Titelbild zu Hyrule Warriors: Chronik der Versiegelung von Koei Tecmo für Nintendo Switch 2

Hyrule Warriors: Chronik der Versiegelung

Je mehr Musō-Games ich spiele, desto wärmer werde ich mit dem Genre und desto mehr freue ich mich auch, wenn dann wieder ein Ableger erscheint, der sich an einem bekannten und beliebten Franchise bedient. Egal ob bisher Hyrule Warriors, das mich schon auf der Wii U abgeholt hat, die verschiedenen Iterationen von One Piece: Pirate Warriors, bei dem ich gerade erst wieder durch das Next Gen-Upgrade in Teil 4 gerutscht bin, Fire Emblem Warriors oder auch Persona 5 Strikers. Selbst wenn man sich wie in Like A Dragon: Pirate Yakuza in Hawaii an Ideen des Genres bedient und diese als Zusatz einbaut, freue ich mich und habe verdammt viel Spaß dabei. Auf Hyrule Warriors: Chronik der Versiegelung habe ich mich diesmal allerdings ganz esonders gefreut. Das liegt natürlich vor allem daran, dass mit The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom in meinen Augen eines der besten Spiele aller Zeiten veröffentlicht wurde, zu dem ich mit Handkuss ein Spin-Off nehme, das mir mehr Lore zur Welt erzählt. Es steckt auch schon recht offensichtlich im Namen des Spiels, zu welcher Zeit der Titel stattfindet und enthält allein vom Setting her Tears of the Kingdom-Spoiler, also an der Stelle kurz aufgepasst, solltet ihr das noch nicht gespielt haben. Wobei sich da dann die Frage stellt, warum ihr das noch nicht gemacht habt? Macht das jetzt sofort.

Chronik der Versiegelung bzw. Age of Imprisonment im Englischen zeigt uns Zeldas Abenteuer, nachdem sie von Ganondorf in der Zeit zurückgeschickt wurde. Zelda ist dort plötzlich Teil der Gründungszeit von Hyrule selbst und wird von ihren Vorfahren König Rauru und Königin Sonia aufgenommen, die ihr helfen wollen zurück in ihre eigene Zeit zu kommen. Leider wütet in Hyrule aber auch ein Krieg in den neben dem Königspaar auch Ganondorf verwickelt ist und der etliche Geheimnisse birgt, die in Tears of the Kingdom meist nur angedeutet wurden und die hier jetzt hautnah miterleben könnt. In dieser Form mehr Hintergründe über die Lore des Königreichs zu erfahren hat mich natürlich massiv motiviert, die Story selbst und alle Charaktere, die dort auftauchen, sind aber auch wahnsinnig detailliert inszeniert und nicht nur ein paar Texteinträge, die man so auch theoretisch in Tears of the Kingdom hätte packen können. Gleichzeitig nehmen Koei Tecmo und Nintendo so auch aktiv Zelda-Fans aus dem Zielpublikum, die Tears of the Kingdom eventuell nicht gespielt haben, der Umfang an Story, den man dafür bekommt, ist dafür aber umso schöner für Fans des Spiels.

Was das Gameplay angeht erwarten euch hier natürlich keine allzu großen Überraschungen, heißt: wenn ihr mit Musō-Games absolut nichts anfangen könnt, wird euch auch Chronik der Versiegelung vermutlich nicht bekehren. Solltet ihr aber grundsätzlich nicht abgeneigt sein, gibt es im Spiel trotzdem einerseits ein paar Mechaniken, die die Grundidee noch einmal etwas auffrischen und andererseits sehr viel Zelda-Bezug, der sich auch im Spiel selbst bemerkbar macht und nicht nur wie ein aufgesetzter Skin darüber gelegt wird. Grundsätzlich solltet ihr euch aber auf jeden Fall erst mal darauf einstellen über große Schlachtfelder zu laufen, auf denen sich so viele Gegner auf einmal aufhalten, wie ihr vermutlich in einem ganzen Playthrough von Tears of the Kingdom nicht zu Gesicht bekommen werdet. Durch diese Gegnerhorden kloppt ihr euch mit verschiedenen Charakteren, nehmt einzelne Punkte auf den jeweiligen Maps ein, besiegt Mini-Bosse und größere Gegner und habt am Ende irgendwann die ganze Map eingenommen, um daraufhin direkt in den nächsten Kampf zu springen.

