Auch heute, über fünf Jahre nach dem Launch der Konsole, ist Returnal des finnischen Studios Housemarque für mich nicht nur der mit Abstand beste PlayStation 5-exklusive Titel, sorry Astro Bot an der Stelle, sondern auch eines der beeindruckendsten Spiele der aktuellen Konsolengeneration. Es ist immer noch fast frech mit was für einer scheinbaren Leichtigkeit in Returnal das Roguelite-Genre umgekrempelt und mit mitreißendem Storytelling erweitert wurde, während man Kugeln über Kugeln auswich und das Spiel noch dazu fantastisch aussah. Natürlich war ich also sofort Feuer und Flamme, als im Februar 2025 bei der State of Play dann Saros, das neueste Spiel des Studios angekündigt wurde und man recht schnell sah, dass es in eine zumindest ähnliche Richtung gehen sollte.
Saros schickt euch als Arjun Devraj, der von Rahul Kohli gespielt wird, auf den fremden Planeten Carcosa, auf den die Firma Soltari schon 3 Teams geschickt hat, um dort eine Minen-Kolonie zu erbauen. Nachdem der Kontakt zu allen drei abgebrochen ist, wird Echelon IV losgeschickt, um diese zu finden. Aber auch das vierte Team – surprise – hat es dabei nicht leicht: Arjun wacht mit großen Erinnerungslücken auf, findet in seiner Basis ein besessenes Team-Mitglied, das zusätzlich noch das Schiff der Crew sabotiert hat und die einzige Chance, die das übrig gebliebene Team nun hat, ist Arjun den Auftrag zu geben ein Soltari-Signal zu untersuchen. Dabei vergeht die Zeit für die Beteiligten anscheinend sehr unterschiedlich, der Planet verändert sich immer wieder stark und auch Arjun hat scheinbar mit seiner eigenen Vergangenheit zu kämpfen. Die Story wird dabei in Logs, Gesprächen, kurzen Video-Schnipseln und Flashbacks ähnlich kryptisch erzählt, wie schon in Returnal und ich liebe es auch hier wieder sehr.

Ausgehend von eurer Basis, der Passage, startet ihr in die einzelnen Runs von Saros. Insgesamt warten im Spiel 8 verschiedene Biome auf euch, die ihr über euren Roboter-Kumpel Primary direkt per Teleport einzeln ansteuern könnt. Ihr müsst also nicht jedes Mal durch das erste Gebiet, wenn euch eure Quest eigentlich in das Zweite bringt und die Runs fühlen sich dadurch allesamt kompakter an, als noch in Returnal. Ihr schaltet die verschiedenen Gebiete nach und nach im Laufe der Story frei und am Ende wartet jeweils ein Boss-Encounter auf euch, den ihr abschließen müsst, um nicht nur in der Geschichte, sondern auch in eurem Skilltree weiterzukommen. Habt ihr einen Run abgeschlossen – auf welchem Weg auch immer – wird euch jedes Mal eine Übersicht angezeigt, wie viel Zeit ihr damit verbracht habt, wie viel Ressourcen ihr gesammelt habt und wie hoch eure Stats während des Runs waren.
Der eben schon angesprochene Primary bringt dabei das Lite ins Rogue: bei ihm könnt ihr euch mit den Ressourcen Lucenit und Halcyon in eurem Skilltree verschiedene Fähigkeiten kaufen, die dauerhaft aktiv bleiben und euch entweder mehr Power für die 3 Hauptattribute oder andere Boni & nützliche Buffs geben. Solltet ihr also mal an einem Boss hängen, könnt ihr auch einfach in ein früheres Gebiet zurückkehren, dort Ressourcen sammeln und euch einfach bei Primary aufleveln. Im Laufe des Spiels lernt ihr außerdem mehr über die Möglichkeit bestimmte Modifikatoren für euren Run zu aktivieren, die euch das Spiel erheblich leichter oder natürlich auch schwerer machen können. Einen richtigen Schwierigkeitsgrad hat Saros nämlich nicht, mit diesen Modifikatoren habt ihr aber die Möglichkeit sehr stark am Schaden den ihr austeilt und einsteckt und vielem mehr zu schrauben. Hier müsst ihr allerdings immer auch eine gewisse Balance zwischen positiven und negativen Effekten halten, damit ihr nicht einfach ohne Konsequenzen den God-Mode aktivieren könnt, es ist aber recht einfach sich hier sehr viel stärker zu machen.

