Titelbild von BALL x PIT von Kenny Sun and Friends und Devolver Digital

BALL x PIT

Als im Sommer 2025 während des Summer Game Fest die Devolver Direct ausgefallen ist und damit weder die Future’s Future, noch Volvys Story weitererzählt wurde, war ich erst kurz etwas enttäuscht. Zu sehr hatte ich mich die Jahre davor an die absurden Devolver-Videos gewöhnt und mich davon unterhalten lassen. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, was uns in der BALL x PIT-Präsentation erwarten würde, Chaos gab es da auf jeden Fall auch genug. So wild das ganze aber aussah, hat sich bei mir trotz Hypes auch ein bisschen Angst ob des „Survival“-Parts in der Spielbeschreibung breit gemacht. Es ist alles andere als ein Geheimnis und ich trage das auch wirklich gerne nach außen: es gibt wirklich wenige Spiele, die ich so sehr verachte, wie Vampire Survivors. Das ganze Spiel ist nur darauf ausgelegt möglichst viel Effekte über den Screen zu jagen und Spieler*innen das Gefühl zu geben, dass sie richtig viel geleistet haben, obwohl das nie der Fall ist. Nachdem man ein paar Items gesammelt hat, steht man in den meisten Fällen nur an einer Stelle und wartet bis die Runde vorbei ist. Ich könnte da jetzt noch viel weiter ausholen, aber darum soll es heute nicht gehen. Jedenfalls hatte ich etwas Sorge, dass BALL x PIT auch in diese Falle tappen könnte und war etwas vorsichtig mit meiner Vorfreude. Aber natürlich wollte ich mich am Ende selbst davon überzeugen, ob das Alleyway-Chaos Spaß macht, oder nicht.

Das Setting ist relativ einfach, aber auch genauso absurd: die Stadt Ballbylon ist gefallen – ich bin ja immer ein Fan von schlechten Wortwitzen, da hatte mich BALL x PIT direkt schon mal. Nachdem ein Komet aus dem Nichts die große Stadt zerstört hat, ist das Einzige was davon übrig blieb eine riesige Grube, der Pit, der im Namen steckt. Dieses Ereignis hat daraufhin Schatzsucher*innen aus aller Welt angelockt, die nun hinunter in das klaffende Loch steigen, das früher Ballbylon war und hoffen dort Schätze zu finden. Von ihnen kehren allerdings nur wenige zurück, denn je weiter man sich nach unten traut, umso mehr wimmelt es von Monstern, die keinen Bock auf Besuch haben. Genau diese Schatzsucher*innen könnt ihr jetzt auswählen und mit dem Lift nach unten fahren, um Schätze und Ressourcen aus der Grube zu holen. Das große Ziel ist dabei den Lift vollständig auszubauen, um ganz nach unten zu kommen und eine eigene Stadt, Neu-Ballbylon, aufzubauen. Im Grunde kann man die Story aber auch komplett ignorieren, so richtig relevant ist sie für den Spielverlauf nicht und eigentlich nur da, um das Setting zu erklären. Aber, dass sie dabei so absurd und größenwahnsinnig ist, hat mir das Spiel umso schmackhafter gemacht.

BALL x PIT selbst ist ein wilder Mix aus verschiedenen Elementen, die zusammenkommen und die mich auch hoffnungsvoller gestimmt haben, dass ich hiermit Spaß haben könnte. Ihr steuert eure Figur über das Spielfeld, während verschiedene Gegnertypen sich von oben nach unten bewegen bzw. ihr euch automatisch auf sie zu. In dieser Zeit müsst ihr mit euren Bällen auf sie schießen und versuchen sie nicht ganz unten ankommen zu lassen, da diese sonst eine Attacke ausführen, die euch in jedem Fall trifft und Schaden zufügt. Sind eure HP aufgebraucht, endet die Runde und ihr müsst von vorne starten. Zu Beginn jeder Runde ist der Gang, in dem ihr euch bewegt noch relativ schmal, in jedem Abschnitt warten aber 3 Bossfights, die das Level noch einmal etwas in die Breite wachsen lassen, was auch bedeutet, dass mehr Gegner auf dem Screen auftauchen. Habt ihr einen Gegner besiegt lässt dieser Erfahrungspunkte fallen, die ihr Survivors-typisch aufsammeln müsst, um eure Figur aufzuleveln bzw. in diesem Fall mit neuen Bällen und Fähigkeiten auszustatten. Eure Stats steigen automatisch pro Levelaufstieg, um die müsst ihr euch also nicht selbst kümmern.

