Titelbild zu Onimusha: Way of the Sword von Capcom

Onimusha: Way of the Sword

Capcom hat sich über die letzten Jahre ein immer diverseres und stärkeres Lineup aufgebaut, in dem Spiele wie zuletzt Resident Evil Requiem die großen IPs bespielen und Titel wie Kunitsu-Gami: Path of the Goddess oder auch ganz frisch Pragmata auch neue Ideen mit ins Portfolio bringen. Gleichzeitig gab es immer wieder das Bestreben auch vorhandene Franchises, die nur schon länger nicht mehr präsent waren, zurück ins Rampenlicht zu bringen. 2024 wurde dabei mit Onimusha: Way of the Sword ein für mich eine komplett überraschende Ankündigung veröffentlicht und mit Mega Man: Dual Override scheint sich auch da noch mehr zu bewegen.

Nachdem wir – abseits der Remaster – seit knapp 20 Jahren keinen neuen Teil der Onimusha-Reihe mehr spielen durften, müsst ihr euch keine großen Sorgen machen, falls ihr die älteren Titel nicht gespielt habt. Way of the Sword funktioniert abseits aller bisher veröffentlichten Teile für sich selbst und ihr braucht kein Vorwissen. Das Spiel startet mit einem Kampf zwischen unserem Protagonisten Miyamoto Musashi gegen Yoshioka Seijuro. Obwohl ihr Seijuro im Tutorial besiegt, müsst ihr direkt danach vor seinen Schülern flüchten. Dabei trefft ihr auf euren langjährigen Rivalen Sasaki Ganryu, der euch zum Duell herausfordert, das allerdings abrupt von übermächtigen Dämonen, den Genma, unterbrochen und Musashi und Ganryu dabei getötet. Nicht die besten Voraussetzungen für eine entspannte Story, muss man sagen.

An diesem Punkt rollen aber natürlich nicht direkt die Credits, sondern Musashi wacht wieder auf, während die Genma sich gerade über seine „Leiche“ hermachen und kämpft mit neuen Kräften gegen die Monster. Dabei stellt er fest, dass er wesentlich stärker zu sein scheint, als vor dem Tod und entdeckt einen Handschuh an seiner Hand. Dieser macht ihn zum Oni, schenkt ihm übernatürliche Kräfte und das alles findet unser ehrenhafter Samurai gar nicht mal so geil. An der Stelle möchte ich euch einerseits den Rest der Story nicht spoilern, andererseits aber betonen, wie sehr mir sowohl er als Protagonist, als auch alle anderen Hauptcharaktere gefallen haben. Die Charaktere im Spiel sind allesamt toll porträtiert, glaubhaft geschrieben und tragen einen großen Teil zu den Highlights des Spiels bei.

Nachdem ihr euch mit eurer neuen Situation zurecht gefunden habt, dürft ihr erstmal die Spielwelt erkunden, die auf einer alternativen Version von Kyoto in der Edo-Periode basiert und in der ihr auch verschiedene reale Sehenswürdigkeiten wie Kiyomizu-dera, Kennin-ji oder Arashiyama finden werdet. Manche Gebiete sind dabei linear gestaltet und können nur per Teleport erreicht werden, während ihr gleichzeitig einiges an Zeit in Kyoto selbst verbringen werdet. In diesem offenen Gebiet findet ihr nicht nur diverse versteckte Gegenstände und zufällige Feind-Encounter, sondern auch verschiedene Formen von Nebenquests und anderem Zeitvertreib. Hier startet allerdings leider auch die Dualität von Onimusha: Way of the Sword.

Die linearen Abschnitte, wie etwa das Untergrund-Labor oder auch Kiyomizu-dera direkt zu Beginn sind wundervoll. Hier lauft ihr durch abgetrennte Bereiche, kämpft euch durch verschiedene Gegner-Encounter und müsst manchmal sogar kleinere Rätsel lösen, um weiterzukommen. Jede Passage hat dabei einen ganz eigenen Vibe, die Levelarchitektur ist teils wirklich schön verschachtelt und jedes Gebiet funktioniert komplett für sich hervorragend. Pro Abschnitt findet ihr hier auch jeweils mehrere Spiegel, mit denen ihr zwischen den bereits besuchten Punkten schnellreisen könnt, falls ihr euch noch mal nach Geheimnissen umschauen möchtet, wenn man mit offenen Augen durch die Gebiete läuft, sollte man aber keine großen Probleme haben, alle Schätze und Co. zu finden.

