Reikon Games aus Polen konnten 2017 mit Ruiner, einem Twin-Stick-Shooter, gepublished von Devolver Digital, einen beachtlichen Debüt-Erfolg feiern. Danach ist es um das Studio allerdings wieder ruhiger geworden, bis dann im Februar 2025 in der State of Play ein neues Spiel der Indie-Devs angekündigt wurde. Schon im ersten Trailer war aber klar, dass METAL EDEN kein Ruiner 2 werden wird und uns hier ein komplett anderes Spiel erwarten wird. Zwar sind beide Titel Science-Fiction-Shooter in einer fiktiven Zukunft, die technologisch sehr viel weiter fortgeschritten ist, da hören die Gemeinsamkeiten dann allerdings auch schon wieder auf. Mich zumindest hat der Trailer in der State of Play direkt neugierig gemacht und nachdem bekannt wurde, dass das Spiel zwar nicht wie ursprünglich angekündigt im Mai, dafür aber immer noch dieses Jahr im September erscheint, war ich ready als Hyper Unit ASKA loszuziehen.
ASKA wird auf eine Selbstmordmission geschickt, in der sie die Kerne der Bürger aus der riesigen Monolithenstadt MOEBIUS, die über der Planetenoberfläche von VULCAN schwebt, retten soll. Diese sollte eigentlich ein sicheres neues Zuhause für die Menschheit darstellen, wurde aber leider durch die sogenannten Ingenieure zur tödlichen Falle für alle Bewohner*innen und natürlich kann nur ASKA den übrig gebliebenen Menschen helfen. Die Story wird dabei inszeniert von beachtlich schön animierten Zwischensequenzen, die euch jeweils zwischen den insgesamt acht Hauptmissionen gezeigt werden und versucht dabei ihr Bestes, nicht im Hintergrund zu verschwinden bzw. vom Gameplay überstrahlt zu werden. Zu 100% gelingt das der Geschichte trotz gelungener Synchro und einem spannenden Setting am Ende zwar nicht, gut unterhalten wurde ich aber trotzdem und als solide Basis für den futuristischen First Person-Shooter funktioniert die Geschichte rund um ASKA, die Ingenieure und MOEBIUS trotzdem sehr gut.

Auf den ersten Blick wirkt METAL EDEN wie eine liebevolle Hommage an DOOM bzw. auch DOOM Eternal und ich bin sicher Großschreibung des Titels spielt da in meinem Kopf auch noch viel mehr rein, als es das Studio eventuell gewollt hat. Der First Person Shooter beginnt direkt im ersten Level euch in kurzen Tutorials das Gameplay näher zu bringen und wer einen der beiden id Software-Titel gespielt hat, sollte sich direkt zuhause fühlen: ASKA bewegt sich schnell und mit diversen Moves durch die Level. Hier fällt aber schon direkt auf, dass das Movement noch einmal mehr zu bieten hat: ihr könnt nicht nur springen bzw. keinen direkten Doppelsprung ausführen, sondern habt ein Jetpack am Rücken, mit dem ihr je nach Treibstoff-Verbrauch eine Zeit lang nach oben oder vorne schweben könnt bzw. das euch auch zum Ausweichen dient. Recht schnell lernt ihr dann auch die Wallrun-Mechanik und euren Enterhaken zu nutzen, mit dem ihr euch an bestimmte Punkte heranziehen, aber auch an Rails entlang fahrt und könnt alle diese Moves aneinander reihen, um möglichst nicht von Gegnern getroffen zu werden bzw. möglichst elegant durch die Platforming-Passagen zu kommen. Insgesamt fühlt sich das Movement in METAL EDEN auf jeden Fall sehr viel agiler an, als in anderen Spielen des Genres.
Ein weiterer Move in eurem Repertoire, der aber aus einer ganz anderen Ecke kommt, ist die GEPANZERTE RAMMKUGEL. Ich vermute nicht nur ich, musste hier sofort an den Morph Ball aus Metroid Prime denken, allerdings gibt es auch bei dieser Inspiration feine Unterschiede, die Reikon Games eingebaut haben und der Mechanik so ihren eigenen Twist geben: Wenn ASKA in ihre Kugelform wechselt, switched auch die Perspektive in die 3rd Person und ihr steuert den Ball durch das Level. So könnt ihr Lava überqueren, ohne Schaden zu nehmen, aber euch auch wesentlich schneller am Boden fortbewegen, als wenn ihr laufen würdet. Gleichzeitig habt ihr die Möglichkeit Gegner in dieser Form entweder mit einem Elektro-Angriff zu attackieren, der ihnen ihr Schild schneller kaputt macht und auch zielsuchende Raketen loszuschicken. Außerdem könnt ihr bestimmte Schalter nur in dieser Form aktivieren. Der Move kommt leider nur insgesamt rein aus Gameplay-Sicht etwas zu wenig zum Einsatz und am Ende habe ich ihn im gesamten Spiel vielleicht zwei oder drei Mal aktiv genutzt und bin sonst eigentlich immer lieber gelaufen. Vielleicht hätte man diese Idee noch ein bisschen aktiver ins Leveldesign integrieren müssen, so bleibt es eine coole Idee, die leider vom Spiel selbst nicht ausreichend genutzt wird.