Kommen wir aber mal zum eigentlichen Gameplay. Wie schon in Returnal bewegt ihr euch auch in Saros in einer 3rd Person-Ansicht durch eine sich stets verändernde Spielwelt, deren Map in einzelne kleinere Bereiche unterteilt ist. Über die Mini-Map in der rechten unteren Ecke des Bildschirms behält man hier stets den Überblick und bekommt mit kleinen Fähnchen noch Hinweise, was sich hinter der nächsten Passage verbirgt. Blau steht dabei etwa für den Weg der Hauptmission, weiße Fahnen zeigen euch optionale Orte, die nützliche Items für euch parat haben und dann gibt es noch einige andere Symbole auf der Karte, die euch etwa Powerups, Dialogoptionen und mehr anzeigen. Die Karte könnt ihr über den großen Touchscreen-Button am Controller auch vergrößern, die meiste Zeit bin ich aber mit der Mini-Ansicht mehr als zufrieden gewesen und konnte diese selbst im schnellen Spielablauf gut im Blick behalten.
In jedem Abschnitt warten auf der Karte verschiedene kleine Arenen auf euch, in denen Gegner auftauchen, wenn ihr sie betretet. Trefft ihr auf Standard-Gegner könnt ihr euch frei bewegen, auch zurück auf der Karte, falls nötig, bei Alpha-Feinden oder Bossen wird der Kartenabschnitt, auf dem ihr seid abgeriegelt und ihr müsst erst mal alle Feinde besiegen, bevor ihr weiter dürft. Arjun bewegt sich dabei sehr schnell und agil durch die Welt: neben einem Sprung und einem Dash mit kleinem Cooldown, lernt ihr im weiteren Spielverlauf euch an Vorsprünge heranzuziehen, findet Sprung-Plattformen, die euch hoch in die Luft katapultieren oder auch Energie-Stränge, durch die ihr euch schleudern lassen könnt. Vor allem in den späteren Gebieten ist es verdammt wichtig, dass eure Moves sitzen, sonst endet euer Run schneller als ihr „Oh Shi…“ sagen könnt. Feindlichen Projektilen setzt ihr neben euren Ausweichkünsten aber auch ein Energieschild und eine Parry-Mechanik entgegen, die bei den richtigen Projektilen mit perfektem Timing den Schaden komplett aushebeln.

Natürlich könnt ihr aber auch selbst Schaden austeilen. Arjun kann auf ein Arsenal an 5 Waffen-Typen zurückgreifen, die sich in ihren Funktionsweisen innerhalb der eigenen Kategorie unterscheiden. Es gibt z.B. ein Maschinengewehr das stärkere Schüsse abgibt, mit dem ihr aber selbst zielen müsst, mit der Smart Rifle haben dann eure Schüsse nicht ganz so viel Wumms, dafür visiert ihr automatisch eure Feinde in einem bestimmten Radius an. Jede Waffe hat ihr Primärfeuer auf R2, kann aber durch leicht gedrückte L2-Taste auch in einen Sekundär-Modus wechseln. Während ich mit manchen Waffen gar nicht richtig grün geworden bin, haben mich andere komplett überzeugt und je nach Spielstil könnt ihr euch hier die perfekte Ausrüstung suchen. Ein kleiner Tipp von mir: unterschätzt die Chakram und vor allem ihr Sekundärfeuer nicht, hier schlummert ein richtiges Powerhouse. Ihr werdet aber sicher während jedes Runs vor der Herausforderung stehen auch mal eine Waffe mitzunehmen, die euch nicht 100% liegt, da sich je nach Run-Dauer die Waffen in ihrer Power-Stufe unterscheiden, mehr Perks bekommen und insgesamt dadurch mächtiger werden.
Neben den Standard-Waffen sammelt Arjun auch Energiewaffen ein, die ihr durch das Absorbieren von blauen Projektilen über euer Schild aufladen könnt, während euer reguläres Arsenal unendlich Munition hat. Von diesen findet ihr in Saros 4 verschiedene, die sich ebenfalls wieder in mehreren Aspekten voneinander unterscheiden und euch in einigen Situationen den Arsch retten können. Zusätzlich gibt es in den verschiedenen Biomen noch Artefakte zu finden, die euch mit positiven Effekten noch stärker werden lassen, vorausgesetzt ihr seid gerade in der regulären Spielwelt unterwegs und nicht in der Finsternis. Jedes Biom hat nämlich eine besonders gefährliche zweite Version, die ihr über bestimmte Portale betreten könnt. Dort haben nicht nur Artefakte negative Effekte, Gegner können auch gelbe Schüsse abgeben, die euch einen Teil eurer HP-Leiste abziehen, den ihr erst mal nicht mehr wieder aufladen könnt. Teilweise müsst ihr den Bereich betreten, um weiterzukommen, erhaltet dafür aber auch meist mehr und bessere Gegenstände. Alles, was ihr finden könnt ist dabei komplett zufällig platziert und trägt zum Wiederspielwert maßgeblich bei.

