Was als Bioshock Fanart startete wurde nach einigen Jahren in der Development-Küche zu einem der meisterwartetsten Indie-Shooter der letzten Jahre. Jemand hatte eine Szene aus Bioshock im Rubber Hose Animation-Stil gezeichnet, den einige von euch sicher aus Klassikern wie Steamboat Willie kennen dürften. Als der Art Director des polnischen Studios Fumi Games vor einigen Jahren im Internet über dieses Fanart stolperte, ließ ihn die Idee nicht los, daraus ein Spiel zu machen. Er präsentierte die Idee dem Studio-Gründer Mateusz Michalak und dieser war sofort an Bord, sie entwickelten einen ersten Prototypen, der Trailer ging sofort viral und einige Jahre Entwicklungszeit und Finetuning später sitzen wir jetzt hier und Mouse: P.I. for Hire ist vom Konzept und dem viralen Trailer zum fertigen Spiel geworden.
Die Story des Spiels schickt euch im Jahr 1934 als Privatdetektiv Jack Pepper zu Beginn los, einen vermissten Zauberer in Mouseburg zu finden. Die Stadt Mouseburg ist dabei sehr stark an New York der 1930er angelehnt, nur dass hier die Prohibition nicht Alkohol- sondern Käse-Produktion betrifft. Absolut fair, immerhin spricht das Milchprodukt die selben Rezeptoren im Gehirn an wie Heroin. Der Fall entwickelt sich für den ehemaligen Kriegshelden aber schnell zu viel mehr und lässt euch in ein Netz aus Intrigen und Korruption eintauchen, in dem aus einer vermissten Person eine ganze Untersuchung wird, die ihr selbst in Echtzeit in Jacks Büro verfolgen könnt, mit den Hinweisen, die ihr unterwegs findet. Wie ihr in der Story vorgeht ist dabei ganz euch überlassen, das Spiel lässt euch bei der Abfolge der 3 „Hauptfälle“ des Detektivs freie Hand, bevor es am Ende ins große Finale übergeht, sobald ihr alles andere erledigt habt.

Die meiste Zeit werdet ihr in Mouse: P.I. for Hire diese Fälle mit sehr viel Feuerkraft und Schwarzpulver angehen. Shoot now, talk later ist die Devise und insgesamt könnt ihr im Spiel ganze 11 Waffen freischalten, die ihr neben euren blanken Fäusten in den Feuergefechten nutzen könnt. Ihr startet mit einer simplen Pistole, der Micer und erweitert im Spielverlauf euer Inventar um zwei Schrotflinten, TNT, ein Säuregewehr, einem Gehirn im Glas und der Tommy… äh James Gun. Und ja, über diesen Wortwitz habe ich viel zu sehr gelacht. Verschiedene Waffen wechselt ihr jederzeit über ein Waffenrad oder könnt per Knopfdruck zwischen den letzten beiden schnell wechseln. Fast alle der Waffen findet ihr ganz regulär im Verlauf der Story, nur der X1 D-Mousifier ist hinter einem speziellen Minispiel versteckt.
Die Gefechte laufen dabei alle sehr schnell ab und ihr bewegt euch dabei in bestimmten abgesteckten Bereichen, während verschiedene Gegner aus Türen in den Raum spawnen und euch ans Leder wollen. Diese Arenen sind meist sehr offen und über mehrere Ebenen designed, damit ihr genug Platz zum Ausweichen und rumspringen habt. Während der Spielzeit, die bei etwa 13 – 15 Stunden liegt, je nachdem wie genau ihr spielt, erwarten euch dabei immer wieder neue Gegner-Typen, die konstant neue Herausforderungen ins Spiel bringen und an bestimmten Stellen trefft ihr auch auf Boss-Encounter, mit abgestecktem HP-Balken und eigenen Angriffs-Mustern. Ich empfand den Schwierigkeitsgrad des Spiels dabei als absolut fair und machbar und auch die Speicherpunkte sind großzügig gesetzt. Ihr könnt entweder an Schreibmaschinen manuell speichern, Mouse: P.I. for Hire erstellt aber auch immer wieder Auto-Saves für euch, damit ihr auch im Fall eines Bildschirm-Todes nicht zu viel erneut spielen müsst.

