Titelbild zu Lost and Found Co. von Bit Egg Inc. und Gamirror Games

Lost and Found Co.

Es gibt Genres, die finden sogar im Großteil meiner Videospiel-Realität nicht statt. Mag man kaum glauben, wenn man meine Bibliothek so durchschaut, aber es kommt tatsächlich hin und wieder vor. Wimmelbild-Spiele zählen da eigentlich dazu. Das hat aber nicht wirklich etwas mit dem Genre an sich zu tun, sondern eher damit, dass dieses für mich noch nie so richtig ausgereizt wurde. Die meisten Spiele, über die ich online stolpere, würfeln einen Haufen Assets zusammen, man klickt sich von Screen zu Screen und so wirklich erlebt hat man am Ende dann irgendwie nicht viel. Auf einem meiner Demo-Streifzüge im Rahmen der Wholesome Direct 2024 bin ich dann allerdings auf Lost and Found Co. des Thailändischen Studios Bit Egg aufmerksam geworden. Das Wimmelbild-Spiel konnte mich durch seinen süßen Stil und das expressive Artwork direkt dazu bringen, dass ich mir die Demo installiert habe und hat mich schlussendlich schon in ebendieser so sehr überzeugt hat, dass es auf meiner Wishlist gelandet ist. Irgendwas muss ja nun mal auch dahinter stecken, wenn man zwei Jahre in Folge den Award für Most Anticipated Game auf der gamescom Asia gewinnt. Nachdem das Release-Datum vom 11. Februar leicht nach hinten verschoben wurde, ist es jetzt am 6. März endlich soweit und das Spiel erscheint in der Vollversion.

Ein großer Vorteil den Lost and Found Co. hat, ist die Story, die euch stets durch die verschiedenen Wimmelbild-Screens begleitet. Während eines kurzen Intros lernt ihr die wichtigsten Charaktere kennen und bekommt eine kleine Einführung in die Spielwelt: Die Drachengöttin Mei, die in ihrem Schrein mitten in einer Großstadt lebt, läuft Gefahr von der Menschheit vergessen zu werden. Als eines Tages eine Influencerin in ihren Schrein kommt, der ein gemeiner Fuchs ihren Anhänger stehlen will, ergreift sie die Gelegenheit und hilft dabei den Anhänger wieder zurück zu seiner Besitzerin zu bringen. Gut, ihre Methode dafür ist etwas unkonventionell: Mei verwandelt eine kleine Ente in einen Menschen, der den Anhänger aus dem Teich fischt. Den Menschen, den Mei „Ducky“ tauft, lockt sie daraufhin mit Tayaki als Bezahlung ihr zu helfen, dass die Menschheit sich wieder an sie erinnert, indem die beiden überall helfen, dass verlorene Dinge wieder auftauchen. Dafür gründen sie im Spielverlauf eine Firma, die ihr selbst benennen dürft und bekommen es dabei mit dem fiesen Mr. K-OZ zu tun, der den Schrein von Mei einreißen lassen will.

Die Geschichte von Lost and Found Co. ist dabei vollgepackt mit liebenswerten Charakteren und selbst den fiesen Mr. K-OZ kann man durch den süßen Look des Spiels irgendwie gar nicht so ernst nehmen. Die Dialoge im Spiel sind wahnsinnig gut geschrieben, leider aber nicht komplett vertont, ihr müsst euch also definitiv darauf einstellen viel zu lesen. Das Spiel erscheint zu Release lediglich mit einer Englischen Sprachausgabe für internationales Publikum, wenn ihr also nicht gerade Thai oder Chinesisch beherrscht, wird es sonst leider knapp. Mich hat das hier nicht gestört, da ich Spiele sowieso meist auf Englisch starte, es sollte aber definitiv erwähnt werden. Lasst euch aber nicht direkt komplett abschrecken, auch, wenn ihr sonst auf Deutsch spielt: Die Handlung lässt sich auch durch den reinen Ablauf im Spiel und schicke Comic-Panels, die man zwischendurch als Cutscenes sieht auch so gut verstehen und alles, was ihr während des Gameplays machen müsst, ist immer mit Bildern erklärt und gezeigt. Auch wenn ihr nicht jedes Wort versteht, steht einer guten Zeit also nicht viel im Weg und nach dem Launch sollen auch noch weitere Sprachen folgen.