Bei jedem Level-up könnt ihr euch dabei entweder für einen neuen Spezial-Ball, neue Ausrüstung oder eine bessere Stufe davon entscheiden: insgesamt könnt ihr dabei jedes Item, das ihr aufgesammelt habt 3 Mal verbessern. Zu Beginn einer Runde würde ich wahrscheinlich immer empfehlen erst mal mehr Spezial-Bälle auszurüsten, da diese wesentlich mehr Schaden machen und auch jeweils mit verschiedenen Effekten wie Gift, Feuer oder Blitz punkten können. Zusätzlich dazu habt ihr noch Baby-Bälle, die ihr zusätzlich schießen könnt, die aber nicht wirklich viel Schaden machen. Schießt ihr, verringert sich eure Laufgeschwindigkeit, ich hatte aber zu 99% Auto-Feuer an, da es mir lieber war ständig zu schießen, als mich minimal schneller über das Spielfeld zu bewegen. Habt ihr es geschafft und zwei eurer Bälle auf Stufe 3 verbessert, könnt ihr diese fusionieren und erhaltet dabei entweder eine Kombination der beiden Bälle, wie z.B. Feuer x Gift, habt aber auch die Möglichkeit spezielle Fusionen zu lernen, die komplett neue Bälle entstehen lassen, die besonders stark sind und wiederum zwei Mal verbessert werden können. Die Kombinationen zu finden ist dabei allerdings nicht schwer, da euch das Spiel immer eure Optionen anzeigt und diese einfach ausgraut, wenn ihr sie bisher noch nicht gefunden habt. Ein Hard Mode, in dem man selbst raten und Synergien finden muss, wie etwa in The Binding of Isaac, hätte mir hier persönlich besser gefallen, aber dafür ist BALL x PIT so wesentlich zugänglicher.

Ihr könnt im Spielverlauf von BALL x PIT insgesamt 16 verschiedene Charaktere freischalten, jeweils mit ihren eigenen Fähigkeiten und Quirks, die euch entweder helfen oder euch den Run auch mal erschweren. Eine Figur nimmt euch z.B. die Option eure Upgrades selbst zu wählen komplett ab und entscheidet selbst, während eine andere Figur tatsächlich das ganze Spiel einfach für euch spielt. Spätestens hier wurde ich wieder schmerzhaft an Vampire Survivors erinnert, zum Glück haben aber fast alle anderen Charaktere immer noch verlangt, dass ihr selbst herausfindet, wie sich die Figur am besten spielt. Eine richtig spiel-brechende Kombination habe ich erst nach einer ganzen Weile gefunden: Eine der Figuren lässt euch immer eine zweite Figur mitnehmen, inklusive derer Fähigkeiten, wobei ihr jederzeit beide gleichzeitig steuern müsst. Das lässt sich allerdings komplett kaputt machen, indem ihr die Figur nehmt, deren Bälle vom hinteren Bildschirmrand auf die Gegner einregnen. Mit dieser Kombination konnte ich mich bis zum allerletzten Boss einfach an den unteren Bildschirmran stellen, im Kreuz nach unten schießen und dabei zusehen, wie die Gegner einfach nach und nach verschwanden. Ich bin sicher, dass es noch mehrerer solcher Kombinationen gibt, vor allem mit den entsprechenden Bällen und bis zum Zeitpunkt, an dem man dann einfach nur noch sinnlos wartet, bis die Runde erfolgreich endet, ist es sogar ganz lustig diese zu suchen. Die 10 Minuten Wartezeit sind dann allerdings wieder etwas langweilig und selbst wenn man das Gameplay beschleunigt, wartet man hier immer noch eine ganze Weile ohne wirklich etwas selbst zu leisten.

