémon, war ich erst mal recht ruhig in meinen Erwartungen. Game Freak hat Pokémon-Legenden: Z‑A im Grunde in zwei Parts aufgeteilt, die ihr abwechselnd spielt, um die Story voranzutreiben und auch eure Pokémon zu trainieren bzw. neue zu fangen. Tagsüber seid ihr meist damit beschäftigt die Wildsektoren zu erkunden, die von der Quazar Corporation über die Stadt verteilt errichtet wurden. Diese kümmert sich um den Stadtentwicklungsplan von Illumina City und hat die Sektoren errichtet, um die Stadt zu einem Ort zu machen, in dem Menschen und Pokémon in friedlicher Co-Existenz miteinander leben können. Insgesamt gibt es davon in der Stadt verteilt 20 Stück, in denen ihr verschiedene Pokémon finden könnt und die ihr jederzeit über eure Karte per Schnellreise erreicht, sobald ihr sie zum ersten Mal besucht habt.

Die Wildsektoren sind dabei jeweils durch eine Barriere abgesperrt und Pokémon können erst von euch gefangen bzw. anvisiert werden, wenn ihr durch eines der Tore durch die Barriere geht. Auf eurer Karte seht ihr für jeden Sektor bereits eine Vorschau, welche Pokémon sich dort aufhalten und je nach tageszeit können die Spawnpunkte der Monster auch wechseln oder neue Arten auftauchen, es lohnt sich also nicht nur tagsüber, sondern auch mal wenn es dunkel ist vorbeizuschauen. Wie auch schon in Legenden Arceus könnt ihr euch im hohen Gras an Pokémon anschleichen und so eure Fangchancen erhöhen, ohne gegen die wilden Pokémon kämpfen zu müssen. Ihr könnt in die Hocke gehen, eine Rolle nach vorne machen und zielt eure Pokébälle manuell. Bleibt eines der wilden Pokémon aber nicht im Ball, müsst ihr euch auf einen Kampf vorbereiten und es erst schwächen, bevor ihr es fangen könnt. Hier kann es aber auch passieren, dass euer Ziel ausbricht und flüchtet, seid also immer vorsichtig welchen Ball ihr einsetzt. Eure Fangchancen seht ihr zum Glück immer als Icon neben dem Namen des anvisierten Pokémons. Bei gegnerischen Attacken müsst ihr in Legenden: Z-A außerdem aufpassen, dass diese nicht euch treffen, da ihr sonst K.O. gehen könnt. Die Kämpfe wurden diesmal nämlich auch noch mal umgemodelt.

Alle Kämpfe in Pokémon-Legenden: Z‑A spielen sich nämlich in Echtzeit ab und Attacken können auch euch als Ziel haben. Steckt ihr zu viel ein, werdet ihr ohnmächtig und auch wenn ihr noch genug fitte Pokémon im Team habt, werdet ihr dann zum nächsten Pokémon Center gebracht. Ihr könnt euch während der Kämpfe aber auch jederzeit frei in alle Richtungen bewegen, eure Ausweichrolle einsetzen und habt ihr erst mal selbst ein Pokémon aus dem Ball geholt und angegriffen, sollte sich euer Gegenüber eigentlich darauf konzentrieren, anstatt euch anzuvisieren. Ein paar Attacken haben allerdings einen relativ weiten Radius, seid also auf jeden Fall immer vorsichtig. Vor allem die Elite-Pokémon, größere und vor allem stärkere Varianten der normalen Spezies mit leuchtend-roten Augen haben es in sich. Anders als in bisherigen Teilen haben durch die neue Kampf-Variante Attacken keine AP mehr und können unbegrenzt eingesetzt werden. Jede Attacke hat dabei einen Cooldown und füllt sich je nach INIT-Wert eures Pokémons schneller oder langsamer wieder auf. Das neue Kampfsystem hat mir richtig viel Spaß gemacht und sich viel mehr nach echten Pokémon-Kämpfen angefühlt, wie man sie etwa aus dem Anime kennt.