Was in den ersten Trailern, weit vor einer ersten Demo oder mehr Infos, noch nach einem zwar sehr hübschen, aber im Gameplay doch regulären Boomer Shooter aussah, ist aber am Ende noch viel mehr geworden. Schon bei meiner Demo-Session auf der gamescom 2024 konnten mir die Entwickler von Fumi Games zeigen, das im fertigen Release sehr viel mehr als nur Ballern stecken wird. Dazu hat sich das polnische Team Tipps und Tricks bei niemand geringerem als id Software geholt, um mit Mouse: P.I. for Hire eher in Richtung DOOM Eternal zu gehen und Spieler*innen mehr Möglichkeiten zu geben, als einfach nur stur durch Level zu laufen und Gegner umzuholzen. Im Laufe des Spiels sammelt ihr daher immer weiter neue Fähigkeiten, die euch das vorankommen in den verschiedenen Levels ermöglichen, euch aber auch gleichzeitig im Kampf unterstützen.
Die Moves wie Propeller, Doppelsprung & Co. könnt ihr aber nicht nur dazu nutzen, um euch flink durch die Arenen zu bewegen, sondern das Spiel hat auch immer wieder Passagen, in denen ihr sie braucht, um weiter voran zu kommen. Schaut ihr euch in den Umgebungen außerdem genau um, könnt ihr immer wieder Geheimnisse finden, die teilweise echt gut versteckt und gar nicht so einfach zu erreichen sind. Dort werdet ihr dafür dann mit Blaupausen belohnt, die ihr dazu nutzt, eure Waffen zu verbessern, findet Collectibles wie Zeitungsartikel, Comic-Strips oder Baseball-Karten oder bekommt manchmal auch einfach mehr Geld, das ihr in der Nähe eures Büros ausgeben könnt, um neben Munition wiederum mehr Baseball-Karten, Comic-Strips oder Zeitungsartikel zu bekommen. Manche Belohnungen liegen einfach offen rum, für andere müsst ihr in einem Minispiel einen Safe aufknacken, bevor ihr an die Schätze kommt.

Die einzelnen Levels bzw. Abschnitte schaltet ihr im Spielverlauf frei, indem ihr Hinweise findet und diese in eurem Büro an die Pinnwand heftet. Richtige Rätsel müsst ihr dabei nicht lösen, habt ihr genug bzw. die relevanten Hinweise eingesammelt, schaltet ihr automatisch eine neue Quest frei. Diese bringt euch meist in ein neues Gebiet, das ihr mit eurem Auto über eine Weltkarte selbst ansteuern könnt. Hier hätte ich mir gewünscht, dass man eventuell die Hinweise selbstständig zusammenfügen muss, ich bin aber auch fein damit, wie Mouse: P.I. for Hire das gelöst hat. Neben Shops und eurem Büro findet ihr im Hub außerdem noch eine Bar und könnt von verschiedenen Charakteren Side-Quests annehmen, dabei müsst ihr allerdings aufpassen: habt ihr ein Gebiet erst mal abgeschlossen, könnt ihr später nicht noch einmal dorthin zurückkehren, um die Nebenquests noch zu erledigen. Passt also immer auf, bevor ihr ein Level verlasst, eventuell wartet dort noch ein To-Do auf euch.
Im Hub könnt ihr mit euren eingesammelten Baseball-Karten zudem ein Mini-Spiel spielen, das mir mehr Spaß gemacht hat, als ich anfangs dachte. In zwei Runden spielt ihr als Batter und Pitcher und nutzt dabei eure eingesammelten Karten, um die eures Gegenübers zu übertrumpfen. Die Karten haben einen Power- und einen Run-Level und während eine Seite angreift, muss die andere Seite verteidigen. Seid ihr Batter, müsst ihr mit eurem Power-Level höher liegen als euer Gegner und euer Run-Level bestimmt dann, wie viele Bases ihr laufen dürft. Seid ihr der Pitcher, muss euer Power-Level höher liegen, damit der Batter nicht zum Laufen kommt. Ihr sammelt dabei immer stärkere Karten ein, die euer Deck verstärken können und könnt pro Pitcher-/Batter-Karte jeweils noch eine Support-Karte spielen, die eure Power erhöht. Beide Spieler*innen legen ihre Karte(n) gleichzeitig verdeckt aufs Spielfeld und beim Aufdecken erfahrt ihr, wer die Runde holt.