Womit mich BALL x PIT aber sogar durch diese Wartezeiten mit einer Leichtigkeit gebracht hat, war die Motivation meine Stadt nach den Runs so schön und gleichzeitig effizient wie möglich zu bauen. Während jedes Durchgangs sammelt ihr nämlich Material, dass ihr danach in den Aufbau eurer Stadt stecken könnt. Zu Beginn habt ihr hier ein kleines Feld, auf dem ihr neben Gebäuden auch Getreide-Felder, Wälder und Steine platziert, die dann von euren Figuren geerntet werden können. Dazu schickt ihr diese mit einem Schuss wie in Puzzle Bobble los und sie bouncen sich dann durch eure Stadt, während alles was sie dabei berühren Progress bekommt: neue Baustellen werden langsam zu Gebäuden aufgebaut, Felder abgeerntet, Holz gehackt und je mehr Material ihr erwirtschaftet, desto weiter könnt ihr eure Stadt ausbauen, neue Charaktere und Boni freischalten und sogar den Platz erweitern, auf dem die Stadt steht. Ich habe mich nach jedem Run schon richtig darauf gefreut neue Dinge zu bauen und meine Leute loszuschicken und die Management Simulation hat maßgeblich dazu beigetragen, dass ich am Ende doch viel Spaß mit BALL x PIT hatte. Insgesamt dürft ihr in eurer Stadt über 70 verschiedene Gebäude-Strukturen platzieren, die ihr erst nach und nach freischaltet, wodurch sich dieser Part perfekt ins Gameplay eingliedert und nicht wirkt als wäre er einfach nur drangeklatscht worden.

Immer wenn sich viele Projektile auf dem Bildschirm tummeln, habe ich erst mal die Sorge, dass die Performance darunter leiden könnte. Da ist es auch egal wie detailliert ein Spiel aussieht, ob es jetzt ein Returnal, ein Ikaruga oder eben BALL x PIT ist. Vor allem in den tieferen Ebenen, mit verschiedenen Spezial-Bällen und mit Doppel-Charakteren war auf meinem Screen teilweise echt viel los und ich war tatsächlich sehr happy mit der Performance. Sogar auf meinem ROG Xbox Ally X hat das Spiel eine gute Performance abgeliefert und obwohl es ab und zu mal kurze Ruckler gab, haben diese nie dazu geführt, dass ich mich nicht mehr schnell genug bewegen oder auf irgendwelche Projektile reagieren konnte. Die verschiedenen und teilweise auch verdammt bunten Effekte können zwar hin und wieder dazu führen, dass das Geschehen etwas unübersichtlich wird, hat man sich daran erst mal gewöhnt oder ist sowieso schon abgehärtet von ähnlichen Spielen, sollte man sich gut zurecht finden. Musikalisch unterlegt wird das Spiel von einem verdammt guten Soundtrack von Amos Roddy, der auch schon für Spiele wie Citizen Sleeper, Kingdom: Two Crowns oder The Wild at Heart komponiert hat und hier jedem Gebiet und Boss Musik spendiert, die perfekt zum Geschehen passt.

„BALL x PIT ist das kompetenteste und gleichzeitig unterhaltsamste Spiel des Survivors-Genres, das ich bisher gespielt habe und hat mich vor allem mit den Ideen überzeugt, die nicht eindeutig diesem Genre zuzuordnen sind.“

Während meiner Sessions mit dem Spiel habe ich immer wieder mit Freund*innen darüber gesprochen, die wussten wie sehr mich Vampire Survivors nervt, ob es mir denn nun Spaß macht und war immer wieder aufs Neue zwiegespalten. Die Punkte an denen ich dachte „Ich kann das Spiel gerade nicht weglegen“ wechselten von einem auf den nächsten Moment schlagartig um zu „Puh jetzt ist es mir schon wieder viel zu viel Survivors“ und ich wusste lange selbst nicht, ob ich wirklich Spaß hatte oder nur versuchte es mir einzureden. Aber ja, am Ende hatte ich mit dem Spiel eine gute Zeit: BALL x PIT ist das kompetenteste und gleichzeitig unterhaltsamste Spiel des Survivors-Genres, das ich bisher gespielt habe und hat mich vor allem mit den Ideen überzeugt, die nicht eindeutig diesem Genre zuzuordnen sind. Die Kombination aus Alleyway und Bullet Hell fand ich verdammt smart umgesetzt, zumindest wenn die Charaktere nicht direkt das Spiel gebrochen haben und vor allem das Management der Stadt hat mich motiviert sehr viel mehr Zeit ins Spiel zu stecken, als ich es ohne diesen Part vermutlich gemacht hätte. Technisch ist das Spiel quasi flawless, ein bisschen weniger Blitze und bunte, grelle Farben hätten dem Spiel aber sicher auch nicht geschadet. Am Ende würde ich mich persönlich trotzdem immer eher für Spiele wie The Binding of Isaac, Rogue Legacy oder Dead Cells entscheiden.

3,5 von 5 Wertung für BALL x PIT von Kenny Sun and Friends und Devolver Digital
3,5 von 5 Berserk-Bällen.

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