Sobald es in Illumina City nacht, was nicht an die Tageszeit eurer Konsole geknüpft ist, sondern an einen festen Tag-Nacht-Rythmus im Spiel selbst, öffnen sich an zufälligen Stellen der Stadt die sogenannten Kampfsektoren, in denen sich der zweite wichtige Teil von Z-A abspielt. Im Z-A Royale versucht ihr als Trainer*in von Rang Z bis zu Rang A aufzusteigen und müsst dafür verschiedene Kämpfe absolvieren. Pro Stufe sammelt ihr eine vorgegebene Anzahl an Ticketpunkten in den Kampfsektoren und erhaltet am Ende die Erlaubnis gegen bestimmte Gegner*innen anzutreten, um in den nächsten Rang aufzusteigen. Eure Punkte könnt ihr in mehreren Nächten sammeln, ich hatte aber bis zum Ende keine Nacht, in der ich nicht alle Punkte auf einmal geholt habe. Das schafft ihr vor allem durch verschiedene Aufgaben, die ihr in den Sektoren aufsammelt und für deren Erledigung zusätzliche Punkte und auch Geld erhaltet. Für diese müsst ihr dann etwa X Gegner*innen angreifen, bevor diese euch bemerken, einen bestimmten Element-Typ von Attacke ausführen oder sie mit Plus-Attacken ausknocken. Diese spezielle Attacken können nur von Mega-Pokémon ausgeführt werden und ja, zur Freude der gesamten Fanbase sind Mega-Entwicklungen zurück!

Denn sind wir ehrlich: Dynamax bzw. Gigadynamax aus Pokémon Schwert & Schild war optisch cool, hat dem Spiel aber im Gameplay wenig neues geschenkt und die Terakristallisierung aus Pokémon Karmesin & Purpur hat den Kämpfe eine ordentliche Prise Taktik verpasst, sah aber optisch irgendwie nie so richtig cool aus. Am Ende hat mich aber beides nie so abgeholt, wie die Mega Entwicklungen, bei denen einfach alles stimmt: Pokémon kriegen neue Formen, die teilweise unfassbar cool aussehen und erhalten gleichzeitig neue Stats und sogar teilweise Typen, die die Kämpfe noch mal spannender machen. Dass Pokémon-Legenden: Z‑A also nicht nur die Mechanik zurückbringt, sondern auch um einige neue Entwicklungen erweitert, hat mich verdammt happy gemacht. Während der Story erhaltet ihr dabei immer wieder Aufträge, wilde Mega-Pokémon zu besiegen, die Illumina City bedrohen. Diese bekämpft ihr jeweils in einer eigenen Arena und jedes der an Megamanie leidenden Pokémon hat eigene Attacken-Muster, denen ihr nicht nur euer eigenes Team entgegensetzen müsst, sondern denen ihr selbst auch ausweichen müsst. Diese Kämpfe haben mich richtig gut unterhalten und ich hoffe jetzt schon, dass es davon im DLC Mega-Dimension, der ab 10. Dezember erhältlich sein wird, noch mehr geben wird. Neben euren Hauptmissionen, die wie schon in Legenden Arceus durchnummeriert sind und jederzeit in eurem Rotom-Handy aufgerufen werden können, gibt es auch allerhand Sidequests in der Stadt zu finden.

Insgesamt findet ihr im Spiel 120 Nebenmissionen, die mal mehr und mal weniger spannend ausfallen. Hinter manchen Substories steckt ein ganzer Handlungsstrang, der teilweise wirklich gut ist (Stichwort: Lichtel), während ihr bei anderen einfach nur ein Pokémon besiegen müsst oder einem NPC ein bestimmtes Pokémon zeigen müsst. Fangen könnt ihr im Basis-Spiel übrigens 230 Pokémon und 65 Mega-Entwicklungen durchführen. Habt ihr mal keinen Bock mehr auf Nebenmissionen oder die Story, könnt ihr auch in Online-Matches gegen jeweils 3 andere Trainer*innen in Vierer-Matches antreten. Dort verdient ihr euch auch u.a. die Mega-Steine für Quajutsu oder Fennexis und auch hier wird in Echtzeit gekämpft. Heißt, wenn ihr es klug anstellt, könnt ihr mit einer Attacke direkt drei Pokémon auf einmal ausschalten. Wer am Ende die meisten gegnerischen Pokémon besiegt hat, gewinnt und erhält damit auch die meisten Punkte. Falls ihr jetzt denkt, dass es unfair ist, die Mega-Steine hinter einem Online-Modus zu verstecken, gebe ich euch sogar bedingt Recht. Ja, es ist tatsächlich nicht fair, sie hinter eine Quasi-Paywall mit Nintendo Switch Online zu sperren, aber tatsächlich ist es rein vom Zeitaufwand her sehr einfach die Steine zu erhalten. Dafür müsst ihr in den Ranked Kämpfen des Modus einen bestimmten Level erreichen, was für Quajutsu exakt einen Kampf gedauert hat und für Fennexis insgesamt 15 Minuten Spielzeit.