Ihr werdet im Spiel dabei immer wieder an verschiedene Orte geschickt, die mit fortlaufender Spieldauer immer größer und verschachtelter werden. An diesen erhaltet ihr eine Liste an Gegenständen, die ihr finden müsst und könnt euch dann mit den WASD-Tasten oder der Maus über den Screen bewegen und eure Lupe rausholen. Solltet ihr einen Gegenstand einmal beim besten Willen nicht finden, könnt ihr euch in der unteren Leiste jeweils einen Hinweis anzeigen lassen, was jederzeit möglich ist und mit keinerlei negativen Effekten verbunden ist. Der Hinweis ist dabei immer eher vage gehalten und schickt euch nur auf die richtige Fährte, lässt euch aber nicht sofort zum gesuchten Gegenstand springen, diesen aufblinken oder sagt euch genau wo ihr suchen müsst. Verteilt in den Levels findet ihr allerdings auch immer wieder verfluchte Gegenstände. Klickt ihr diese an, erhaltet ihr eine Ladung Juju, eine magische Energie, mit der ihr Hinweise vollkommen aufdecken könnt. Diese Ladung wird dabei verbraucht und kann nicht wiederhergestellt werden, achtet also darauf, euch diese für ganz besonders harte Brocken aufzusparen.

Neben Story-Missionen, die ihr nach und nach freischaltet, gibt es aber auch Requests, mit ganz eigenen Sub-Plots, die ihr jederzeit annehmen könnt. Diese schicken euch, wie auch die Hauptaufgaben, zu kleinen oder manchmal auch großen Schauplätzen, erzählen jeweils ihre eigene Geschichte und schaffen dabei eine kohärentere Spielwelt und bieten euch die Möglichkeit mehr Likes und Gegenstände für eure Firma zu verdienen. Neben den gesuchten Items bietet jedes Level außerdem noch optionale Aufgaben, die ihr nicht zwingend erfüllen müsst, die mir aber teilweise mehr Spaß gemacht haben, als das Suchen der eigentlichen Gegenstände und vor allem auch wesentlich schwerer waren. Als ich im Fast Food-Restaurant den ersten eher stümperhaft versteckten Ninja gefunden hatte, habe ich noch gelacht und dachte die restlichen drei zu finden, würde einfach werden. Nachdem ich aber wirklich eine ganze Weile umher gescrollt bin und immer noch zwei übrig waren, wurde ich schnell eines besseren belehrt. Zusätzlich könnt ihr außerdem an manchen Orten berühmte Personen finden, mit denen ihr ein Instarpix-Foto für eure Sammlung schießen könnt.

Während Lost and Found Co. also schon grundlegend einiges zu bieten hat und für mich um einiges besser funktioniert als andere Wimmelbild-Spiele, dürft ihr im weiteren Spielverlauf auch euer eigenes Büro einrichten, renovieren und sogar im Innenraum dekorieren. Für abgeschlossene Aufträge sammelt ihr nach und nach verschiedene Gegenstände, die ihr dazu nutzen könnt, eure Bude auf Vordermann zu bringen. Während ihr Anfangs noch eine Matratze auf dem Boden platziert, könnt ihr später aus einem breiten Pool an Items schöpfen und diese in einer Grid-Ansicht ganz nach euren Wünschen platzieren. Items können gespiegelt, gedreht und auf mehreren Ebenen nach vorne und hinten geschoben werden und ihr könnt Wände, Türen, Fenster, Bodenbeläge und vieles mehr nach euren Vorstellungen gestalten. Das ganze findet natürlich immer noch im Comic-Stil des Spiels statt, hat keinen wirklichen Einfluss auf das restliche Spiel und ist vermutlich was die Tiefe anbelangt nicht so zufriedenstellend, wie andere Spiele, die sich nur diesem Aspekt verschrieben haben, als Zusatz zum Spiel hat es mir aber wirklich Spaß gemacht und ich habe sehr viel mehr Zeit im Deko-Modus verbracht, als ich es erwartet hatte, nachdem mir dieser das erste Mal im Spiel gezeigt wurde.