Richtig viel Spaß in METAL EDEN hatte ich aber mit den verschiedenen Waffen bzw. dem Gunplay. Zu Beginn habt ihr standardmäßig ein Gewehr, dessen Munition nie leer werden kann, das sich aber bei zu langer Nutzung überhitzt. Nach und nach findet ihr in den Missionen dann weitere Waffen, wie etwa eine Pistole, eine Schrotflinte oder auch einen Granatwerfer. Insgesamt habt ihr am Ende sieben Waffen zur Auswahl, wobei ihr diese unterschiedlich aufrüsten könnt: Jede Waffe bietet euch einen von zwei Pfaden, die einerseits die Werte der Waffe verändern, aber auch das Sekundär-Feuer der Waffe bestimmen. Ihr wollt eurem Energiegewehr ein Scope verpassen und damit präzise zielen? Kein Problem. Alternativ könntet ihr aber auch einfach einen Energieball losschicken, der mehrere Gegner auf einmal treffen kann, dafür aber mehr streut. Diese Upgrades schaltet ihr an Upgrade-Stationen frei, wenn ihr mit der jeweiligen Waffe eine bestimmte Anzahl an Gegner getötet habt und kauft sie mit gesammeltem Energie-Staub, der in den Levels als Collectible verteilt ist. Neben dem Staub findet ihr außerdem versteckt in den Missionen noch Extra-Leben, Munition und KERNE, die in METAL EDEN eine ganz besondere Relevanz haben.
KERNE sind zum einen das Bewusstsein der Lebewesen im Spiel und gleichzeitig deren Lebensquelle. Habt ihr einen Gegner geschwächt, könnt ihr ihm seinen Kern herausreißen, der Gegner stirbt direkt und ihr habt dann eine von zwei Möglichkeiten: entweder ihr werft ihn als Granate auf die restlichen Gegner und macht Schaden oder ihr konsumiert ihn und erhaltet für eine kurze Zeit einen Boost auf eure Geschwindigkeit, Power und einen speziellen Schlag, der Gegner ihr Schild kaputt machen kann. Besondere Kerne können außerdem nach größeren Kämpfen oder versteckt in den Levels absorbiert werden, um Fähigkeiten im Skill-Tree freizuschalten. Dieser ist eingeteilt in 3 Bereiche und jeder Skill kostet dort genau einen Kern, kann aber erst freigeschaltet werden, wenn ihr den Skill direkt davor auch gekauft habt. So könnt ihr etwa den Boost stärken, eine Frostwelle losschicken, wenn euer Schild aufgebraucht wird, oder auch die von euch geworfenen Kerne verstärken. Riesengroßen Einfluss auf das Gameplay hat der Skilltree nicht, wenn ihr euch einfach durch das Spiel schießen wollt, könnt ihr euch nicht wirklich „verskillen“, die ein oder andere Fähigkeit hat mir allerdings ab und zu ordentlich den Arsch gerettet.