Aber kommen wir doch noch zur großen Frage: kann sich Pokémon-Legenden: Z‑A nach der Entwicklungszeit sehen lassen und läuft es flüssig, oder steht wieder eine Windmühle im Hintergrund, die sich mit 2 Frames dreht? Auf der Switch 2 kann ich euch definitiv Entwarnung geben: das Spiel läuft komplett flüssig und auch in 4K-Auflösung und sieht so sowohl auf dem Fernseher, als auch im Handheld-Modus echt gut aus. Ja, die Balkone an den Häusern sind teilweise nur Texturen und ja, es ist definitiv nicht das optisch aufwändigste Spiel, das die Welt je gesehen hat. Hat man die Memes auf TikTok dazu aber erst mal weggescrollt und sich im Spiel verloren, stört das nicht und Game Freak hat es im Vergleich zu Karmesin & Purpur auch noch mal etwas besser geschafft die Balance zwischen „realistischeren“ Farbgebungen und Texturen der Pokémon und dem Comic-Look der Serie zu treffen. Und auch auf der Switch 1 läuft das Spiel wesentlich flüssiger und stabiler als die direkten Vorgänger zu Launch, was man auch auf die kleinere Spielwelt schieben könnte, diese ist aber mit ihren diversen Gebieten und vor allem der Vertikalität, die euch auch über diverse Dächer, Gerüste und teilweise sogar die Kanalisation schickt, trotzdem nicht klein. Ich habe mich jedenfalls sehr wohl gefühlt in Illumina City und fand die Spielwelt sowohl groß als auch hübsch genug.

„Pokémon-Legenden: Z-A schafft es, wie auch schon Legenden Arceus, neue Konzepte ins altbekannte Gameplay der Serie zu streuen, bringt endlich wieder die Mega-Entwicklung zurück und hat mich mit seinem Gameplay-Loop zwischen Tag- und Nacht-Gebieten richtig abgeholt.“

Während ich am Anfang noch Startschwierigkeiten mit dem neuen Aufbau des Spiels und der Welt hatte, was vor allem auch an den zu Beginn übermäßig vielen Tutorials lag, habe ich mich nach etwa 2-3 Stunden immer mehr in der Welt von Illumina City verloren und spätestens ab den ersten Mega-Entwicklungen komplett das Zeitgefühl verloren, während ich durch Wild- und Kampfsektoren gelaufen bin. Pokémon-Legenden: Z-A schafft es, wie auch schon Legenden Arceus, neue Konzepte ins altbekannte Gameplay der Serie zu streuen, bringt endlich wieder die Mega-Entwicklung zurück und hat mich mit seinem Gameplay-Loop zwischen Tag- und Nacht-Gebieten richtig abgeholt. Die Welt war für meinen Geschmack absolut nicht zu klein, die Story nimmt zum Ende hin wirklich ernste Züge an, was ich so nicht erwartet hatte und punktet mit interessanten Charakteren. Klar habe ich meine Kritikpunkte am Spiel und Game Freak könnte einige davon sicher ausbügeln, am Ende hatte ich aber wieder einmal eine verdammt gute Zeit mit einem Spiel der Reihe und freue mich jetzt schon auf den DLC, der zum Glück auch nicht mehr lange auf sich warten lässt, bis ich dann im März in Pokopia verschwinde.

4 von 5 Wertung für Pokémon-Legenden: Z‑A von Game Freak für Nintendo Switch 2
4 von 5 Karnimanis.

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