Würde Onimusha: Way of the Sword aus einer Aneinanderreihung dieser linearen Levels bestehen, hätte ich tatsächlich wesentlich mehr Spaß damit gehabt. Die meiste Zeit schickt euch das Spiel aber stattdessen auf Erkundungstour in Kyoto und ihr müsst, bevor ihr wieder in eine der linearen Passagen dürft, erst mal Risse schließen, aus denen Genma kommen. Dadurch entsteht ein extrem seltsamer Spielfluss: immer, wenn man gerade voller Euphorie aus einem der epischen Bossfights kommt und ein Gebiet abgeschlossen hat, nimmt das Spiel sich selbst den Flow, schickt euch zurück nach Kyoto und ihr müsst erst mal Nebenaufgaben abschließen, bevor ihr weitermachen dürft.

Das Hauptproblem dabei ist allerdings nicht die Open Zone selbst, sondern, dass sich dort sowohl eure Aufgaben, als auch die Gegnertypen immer und immer wiederholen. Onimusha: Way of the Sword hätte ein richtig guter 10-Stunden Titel sein können, in dem man die Designs und Patterns der Gegner lernt, zu schätzen weiß und am Ende stolz auf seine Achievements ist. Stattdessen zieht sich das Spiel knapp 30 Stunden und Gegner werden viel zu oft recycelt. Irgendwann stieg in mir sofort Wut auf, wenn ich erneut gegen Byakue (Hundred Defilements) kämpfen musste. Der Gegner spezifisch tauchte locker über 10 Mal auf, andere (Zwischen-)Bosse sah ich auch über 3 Mal und als mir das Spiel am Ende auch noch einen Quasi-Bossrush vorsetzte, war ich echt am Ende.

Umso enttäuschender ist das, weil die Bossfights eigentlich extrem gut sind und vor allem der finale Boss so viel von den gelernten Fähigkeiten abverlangt, dass man nach diesen Kämpfen wirklich stolz auf die eigenen Leistungen sein kann. Ihr trefft dabei auf euren Rivalen Ganryu, legt euch mit fiesen Windgottbrüdern an und müsst vor allem ab dem letzten Drittel des Spiels jede eurer Fähigkeiten gemeistert haben, um überhaupt eine Chance zu haben. Dabei ist es die eigene Lernkurve, die unfassbar motivierend auf mich gewirkt hat: während mich der finale Boss beim ersten Versuch so gut wie direkt gekillt hat, kam ich mit der Zeit immer besser durch seine Phasen, bis ich mich am Ende so gut wie ohne Heilung durch den gesamten Kampf parieren konnte.

In den Kämpfen dürft ihr euch dabei auf verschiedene Moves verlassen, die ihr nutzen könnt, um zu bestehen. Ihr habt einerseits die Möglichkeit Angriffe mit dem Schwert zu blocken und mit dem richtigen Timing auch komplett zu parieren, um Gegner aus der Balance zu bringen. Ähnlich wie in Sekiro: Shadows Die Twice habt sowohl ihr, als auch eure Gegner dabei eine Ausdauer-Leiste – ist diese leer bricht der Block und man ist der nächsten Attacke schutzlos ausgeliefert. Zusätzlich könnt ihr, wenn ihr den Block gedrückt haltet, Angriffe wegstoßen, was die Ausdauer-Leiste der Gegner umso schneller aufbraucht, euch aber dafür weniger Möglichkeiten gibt, selbst anzugreifen und auch eure eigenen Angriffe nicht stärker werden lässt.

Ein Markenzeichen der Onimusha-Reihe ist außerdem die Issen-Technik. Betätigt ihr genau in dem Moment, in dem euch eigentlich eine Attacke treffen würde, den Knopf um anzugreifen, führt Musashi eine spezielle Attacke aus, die im Idealfall sehr viel Schaden macht, ihr bei leicht falschem Timing allerdings direkt selbst aufs Maul bekommt. Das Timing hier zu meistern ist tatsächlich sehr schwer und ich war bis zum Ende nicht 100% sicher im Umgang damit, in manchen Situationen hat mir die Attacke aber auch den Arsch gerettet. Neben eurem Katana erhaltet ihr außerdem einen Bogen, um Feinde aus der Ferne anzugreifen und diverse Oni-Waffen, mit denen ihr Spezialattacken ausführt, die entweder viel Schaden anrichten, die Ausdauer des Gegners angreifen oder diesen in Brand setzen können.