Besonders viel Spaß hat mir Lost and Found Co. aber vor allem aufgrund des Looks und der Liebe zum Detail gemacht. Alles im Spiel ist wunderschön handgezeichnet, ich liebe den farbenfrohen und einzigartigen Stil der jedes Level und jeden Charakter glänzen lässt und das Beste ist: Man kann mit so gut wie jedem Gegenstand und Charakter im Spiel interagieren. Denn wenn man erst einmal anfängt, sich auch abseits von gesuchten Gegenständen und Side-Quests durch das jeweilige Level zu klicken, ist es fast schon absurd wie viel kleine Animationen, Details und Easter Eggs in diesem Spiel stecken. Ich bin ziemlich sicher, dass ich vor lauter Wald einzelne Bäume nicht gesehen habe und hatte trotzdem schon eine richtig gute Zeit beim Entdecken der Levels. Ich will gar nicht wissen wie viel Aufwand es war, das alles so zu platzieren, wie es im finalen Spiel ist, aber es ergibt dann schon Sinn, dass seit mindestens 2022 an Lost and Found Co. gearbeitet wurde. Der einzige Wermutstropfen als altes Konsolen-Kind ist der aktuell noch fehlende Controller-Support des Spiels. Zum Glück soll aber auch dieser nach dem Launch noch folgen und sonst hatte ich während meiner Spielzeit schon vor Release keine Crashes oder sonstige Probleme, vor die mich das Spiel gestellt hätte.

„Lost and Found Co. ist viel mehr als ein reguläres Hidden-Object Puzzle und zeigt, dass auch in diesem Genre sehr viel mehr stecken kann, als man auf den ersten Blick meinen möchte.“

Auch wenn mich die Demo 2024 schon wirklich gut unterhalten hat und ich den Look des Spiels von Anfang an ins Herz geschlossen hatte, hätte ich nicht gedacht, dass ich mit einem simplen Wimmelbild-Spiel so viel Spaß haben könnte. Naja gut, das „simpel“ kann man beim Spiel von Bit Egg eigentlich direkt wieder streichen und vermutlich ist das auch genau der Grund, warum ich am Ende so positiv gestimmt bin: Lost and Found Co. ist viel mehr als ein reguläres Hidden-Object Puzzle und zeigt, dass auch in diesem Genre sehr viel mehr stecken kann, als man auf den ersten Blick meinen möchte. Die Levels sind übervoll mit kleinen Details, interaktiven Objekten und Easter Eggs, die Story & Side-Plots geben einem als Spieler*in eine sehr viel bessere Motivation, als das reine Finden der gesuchten Objekte es könnte und zusätzlich habt ihr dann noch die Möglichkeit euch im Dekorations-Modus eures Büros austoben. Aber selbst ohne den seid ihr locker 10 bis 20 Stunden beschäftigt, je nachdem wie gründlich ihr seid und glaubt mir: in manchen Levels müsst ihr wirklich verdammt gründlich sein. Mir hat der Ausflug in die bunte Welt von Mei, Ducky & Co. auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht und spätestens wenn das Spiel irgendwann hoffentlich auch für die Switch erscheint, hänge ich euch damit wieder in den Ohren.

4 von 5 Wertung für Lost and Found Co. von Bit Egg Inc. und Gamirror Games
4 von 5 Meis.

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