Titelbild zu Planet of Lana II: Children of the Leaf von Wishfully und Thunderful Games

Planet of Lana II: Children of the Leaf

Planet of Lana ist für uns als ThreeTwoPlay mittlerweile schon zur richtigen Herzensangelegenheit geworden. Nachdem wir selbst den ersten Teil schon vor Release gespannt verfolgten, hatten wir auf der gamescom 2022 dann das Glück mit den Entwicklern von Wishfully aus Schweden zu sprechen und konnten ihre Begeisterung dem Spiel gegenüber zu 100% nachvollziehen. Planet of Lana erschien dann im Mai 2023 und konnte uns auch in der Vollversion mehr als überzeugen. Als wir dann letztes Jahr in die Planungsphase der gamescom 2025 starteten, erreichte uns irgendwann eine Einladung zu einem Hands-On-Termin für Planet of Lana II, wir haben natürlich nicht lange gefackelt und direkt zugesagt. Als wir dann den kleinen Meeting-Raum betraten, grinsten uns die selben Devs wie auch schon 3 Jahre zuvor entgegen, erkannten uns direkt wieder und wir hatten einen wunderschönen Termin mit den beiden. Das Spiel sah schon im Demo-Termin sehr vielversprechend aus und, dass es so kurz nach dem Event schon erscheint, hat mich direkt positiv überrascht. Wer vor dem Kauf selbst reinschauen möchte, kann auf allen Plattformen die Demo selbst testen und wie auch schon Teil 1 ist Planet of Lana II: Children of the Leaf direkt zu Release am 5. März im Game Pass verfügbar.

Nachdem Lana im ersten Teil gemeinsam mit der katzenartigen Kreatur Mui ihr Dorf vor fiesen Robotern gerettet hat, scheint dort nun alles friedlich und idyllisch zu laufen. Weil Lana aber wissen will, wo die Roboter eigentlich herkamen, was es mit Mui auf sich hat und welche Geheimnisse hinter der Geschichte ihrer Welt stecken, erkundet sie zu Beginn des Spiels mysteriöse Ruinen, in denen Lana nicht nur einige interessante Entdeckungen macht, sondern dabei auch ein Unglück lostritt, das euch direkt vor eure erste Aufgabe im Spiel stellt. Wie schon der erste Teil legt Planet of Lana II: Children of the Leaf im Spielverlauf viel Wert auf die Geschichte und vor allem die Connection zwischen Lana und Mui und nutzt dabei wieder die eigens für das Universum erschaffene Sprache, die bewusst von den Entwickler*innen nicht übersetzt oder untertitelt wird, um Spieler*innen genügend eigenen Raum für Interpretationen zu geben. Die Story des zweiten Teils hat sich für mich noch einmal intensiver gespielt, als in Teil 1 und bietet vor allem mehr Hintergründe zur Welt, ihren Einwohner*innen und wir erfahren durch kurze Flashbacks sogar mehr über die Vergangenheit von Mui. Mit ca. 6 – 8 Stunden Spielzeit ist der zweite Teil auch noch mal ein Stückchen länger, tappt aber zum Glück nicht in die Falle die Handlung künstlich in die Länge zu strecken für mehr Spielzeit.

Wie schon der Vorgänger ist Planet of Lana II: Children of the Leaf ein 2D Rätsel-Platformer, der durch verschiedene Ideen diesmal mehr Abwechslung ins Gameplay mit einbringt. Als Lana könnt ihr wieder Drohnen fernsteuern und Mui über einen Cursor an Stellen schicken, die ihr selbst nicht erreichen könnt. Dort kann sie für euch Knöpfe betätigen, Seile zu euch runterwerfen oder auch mit ihren Fähigkeiten bestimmte Terminals aktivieren, Kameras kurzzeitig ausschalten oder sogar gegnerische Roboter für eine bestimmte Zeit ausknipsen. Dazu kommen diesmal noch Fähigkeiten, mit denen ihr bestimmte Lebewesen manipulieren bzw. selbst steuern dürft: die kleinen Roller hinterlassen eine Spur am Boden, die entflammbar ist und euch dazu dienen kann, Hindernisse zu verbrennen oder Plattformen herunterzulassen. Findet ihr einen Fischschwarm, könnt ihr euch einen Fisch daraus schnappen und als dieser durch enge Öffnungen in Höhlen schwimmen und einen Tintenfleck abgeben, der euch in dem jeweiligen Bereich unsichtbar für Feinde und Kameras macht. Außerdem gibt es noch Fliegen, die Wasser aufnehmen und dieses wiederum dazu nutzen können, Pflanzen wachsen zu lassen. Gemeinsam mit den fernsteuerbaren Drohnen, die man schon kennt, hat Wishfully so sehr viel mehr Abwechslung in die Rätsel gebracht, die zwar nie unglaublich schwer, aber so wesentlich unterhaltsamer sind.