In euren Runs trefft ihr dabei auf immer stärker werdende Gegner und auch verschiedene Gegnertypen, jeweils mit ihren ganz eigenen Movesets. Auch nach meinen knapp 20 Spielstunden konnten mich die Kämpfe immer wieder am falschen Fuß erwischen und in brenzlige Situationen schubsen, auch wenn man die Angriffsmuster eigentlich relativ gut lernen kann. Sobald aber auf dem Screen alles blau-rot-gelb leuchtet, ihr von allen Seiten attackiert werdet und auf teilweise über 10 Gegner gleichzeitig reagieren müsst, ist es gar nicht mehr so einfach, wirklich jedem Schuss auszuweichen. Adrenalin ist da auf jeden Fall vorprogrammiert und ich hatte in jedem Run aufs neue Spaß mich in die Encounter zu stürzen. Ein kleines Problem, das ich allerdings festgestellt habe: schaltet ihr eure PlayStation 5 immer wieder in den Ruhemodus, anstatt sie neu zu starten, kann es teilweise leider passieren, dass Projektile nicht mehr mit dem richtigen Timing registriert werden. Das kann zu Frust führen, ein einfacher Relaunch des Spiels bzw. der Konsole löst das Problem aber zum Glück auch schnell wieder.
Witzigerweise waren es bei mir die Räume mit mehreren Gegnern und dann evtl. noch einem Alpha-Monster dazu, die mir die meisten Schwierigkeiten bereitet haben. Im Vergleich dazu lassen sich die Bosse relativ gut lesen und bis auf die letzten beiden konnte ich jedes Gebiet recht zügig abschließen. Vorausgesetzt, dass mein Equipment einigermaßen gut war. In einem Run habe ich bis zum Ende keine einzige neue Waffe erhalten und stand am Ende mit meiner Popel-Pistole vor einem riesigen Monster, aber hey, das gehört zum Spiel dazu. Die Angriffsmuster der Gebiets-Bosse sind gemeinsam mit den jeweiligen Arenen alle wahnsinnig bombastisch inszeniert und ihr bekommt es direkt mit mehreren Phasen bzw. HP-Leisten zu tun. Zum Glück könnt ihr aber auch die zweite Chance aktivieren, die euch für einen Tod pro Run wiederbeleben kann, damit ihr euch direkt wieder in den Kampf stürzen könnt. Oder ihr deaktiviert das ganze und geht aufs Ganze – Saros ist so schwer, wie ihr es euch machen wollt, auch ohne feste Schwierigkeitsgrade.

Bis auf das bereits erwähnte Problem mit den Projektilen und dem Ruhemodus der PlayStation 5 konnte ich während meiner gesamten Spielzeit keinerlei technische Probleme oder Bugs feststellen. Die Ladezeiten sind gewohnt kurz, selbst bei dem Screen voller Gegner und Projektile bricht die Framerate nicht ein und die Steuerung reagiert akkurat auf alle Inputs. Das braucht das rasante Gameplay aber auch, sowohl in den Kämpfen, als auch in diversen Platforming- und Geschicklichkeits-Passagen müsst ihr euch nämlich schnell und präzise bewegen, um keinen Schaden zu nehmen. Fallschaden gibt es übrigens abseits von Negativ-Perks bei Artefakten nicht, da müsst ihr euch also keine Sorgen machen. Alle Schauspieler*innen machen einen fantastischen Job und das gelungene Sounddesign lässt jede Explosion, jeden Schuss, aber auch jeden Dialog und jeden anderen Sound perfekt aufeinander abgestimmt erklingen. Der Soundtrack von Komponist Sam Slater tut akustisch sein übriges für eine cineastische Inszenierung.
// Saros baut auf den Stärken von Returnal auf, schafft trotzdem eine komplett eigenständige Spielerfahrung und hat mich insgesamt sogar noch etwas mehr in seinen Bann gezogen. //
Meine Erwartungen an das neue Spiel von Housemarque waren wirklich verdammt hoch, so ehrlich muss ich sein. Gleichzeitig war ich aber auch echt zuversichtlich, dass mich das Studio da nicht enttäuschen wird, immerhin sah alles vor Release danach aus, als würde ich sehr viel Spaß mit dem Endprodukt haben. Über 20 Stunden später, nach den Credits (+ mehr) und noch immer mit dem „Ein Run geht schon noch“-Mindset im Kopf, darf ich jetzt aber wirklich erleichtert aufatmen und in Zukunft wird die Wahl zu meinem liebsten PS5-Exclusive um einiges schwerer: Saros baut auf den Stärken von Returnal auf, schafft trotzdem eine komplett eigenständige Spielerfahrung und hat mich insgesamt sogar noch etwas mehr in seinen Bann gezogen. Der Gameplay-Loop hat für mich durch die kompakteren Runs perfekt funktioniert, der Schwierigkeitsgrad war herausfordernd und gleichzeitig nie unfair, das Spiel sieht fantastisch aus, läuft flüssig und gleichzeitig sitzt jeder Input am Pad präzise. Ihr könnt euch das Spiel durch Mods und den Skilltree auch ohne vorgegebenen Schwierigkeitsgrad einfacher oder schwerer machen und bekommt gleichzeitig eine mysteriöse und spannende Story. PlayStation 5-Besitzer*innen kommen um dieses Spiel eigentlich nicht herum.


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