Gekämpft wird in METAL EDEN meistens in speziellen Arenen, also Gebieten, die ihr betretet und die in sich geschlossen sind, bis ihr entweder etwas aktiviert habt, indem ihr länger in einem bestimmten Bereich der Arena stehen bleibt oder wenn ihr alle Gegner besiegt habt. Diese tauchen dann in mehreren Wellen auf und in den Arenen findet ihr auch genug Health- bzw. Munitions-Pickups, damit euch nicht plötzlich alles ausgeht und ihr keine Chance mehr habt. Diese Pickups haben nach dem erstmaligen Einsammeln einen Cooldown und tauchen dann später wieder auf. Außerdem findet ihr teilweise auch Overdrive-Module, die euch kurzzeitig stärker werden lassen bzw. die euch z.B. eine Laser-Gatling geben, mit der ihr eine gewisse Zeit lang alles niedermähen könnt. Bis zum Ende werden hier vom Spiel immer wieder neue Gegner-Typen in den Mix geworfen und ich hatte richtig viel Spaß mit den Encountern, die vor allem gegen Ende teilweise echt hart werden können, vor allem, wenn man auf einem der höheren Schwierigkeitsgrade spielt.
Die 8 Story-Missionen, die ihr jeweils in sich geschlossen erlebt und später auch einzeln auswählen könnt, sind vom Setting bzw. der Umgebung her alle relativ ähnlich. Das Cyberpunk- bzw. Science Fiction-Motiv zieht sich hier durch und ihr bewegt euch meist durch futuristische Räume mit viel Metall, nur die Abschnitte auf VULCAN heben sich optisch ein wenig vom Rest ab. Der Aufbau der Levels ist dafür schön abwechslungsreich und wirft trotz der Linearität des Spiels immer wieder andere Passagen mit in den Mix, damit ihr nicht ein Level lang stur 10 Arenen ablaufen müsst. Für mich hätte es sogar noch eine Spur mehr bzw. schwereres Platforming sein können, insgesamt hatte ich aber wirklich viel Spaß mit dem Verhältnis Laufen : Kämpfen : Dinge suchen. Die zweite Mission hätte für mich einen Ticken kürzer und kompakter sein können, ansonsten haben alle Levels auch wirklich sehr gutes Pacing und man hat nie das Gefühl, dass das Spiel hier unnötig in die Länge gezogen wurde. Ich hatte am Ende etwas mehr als 6 Stunden auf der Uhr, was für einen 40€ Titel mehr als okay ist, vor allem weil METAL EDEN mehr als genug Wiederspielwert bietet.

Wenn man mir METAL EDEN ohne jegliches Vorwissen gezeigt hätte und ich als Info nur gehabt hätte, dass das Studio vorher als Debüt-Spiel einen Twin Stick-Shooter entwickelt hat, hätte ich vermutlich erst mal gelacht. Und das meine ich absolut positiv. Nicht nur, dass das Gameplay wirklich gut funktioniert, das Spiel sieht auch einfach verdammt gut aus: auch abseits der fast schon frech detaillierten Zwischensequenzen hat METAL EDEN eine fantastische Optik und die Cyberpunk-Atmosphäre kommt in der Welt und auch dem UI perfekt rüber. Hier steht und fällt natürlich immer viel mit der Belichtung bzw. wenn man die Extra-Meile gehen will noch mit Nebel bzw. Dampf und auch in diesem Fall tragen diese Effekte erheblich dazu bei, dass das Spiel so gut aussieht, wie es das am Ende tut. Gleichzeitig ist es aber auch bei keinem Genre wichtiger, dass das Spiel flüssig läuft und das rasante Gameplay nicht durch Ruckler oder ähnliches beeinträchtigt wird und auch hier habe ich keine großen Kritikpunkte. Egal wie viele Gegner, Laserstrahlen und sonstige Effekte sich am Bildschirm tummeln, bleibt die Performance stabil und bietet ein flüssiges Spielerlebnis. Lediglich die KI der Gegner hätte ab und zu noch etwas Finetuning verdient: an manchen Stellen springen Gegner einfach in Wände oder Abgründe, während sie an anderen Stellen so zielgenau schießen, dass man selbst mit 50 Moves nicht richtig ausweichen kann. Aber das kann zum Glück ja noch alles nachgepatched werden.
„METAL EDEN ist Shooter-Spaß der alten Schule, peppt sein Gameplay mit interressanten Ideen auf und hat mich die komplette Zeit über mit seiner Action vor die Konsole gefesselt.“
Bevor in ein paar Tagen der Wahnsinn rund um Hollow Knight: Silksong startet und ich erst mal ein paar Tage verschwinde, war dieses Spiel nach der gamescom die perfekte Wahl, um es noch davor zu beenden: Es ist genau so rasant vorbeigerauscht, wie ASKA selbst im Spiel und zwischen den vielen 50+ Stunden-Brechern da draußen die perfekte Wahl, um einfach mal ein bisschen abzuschalten. Ja, ich weiß, das klingt paradox bei einem Spiel, in dem man ständig rennt, dashed und ballert, aber das arcadige Gefühl, das einem Spiele wie dieses bieten und man nicht ewig lange einer wichtigen Story mit 500 Quests folgen muss, fühlt sich dann doch entschleunigend an. METAL EDEN ist Shooter-Spaß der alten Schule, peppt sein Gameplay mit interressanten Ideen auf und hat mich die komplette Zeit über mit seiner Action vor die Konsole gefesselt. An ein paar Ecken hätte man noch ein bisschen mehr feilen können, insgesamt ist das aber ein wundervoller Titel und ich bin jetzt schon gespannt, womit uns Reikon Games mit ihrem nächsten Titel dann überraschen. Von mir aus sollen sie auf jeden Fall einfach genau so wild weitermachen.


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