Die Handlung führt euch diesmal durch wesentlich diversere Biome, die nicht nur schick aussehen, sondern auch von den Beschaffenheiten her mehr zu bieten haben, als der Vorgänger. Mui findet Wasser zwar immer noch richtig scheiße und will nicht mal durch Pfützen laufen, die Lana bis zum Knöchel gehen, trotzdem werdet ihr im zweiten Teil wesentlich mehr Zeit unter Wasser verbringen: Während Mui auf euch wartet, wofür ihr der kleinen Katzen-Kreatur per Knopfdruck ein Kommando geben könnt, kann Lana tief nach unten tauchen und findet dort teilweise sogar Pflanzen, die es möglich machen, dass Mui mit ins Wasser kommt. An der Wasseroberfläche bietet die Pflanze, die sich Lana an den Gürtel schnallt eine Plattform, taucht ihr unter klappt sie ein und dient Mui als eine Art Luft-Kapsel, mit dem ihr sie mitnehmen könnt. Mui kann so zwar nicht viel machen, geschweige denn sich selbst bewegen, ihre Fähigkeiten kann sie aber auch von dort aus aktivieren, was mehr Abwechslung ins Gameplay und den Aufbau der Rätsel bringt. Die verschiedenen Abschnitte sind aber nicht nur durch die Unterwasser-Abschnitte wesentlich vertikaler gestaltet, als im Vorgänger und transportieren so eine viel größere und weitläufigere Spielwelt.

Aber auch das grundlegende Platforming hat das schwedische Team noch einmal etwas erweitert. Während ihr mit Lana durch die Welt lauft, sprintet oder rutscht, gibt es diesmal auch ein paar kurze Chase-Sequenzen, in denen ihr entweder vor etwas weg- oder schnell zu einem Ort hinlaufen müsst. Diese machen das Geschehen dynamischer und halten zum Glück wenig bis keine Roadblocks bereit, die unnötig frustrierend sind oder plötzlich zu viel Skills verlangen, die sonst nicht gebraucht werden. Gleichzeitig darf auch Lana selbst neue Fähigkeiten einsetzen, die sie große Würfel in Schieberätseln an die richtige Stelle bringen lässt. Stellt euch das am besten vor wie die Eishöhle in Pokémon Gold und Silber, in der ihr jeweils in eine Richtung loslaufen und bis zur Wand schlittern konntet. Auch hier wird die Mechanik aber zum Glück nicht überstrapaziert und nutzt sich dadurch im Spielverlauf nicht zu sehr ab. An einer anderen Stelle im Spiel dürft ihr dann sogar mit einem richtigen U-Boot durch eines der Kapitel tauchen und insgesamt fühlt sich die Spielwelt diesmal generell wesentlich größer und weitläufiger an, obwohl man sich immer noch nur im selben zweidimensionalen Rahmen bewegen kann.

Egal ob Platforming, Tauchen, Rätsel oder Passagen in denen ihr andere Kreaturen (fremd-)steuert, erweist sich die Steuerung als knackig und genau. Ich bin an keiner Stelle gestorben oder musste von vorne starten, weil Planet of Lana II nicht so wollte, wie ich das gerne gehabt hätte und auch wenn sich Wishfully einfach auf den Qualitäten des ersten Teils hätte ausruhen können, war ich sehr froh darüber, dass noch diverse neue Ideen ihren Weg ins Gameplay gefunden haben. Einzig die Passagen, in denen ihr Mui alleine durch die Welt steuert, haben sich für mich etwas holprig angefühlt. Obwohl Lana ihr keine Kommandos gibt, nutzt ihr hier immer noch den Cursor, um Mui von A nach B zu bewegen und mir wäre es hier wesentlich lieber gewesen einfach den linken Stick nutzen zu können. Vor allem da in diesen Abschnitten keine großen Rätsel oder Platforming-Herausforderungen auf euch warten und ihr euch eigentlich fast nur bewegt bzw. ab und an mit Dingen interagiert, wäre eine flüssigere Steuerung hier wünschenswert gewesen. So habe ich den Cursor einfach am Bildschirmrand platziert und den Befehl-Button gemashed, was zwar auch funktioniert hat, sich aber etwas unnatürlich angefühlt hat in der Situation.