Im Laufe der Kämpfe füllt sich dabei jeweils eine Leiste für eure Spezialattacke, die besonders viel Schaden anrichtet, eure Synergie-Leiste, die eine Kombo ausgeführt von zwei Charakteren triggern kann und ihr habt zusätzlich noch eine Schnellauswahl an Moves, die ihr jederzeit mit Cooldown im Kampf einsetzen könnt. Dort könnt ihr entweder Zonai-Devices registrieren, wie z.B. einen Flammenwerfer oder einen Wasserhydranten, die ganz im Stil von Pokémon gegen ein anderes Element sehr effektiv sind, aber auch charakterspezifische Attacken, die jeweils eine bestimmte Form von Attacke repräsentieren. Führt ein Gegner einen Angriff dieser Kategorie aus, müsst ihr mit einem eurer eigenen Moves kontern, um die Attacke eures Gegenübers zu unterbrechen und ihn damit verwundbar zu machen. So bekommt das Kämpfen gegen die Horden etwas mehr Taktik und ihr seid nicht nur stumpf am buttonmashen, sondern müsst euch auch Gedanken machen, welche Attacke oder welcher Gegenstand jetzt mehr Sinn macht. Eure leichten und starken Angriffe könnt ihr außerdem zu verschiedenen Moves kombinieren, je nachdem welchen Angriff ihr wie oft ausführt.

Insgesamt könnt ihr in Hyrule Warriors: Chronik der Versiegelung mit 19 Charakteren in die Schlacht ziehen, die ihr nach und nach freischaltet. Teilweise kennt man diese, wie im Fall von Zelda oder König Rauru, schon, andere Figuren tauchen hier zum ersten Mal auf und sind dabei trotzdem nicht minder wichtig für den Verlauf der Story. Über eine Karte wählt ihr im Spiel die Missionen einzeln aus und erfüllt dort auch Nebenmissionen, verbessert eure Waffen, liefert Material für Belohnungen ab oder besucht Trainingsplätze, um eure Moves zu üben. Die Karte ist wie in Tears of the Kingdom unterteilt in den Himmel, das Land und den Untergrund – oder Skyrule, Hyrule und Lowrule, wie ich es nenne – und zeigt euch immer übersichtlich mit verschiedenen Icons an, was gerade zu tun ist, welche Bedingungen ihr schon erfüllt habt, um Belohnungen zu erhalten und wo die Story als nächstes weitergeht. Nach den Haupt- und Neben-Missionen, in denen ihr in den Kampf zieht, erhalten eure Charaktere jeweils Erfahrungspunkte, die sie im Level aufsteigen und stärker werden lassen und in Verbindung mit neuen Kombos, die ihr als Belohnung erhaltet und Waffenverbesserungen, solltet ihr so nie große Probleme während der Hauptstory haben, wenn ihr auch den optionalen Content mitnehmt.

