Titelbild zu Helix: Descent N Ascent von Badass Mongoose

Helix: Descent N Ascent

2026 ist wieder mal ein richtig gutes Jahr für Indie Games. Also zumindest aus einer reinen Spieler*innen-Perspektive. Denn ja, ich weiß, dass dieser Satz vor allem in der aktuellen Situation der Branche etwas seltsam klingt: während die Industrie selbst quasi am zerbröckeln ist, immer mehr Publisher und große Studios ihre Mitarbeiter*innen entlassen, werden Studios wie Double Fine direkt gezwungen, wieder Independent zu gehen. ZA/UM musste sich trotz des mehr als positiven Feedbacks zu Zero Parades: For Dead Spies, verkleinern und auch sonst sieht es nicht rosig aus. Trotzdem sind es genau diese kleineren und unabhängigen Studios, die die nötige Kreativität in die Branche bringen und die mit unkonventionellen Ideen Erlebnisse schaffen, die im Gedächtnis bleiben.

Das kleine Belgische Studio Badass Mongoose, bestehend aus Cedric De Muelenaere und Gillian Sampont, setzt sich mit ihrem Debüt-Puzzler Helix: Descent N Ascent vermutlich genau dieses Ziel. Ihr erwacht als Protagonist-Gestalt in einer schwarz-weiß-kargen Welt, die ihre besten Zeiten schon hinter sich zu haben scheint und müsst euch erst mal zurecht finden. Recht schnell begegnet ihr einer Figur, die euch zum Verwechseln ähnlich sieht, euch anscheinend aber immer wieder am Weiterkommen hindern möchte. Nach und nach findet ihr in der Welt immer mehr Hinweise, erlebt Flashbacks und mysteriöse Visionen, so richtig direkt wird euch die Story aber nie erzählt. Mich hat die Narrative des Spiels jedenfalls sogar bis nach den Credits ordentlich gefesselt und durch die karge Erzählweise umso mehr motiviert herauszufinden, was hier eigentlich abgeht.

Zu Beginn könnt ihr in Helix: Descent N Ascent noch nicht wirklich viel, außer euch recht gemächlich durch die Welt zu bewegen. Nach und nach erhaltet ihr aber immer mehr Fähigkeiten, die euch dabei helfen neue Bereiche in der Spielwelt zu erreichen und die diversen Rätsel zu lösen, die euch Badass Mongoose entgegen stellt. Zuerst lernt ihr einen Block erscheinen zu lassen, der euch als Platform dienen kann, um Wasser zu überqueren, aber auch als Gewicht für Schalter genutzt wird. Danach findet ihr einen Enterhaken, mit dem ihr euch an bestimmte Punkte heranziehen könnt und insgesamt gibt es 5 Haupt-Fähigkeiten im Spiel zu erlernen.

Jede Fähigkeit hat dabei ein bestimmtes Symbol, das euch in der Spielwelt oft jeweils als Hinweis dient, damit ihr den richtigen Weg leichter finden könnt. Die fünf Fähigkeiten stehen euch nämlich nicht immer komplett frei zur Verfügung und können jederzeit gleichzeitig eingesetzt werden, sondern sie werden euch in verschiedenen Kombinationen automatisch vom Spiel zugeteilt, die ihr dann an der richtigen Stelle dann einsetzen müsst. So öffnet ihr an der richtigen Stelle der Hub-Welt einen Weg, der euch in einen in sich geschlossenen Dungeon bringt, in dem dann die jeweilige Fähigkeiten-Kombination gefragt ist und an dessen Ende jeweils ein neuer Schnipsel Story, eine neue Fähigkeit oder direkt beides auf euch wartet. Ganz leicht zu finden sind die Wege zwar nicht immer, aber mit genug Durchhaltevermögen und Denkarbeit oder Trial & Error kommt man am Ende trotzdem an die richtige Stelle.

Diese Fähigkeiten-Kombinationen führen dabei in Helix: Descent N Ascent erst zum richtigen Potential des Gameplays: kombiniert ihr mehrere Fähigkeiten miteinander verhalten sich diese teilweise komplett anders bzw. wie eine leicht angepasste Version der Basis-Fähigkeit: wendet ihr etwa den Enterhaken auf einen Block an, den ihr in der Welt gesetzt habt, zieht ihr euch nicht an diesen heran, sondern wechselt mit ihm die Position. Das Spiel macht dabei einen richtig guten Job euch etwas anzuleiten und euch die Kombinationen in leichteren Rätseln nach und nach beizubringen, serviert euch aber gleichzeitig nicht alles auf dem Silbertablett. Ihr müsst also eure grauen Zellen definitiv etwas anstrengen.