Eine weitere wiederkehrende Mechanik ist die Seelenenergie, die Genma beim Tod verlieren und die ihr mit eurem Handschuh einsaugen müsst. Später können das auch eure Gegner im Kampf nutzen und euch diese wegschnappen, auch hier nimmt das Spiel allerdings eine Ausfahrt, die die ganze Mechanik irgendwie abschwächt. Während ihr im ersten Teil noch still stehen musstet, um die Energie zu absorbieren und euch damit offen für Angriffe gemacht habt, was dem Move eine taktischere Komponente im Kampf gab, könnt ihr euch in Onimusha: Way of the Sword frei bewegen, während ihr Energie absorbiert und könnt später sogar eine Fähigkeit freischalten, mit der ihr während eurer eigenen Angriffe einfach nur die Taste gedrückt haltet, um auch da alles zu absorbieren, was so rumfliegt.

Über den Skilltree und die Powerups müssen wir aber sowieso auch noch ein Wörtchen reden: während ihr blaue und gelbe Energie direkt im Kampf einsetzt, ist die rote Energie eine Art Währung in der Welt. Mit dieser könnt ihr teilweise Skills freischalten, aber auch in Shops einkaufen. Dort holt ihr euch Items, die ich meinen ganzen Playthrough über nicht genutzt habe, weil sie sich irgendwie irrelevant anfühlen oder Material, mit dem ihr Musashi mehr HP, stärkere Angriffe oder eine größere Special-Leiste für die Oni-Waffen gebt. Die Steigerung ist dabei allerdings so gering, dass es sich nie wirklich befriedigend anfühlt und gleichzeitig werdet ihr auch damit wieder gezwungen Nebenquests anzunehmen und durch Kyoto zu laufen, um Kisten einzusammeln.

Aber kommen wir am Ende doch noch einmal zu den größten Stärken des Spiels: das Kampfsystem bietet euch nicht nur viele Möglichkeiten zu reagieren, sondern funktioniert dabei auch technisch ohne irgendwelche Probleme. Jeder Input, den ihr gebt, wird vom Spiel akkurat erkannt und das Kern-Gameplay ist dadurch wirklich ein Genuss. Gleichzeitig sieht Onimusha: Way of the Sword von den Charakter- und Genma-Modellen bis hin zur Umgebung absolut fantastisch aus und ich war aufs Neue mehr als positiv überrascht, was Capcom hier noch immer aus der RE Engine rausholen kann. Vor allem Musashis Mimik ist absurd gut geworden, die Welt sieht an jeder Ecke wunderschön aus und auch das Sounddesign steht dem in nichts nach. Hier ist wirklich alles auf Hochglanz poliert und perfekt inszeniert.

// Onimusha: Way of the Sword verliert sich so sehr in Zusatz-Content, dass es dabei scheinbar vergisst, wo die eigenen Stärken liegen und es am Ende um mindestens 15 Stunden zu lange ist. //

Ich hätte dieses Spiel wirklich gerne geliebt. Vor allem weil zwischendurch immer wieder massive Highlights aufblitzen, die mir gezeigt haben, was hätte sein können. Die linearen Abschnitte haben mir richtig viel Spaß gemacht und vor allem die Bossfights sind so extrem gut, dass es sich alleine dafür gelohnt hat, sich durch den Rest zu kämpfen. Onimusha: Way of the Sword verliert sich aber so sehr in Zusatz-Content, dass es dabei scheinbar vergisst, wo die eigenen Stärken liegen und es am Ende um mindestens 15 Stunden zu lange ist. Die repetitiven Feind-Encounter haben mich fast gebrochen, die Sidequests, bei denen man am Ende auch nur wieder die gleichen Gegner kloppt, fühlen sich nicht belohnend an und obwohl das Spiel wunderschön aussieht, hing mir auch der Kyoto-Hub am Ende zum Hals raus. Ich drücke bei Capcom auf jeden Fall ein Auge zu – ein Miss ist kein Miss – aber in der GOTY-Diskussion wird Onimusha bei mir definitiv nicht mitspielen.

3 von 5 Wertung für Onimusha: Way of the Sword von Capcom
3 von 5 Byakue (Hundred Defilements).

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