Während der Missionen könnt ihr per Knopfdruck euren aktuellen Charakter wechseln, da die anderen Figuren jederzeit als NPCs mit auf dem Schlachtfeld sind und sich dabei autonom bewegen und auch selbst mitkämpfen. Und da es sowieso immer genug Figuren auf der Karte gibt, könnt ihr in Chronik der Versiegelung jederzeit im Koop-Modus losziehen, in dem ihr zu zweit entweder lokal im Splitscreen-Modus oder über GameShare auf zwei verschiedenen Konsolen lokal oder online in die Schlacht zieht. Euch erwartet im Spiel dabei aber nicht nur typisches Musō-Gameplay, das auch trotz aller Versuche mehr Taktik und Ideen hinein zu bringen, doch recht linear ist und im Grunde die coole Form von Vampire Survivors darstellt. Wenn Nintendo nämlich schon selbst kein neues Starfox entwickelt, hat sich Koei Tecmo gedacht, dann machen sie das einfach selbst. Ich glaube für mich die größte und gleichzeitig schönste Überraschung des Spiels war es, als ich auf dem Rücken des geheimnisvollen Konstrukts plötzlich in den Himmel stieg und eine lupenreine Railshooter-Passage gespielt habe, die trotzdem nicht aus dem Rahmen gefallen ist und perfekt ins Spiel gepasst hat.

Die große Frage, die man sich natürlich immer stellt, wenn sich hunderte Einheiten gleichzeitig am Bildschirm tummeln, ist die der Performance. Hier profitiert Hyrule Warriors: Chronik der Versiegelung zum einen ganz klar davon, dass es nur auf der Switch 2 erscheint und die in die Jahre gekommen Vorgängerkonsole nicht mehr berücksichtigen musste. Das Ziel von 60 Frames per Second wird so fast konstant eingehalten und kommt nur ganz selten ins Stottern. Lediglich im Splitscreen-Modus müsst ihr euch mit einer geringeren Framerate von 30 fps zufrieden geben, hier passiert dann wirklich einfach zu viel auf einmal, als dass es die neue Konsole problemlos trotzdem stemmen könnte. Das Spin-Off bedient sich zudem am selben Artstyle, der auch schon Tears of the Kingdom und Breath of the Wild so zauberhaft hat aussehen lassen und sieht dadurch optisch fantastisch aus, sei es nun im 3D Gameplay, den Menüs, den gezeichneten Charakter-Sprites oder auch den Zwischensequenzen. Insgesamt kann ich mich technisch weder im Docked- noch im Handheld-Modus über Optik oder Performance beschweren und war im Gegenteil sogar positiv überrascht, wie gut die Switch 2 das Spiel stemmt, auch wenn der Bildschirm voll mit Feinden und Effekten ist.

„Hyrule Warriors: Chronik der Versiegelung punktet einerseits als Tears of the Kingdom Spin-Off mit einer interessanten Story, andererseits könnt ihr euch ganz leicht über 20 Stunden im Gameplay verlieren und eine Menge Spaß dabei haben, endlose Gegnerhorden zu verkloppen.“

Wenn ihr Musō-Games nicht mögt, wird euch vermutlich auch diese Version jetzt nicht auf einmal doch noch dazu bekehren. Solltet ihr dem Genre aber nicht ganz abgeneigt sein oder vielleicht sogar zum ersten Mal reinschnuppern wollen, ist das hier aber ein verdammt guter Einstiegspunkt. Hyrule Warriors: Chronik der Versiegelung punktet einerseits als Tears of the Kingdom Spin-Off mit einer interessanten Story, andererseits könnt ihr euch ganz leicht über 20 Stunden im Gameplay verlieren und eine Menge Spaß dabei haben, endlose Gegnerhorden zu verkloppen. Auch hier funktioniert das Spielprinzip wieder hervorragend mit dem Franchise zusammen, bringt neue Ideen in den Mix, die mich verdammt gut unterhalten haben und sieht dabei nicht nur sehr gut aus, sondern läuft auch flüssig. Klar ist es im Kern immer noch das selbe Spielprinzip wie vor mittlerweile über 20 Jahren, aber auch heute funktioniert das, vor allem mit den richtigen Franchises, für mich verdammt gut und ich hatte wieder eine Menge Spaß mit dem neuesten Hyrule Warriors-Ableger.

4 von 5 Wertung für Hyrule Warriors: Chronik der Versiegelung von Koei Tecmo für Nintendo Switch 2
4 von 5 Calamos.

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