Durch den mehrfachen Biom-Wechsel und auch die Tauchpassagen sieht Planet of Lana II: Children of the Leaf noch ein gutes Stück besser aus, als der sowieso schon wunderschöne erste Teil. Ich habe bei der Auswahl der Screenshots für diese Review bewusst darauf geachtet, nicht direkt alle Gebiete zu zeigen, weil ich hier immer wieder optisch beeindruckt wurde und euch das nicht vorweg nehmen möchte. Ihr dürft euch wieder auf handgezeichnete Umgebungen und Hintergründe voller Details freuen, die diesmal sogar noch mehr mit Parallax-Effekten Bewegung und Tiefe in die Welt bringen. Dadurch, dass euer Screen auch nicht von einer Map oder sonstigen Infos verdeckt wird, seid ihr immer mitten im Geschehen und ich könnte mir diverse Screenshots aus dem Spiel einfach ausdrucken und genau so in die Wohnung hängen. Auch für den zweiten Teil konnte Wishfully zudem wieder den BAFTA-nominierten Komponisten Takeshi Furukawa für den Soundtrack engagieren, der diesen gemeinsam mit einem Orchester und sogar unter Benutzung traditionell-schwedischer Instrumente aufgenommen hat. Wer mehr zum Soundtrack erfahren möchte, findet dazu ein kurzes Behind the Scenes-Video auf YouTube, in dem der Komponist, bekannt aus Star Wars: Clone Wars oder The Last Guardian, mehr zum Arbeitsprozess erzählt. Planet of Lana II ist jedenfalls für alle Sinne ein beeindruckendes Erlebnis.

„Während Planet of Lana II: Children of the Leaf in allen Aspekten auf den Stärken des Vorgängers aufbaut, hat das Spiel dabei mehr Varianz im Leveldesign, bietet abwechslungsreichere Rätsel und gleichzeitig eine wunderschön aussehende Spielwelt.“

Ich hätte persönlich ja nicht damit gerechnet, dass wir schon so bald nach dem ersten einen zweiten Planet of Lana-Teil sehen werden. Auch wenn ich beim Termin auf der gamescom 2025 auf keinen Fall das Gefühl hatte, dass das Spiel noch unfertig wäre, hat es mich trotzdem (positiv) überrascht, jetzt schon die Vollversion spielen zu können. Noch viel positiver hat mich aber überrascht, wie viel Fortschritte Wishfully seitdem gemacht hat: Während Planet of Lana II: Children of the Leaf in allen Aspekten auf den Stärken des Vorgängers aufbaut, hat das Spiel dabei mehr Varianz im Leveldesign, bietet abwechslungsreichere Rätsel und gleichzeitig eine wunderschön aussehende Spielwelt. Bis auf die kurzen Passagen, in denen man Mui alleine via Cursor durch die Welt bewegt, funktioniert die Steuerung und das Gameplay problemlos und überstrapaziert die verschiedenen Ideen nie. Die Unterwasser-Passagen und weiter Elemente geben der Welt mehr Vertikalität und lassen sie größer erscheinen, während der Weg nie zu verschachtelt ist, dass ihr euch verlaufen könntet. Das Pacing im Spiel ist perfekt, die Story reißt einen als Spieler*in emotional mit und am Ende hoffe ich jetzt einfach, dass es wieder genau so schnell geht und wir hoffentlich ganz bald einen dritten Teil der Reihe bekommen werden.

4,5 von 5 Wertung für Planet of Lana II: Children of the Leaf von Wishfully und Thunderful Games
4,5 von 5 U-Booten.

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