Richtig spannend und teilweise auch verdammt hart wird das Spiel, wenn ihr später mit drei Fähigkeiten gleichzeitig losgeschickt werdet. So schickt ihr etwa eure Drohne durch einen Lüftungsschacht, die kombiniert mit dem Käfig eingefangene Fliegen mit sich trägt und müsst gleichzeitig mit der Sanduhr zwischen der hellen und dunklen Welt switchen, um bestimmte Pfade zu öffnen. Hier läuft das Spiel wirklich zur Höchstform auf und ich müsste lügen, wenn ich sage, dass ich bei manchen Rätseln nicht wirklich lange gekniffelt hätte. Die Entscheidung euch nicht alle Fähigkeiten gleichzeitig jederzeit mitzugeben wirkt sich dabei aber sehr positiv auf das Rätsel-Design aus und mit genug Hirnschmalz findet man auch für die Dreier-Rätsel (hoffentlich) eine Lösung.

Durch die kürzeren und in sich geschlossenen Bereiche lässt sich das Spiel außerdem perfekt in kurzen Häppchen spielen, was ich bei Rätsel-Spielen ja immer sehr begrüße. Besonders hier lege ich gerne kurz mal den Controller weg, versuche etwas Abstand zum Spiel zu bekommen und kehre später wieder an ein besonders schweres Rätsel zurück, dessen Lösung mir dann oft wie Schuppen von den Augen fällt. Das hat auch in Helix: Descent N Ascent richtig gut geklappt, gleichzeitig war ich am Ende überrascht wie umfangreich das Spiel ist und wie viel in dem Indie-Game steckt: als bei mir die Credits liefen, war ich im Spielfortschritt gerade mal etwas unter 50% und hatte deshalb nach den Credits auch noch einiges zu tun.

Das Spiel lässt euch aber nicht ausschließlich durch die Welt laufen und Rätsel lösen: immer wieder findet ihr Terminals, an denen ihr einerseits ein kleines Minispiel erledigen, aber auch diverse Cheats eingeben könnt, die euch in genau diesem weiterhelfen. Das Minigame erinnert dabei stark an das originale Donkey Kong aus der Arcade: ihr startet links unten im Screen und müsst verschiedenen Gefahren und Attacken eures Gegners ausweichen, um am Ende zu ihm zu gelangen, bevor er abhaut. Jedes Level hat dabei drei unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und während ihr manche von diesen Stages schaffen müsst, um weiterzukommen, sind andere optional in der Welt verstreut und einfach nur optionale Challenges für euch als Spieler*in.

Helix: Descent N Ascent ist dabei die gesamte Spieldauer über in Schwarz-Weiß gehalten, sieht aber trotzdem – oder auch genau deshalb, je nachdem auf welcher Seite man steht – fantastisch aus. Durch das Wegfallen von Farben wirkt die Welt teilweise umso bedrohlicher, trostloser und karger, während der Detail-Grad der handgezeichneten Assets enorm hoch ist. Egal, ob ihr euch gerade in der hellen oder dunkeln Welt bewegt – das Spiel macht optisch einen wahnsinnig guten Eindruck und der Soundtrack von Jim Guthrie, den ihr entweder von Bleak Sword oder auch Indie Game: The Movie kennen könntet, tut sein übriges, um euch vollends in die atmosphärische Spielwelt eintauchen zu lassen. An ein paar Ecken habe ich noch kleinere Bugs gehabt, die aber nie wirklich ins Spiel eingegriffen haben oder nicht durch einen kurzen Reload gelöst werden konnten. Insgesamt lief das Spiel schon vor Release sehr stabil.

// Helix: Descent N Ascent ist ein optisch beeindruckendes und smart designtes Rätsel-Spiel, das euch vor allem durch die Kombinationsmöglichkeiten der Hauptfähigkeiten um die Ecke denken lässt. //

So kreativ, einzigartig und besonders Indie-Games auch dieses Jahr wieder sind, so sehr fliegen sie durch das schiere Übermaß an wöchentlich veröffentlichten Spielen oft unter dem Radar des Mainstreams. Wenn ich dann Spiele wie dieses hier entdecke, spiele und sehe wie viel Herzblut, Leidenschaft und sicher auch Zeit darin steckt, geht mir aber jedes Mal wieder das Gamer-Herz auf. Helix: Descent N Ascent ist ein optisch beeindruckendes und smart designtes Rätsel-Spiel, das euch vor allem durch die Kombinationsmöglichkeiten der Hauptfähigkeiten um die Ecke denken lässt. Auch wenn man nicht immer zu 100% weiß, wo oder wie man als nächstes weiterkommt, findet man im Notfall auch durch Try & Error einen Weg und bis auf ein paar kleine Bugs hatte ich mit dem Titel eine wahnsinnig gute Zeit.

4,5 von 5 Wertung für Helix: Descent N Ascent von Badass Mongoose
4,5 von 5 mysteriösen Narben-Figuren.

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