Natürlich müssen wir aber auch über den einzigartigen Look des Spiels sprechen und wie gut Fumi Games diesen umgesetzt hat. Während die Levels alle dreidimensional gestaltet sind und teilweise wirklich viel Raum bieten, um sich zu bewegen, wurden die Sprites der Charaktere, Gegner*innen und aller NPCs zweidimensional in ihrem Cartoon-Look ins Spiel eingebaut. Dabei zeigen sie immer in eure Richtung und auch wenn ein Gegner z.B. nach einem Kampf tot am Boden liegen bleibt, dreht sich das Sprite mit euch mit, je nachdem aus welcher Richtung ihr gerade darauf seht. Die Kombination beider Stile funktioniert in Mouse: P.I. for Hire vor allem deshalb so wahnsinnig gut, weil (fast) das ganze Spiel wie die Cartoons von damals in schwarz-weiß gehalten ist und sich die beiden Perspektiven perfekt ergänzen.
Gleichzeitig steckt in jedem Sprite und in jeder Animation wahnsinnig viel Liebe zum Detail und selbst das Nachladen eurer Waffen wird zum Fest fürs Auge. Man merkt an jeder Ecke wie viel Zeit und Aufwand in die einzelnen 2D-Assets gesteckt wurde und man kann nur dankbar darüber sein, dass Steamboat Willie seit 2024 zur Public Domain wurde und sich Teams keine Sorge um Copyright Strikes oder ähnliches machen müssen, wenn sie diesen Stil nutzen. Wenn Jack eine Hand voll Schrotmunition einfach in die Waffe steckt, ihr kleine Aschehäufchen mit Augen am Boden liegen seht, wo gerade noch ein Gegner stand oder aus einem Roboter Schrauben und Muttern springen, wenn ihr sie abschießt, geht einem auf jeden Fall das Herz auf und ich konnte mich bis zum Ende nicht am Spiel satt sehen. Da stört es auch absolut nicht, dass im Spiel alles schwarz-weiß ist.

Mouse: P.I. for Hire bietet dabei aber nicht nur eine hübsche Fassade, sondern kann auch in der Performance absolut überzeugen. Während meiner Sessions auf der Xbox Series X hatte ich keine Probleme mit Abstürzen, Bugs oder anderen schweren Problemen, ab und zu hatte ich aber das Gefühl, dass die Physik der Levels mir in meiner Bewegungsfreiheit Streiche gespielt hat. Bei Spielen wie etwa DOOM Eternal bin ich im Vergleich gefühlt seltener an Kanten und Objekten in der Spielwelt hängen geblieben, während ich mich schießend im Rückwärtsgang vor Gegnern in Sicherheit gebracht habe. Richtig nervig war das aber auch hier nie und hat auch nicht zu unnötigen Toden geführt, da man durch die rasante Geschwindigkeit des Spiels immer schnell genug reagieren konnte. Beim Soundtrack erwarten euch zur Optik passende Jazz-Nummern von Komponist Patryk Scelina, die in Studio-Sessions live fürs Spiel aufgenommen wurden und die das Noir-Feeling des Spiels perfekt ergänzen und auch die Synchro der Charaktere ist mehr als gut gelungen.
// Mouse: P.I. for Hire ist ein mehr als kompetenter Shooter, der mit vielen Ideen und Mechaniken sehr viel mehr als nur Ballern zu bieten hat und sowohl mit seinen Vibes als auch in seinem Aufbau eine motivierende Spielerfahrung bietet. //
Eine so wilde Entwicklungs-Reise wie bei diesem Spiel, die man so aktiv live im Internet mitverfolgen konnte, wird es vermutlich nicht so schnell ein zweites Mal geben. Umso schöner ist es, dass am Ende ein so spaßiges und abwechslungsreiches Spiel dabei herauskam, das nicht nur durch seine schöne Optik glänzt, sondern auch im Gameplay absolut zu überzeugen weiß. Mouse: P.I. for Hire ist ein mehr als kompetenter Shooter, der mit vielen Ideen und Mechaniken sehr viel mehr als nur Ballern zu bieten hat und sowohl mit seinen Vibes als auch in seinem Aufbau eine motivierende Spielerfahrung bietet. Beim Ermitteln hätte ich mir etwas mehr Eigeninitiative gewünscht und ich würde mega gerne zurück in bereits absolvierte Levels springen können, um dort alle Geheimnisse zu finden bzw. auch Nebenquests evtl. noch im Nachhinein erledigen zu können. Ansonsten ist das Spiel aber wirklich mehr als gelungen und ein weiterer Indie-Banger dieses Jahr.


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