Titelbild zu Ruffy and the Riverside von Zockrates Laboratories und Phiphen Games

Ruffy and the Riverside

Ich kann mich gar nicht mehr zu 100% genau erinnern, wann mir Ruffy and the Riverside das erste Mal ins Auge gestochen ist, aber es fühlt sich schon nach einer ganzen Weile an. Über die letzten Jahre sind mir auf jeden Fall in diversen Showcases und Social Media-Posts immer wieder bewegte Bilder dazu untergekommen und jedes Mal war ich wieder ein kleines Stückchen ungeduldiger das Spiel endlich selbst spielen zu können. Einerseits wegen des prägnanten handgezeichneten Looks, aber auch durch die Spielereien mit Texturen in der Welt, die für einen Platformer nicht alltäglich sind und ein witziges Element mit in den Mix werfen. Dem Spiel selbst voraus ging dabei 2017 in Nürnberg die Gründung des Studios Zockrates Laboratories, die den ersten Entwurf ihrer Hauptfigur und den Prototypen des Spiels, das später Ruffy and the Riverside werden sollte, so vielversprechend fanden, dass sie sich selbst gesagt haben „Das ziehen wir jetzt durch!“. Genau das haben sie auch gemacht und wir können uns jetzt endlich selbst davon überzeugen, ob diese Idee auch Früchte getragen hat.

Als kleines bärenartiges Wesen Ruffy startet ihr am Anfang der Story in einen scheinbar ganz normalen Tag, zumindest für eure Verhältnisse. In eurem kleinen Dorf sind mehrere Personen zu euch und eurem Ziehvater gekommen, weil sie auf ihren Gemälden gerne andere Motive hätten. Mit seiner SWAP-Kraft kann Ruffy nämlich alle möglichen Texturen in der Spielwelt aufnehmen und auf andere Oberflächen übertragen und verwendet das in kleinem Rahmen in seiner Community. Recht schnell wird Ruffy vom Maulwurf Sir Eddler allerdings in einen viel größeren Plot gezogen, in dem es um nichts weiter als die Rettung der Welt geht, die vom bösen Groll bedroht wird, der den Weltenkern zerstören will. Gemeinsam mit der Biene Pip macht sich Ruffy also auf, seine Heimat und die Welt zu retten und Groll zu stoppen. Die Story wird euch dabei in Dialogen in Form von Textboxen erzählt und für meinen Geschmack hätten das auch ruhig ein paar weniger sein können, dafür sind die Dialoge aber sehr witzig geschrieben und die Charaktere allesamt sehr liebenswert. Ich habe mit Side Content etwa 7 Stunden bis zu den Credits gebraucht, habe aber noch einiges in der offenen Spielwelt zu tun, wer sich so richtig commiten möchte, kann bestimmt auch noch ein paar Stunden mehr mit Ruffy and the Riverside verbringen.

Im Spiel bewegt ihr euch frei durch eine Spielwelt, die ihr relativ zu Beginn des Spiels auch fast ohne Einschränkungen erkunden könnt. Ein paar Gebiete sind storybedingt abgesperrt und für ein paar Dinge fehlen euch anfangs noch Fähigkeiten, das Spiel zwingt euch aber auch nicht der Hauptgeschichte zu folgen. Wenn ihr einfach ein paar Stunden rumlaufen und alles auf eigene Faust erkunden wollt, steht auch das komplett frei. Zu Beginn könnt ihr auch gleich alle Hauptfähigkeiten nutzen, die mit der Zeit keine großen Upgrades mehr bekommen. Ihr könnt sprinten, solange eure Stamina-Leiste mitmacht und mit Hilfe der Biene Pip auch einen kleinen Doppelsprung bzw. Gleit-Move ausführen, der euch über Abgründe bringen kann und auch langsam an eurer Ausdauer zehrt. Sammelt ihr während eurem Sprint oder Flug Münzen ein, die in der Welt rumliegen, füllt sich außerdem eure Stamina auf, was ihr taktisch klug nutzen könnt, um euch möglichst schnell fortzubewegen. Schwimmen kann Ruffy nicht, dafür ist das Platforming aber wirklich schön präzise und ich hatte schnell raus wie weit ich ohne Hilfsmittel komme und wo ich genau landen werde. Hier hatte ich zu Beginn etwas Sorge, dass die zweidimensionale Figur von Ruffy in der 3D Welt eventuell etwas schwierig zu kontrollieren sein könnte, diese hat sich allerdings schnell in Luft aufgelöst.

Der zweite große Aspekt im Gameplay ist die SWAP-Funktion, mit der ihr die Texturen diverser Oberflächen scannen und innerhalb einer gewissen Zeitspanne auf andere Oberflächen übertragen könnt. So verwandelt ihr etwa Wasser in Lava, macht aus einem Holztor einen Magneten oder färbt gelbe Blumen in kräftiges Blau um. Neben aktiv-praktischer Einsatzmöglichkeiten wie einem Wasserfall, den ihr in eine Blätterranke verwandelt, die ihr dann hochklettern könnt, bietet diese Fähigkeit auch die Basis verschiedenster Rätsel, die ihr rund um Riverside finden werdet. Diese reichen von Farbrätseln, bis hin zu aufwändigeren Denkaufgaben, in denen ihr Texturen, Beschaffenscheit, Richtungen, Konsistenz und auch die Gegenstände selbst nutzen musst, um ans Ziel zu kommen. Während einige davon wirklich simpel waren und ich mir manchmal mehr Herausforderung gewünscht hätte, als „Bring Textur B die schon glitzert an Punkt A“, haben mich andere Rätsel wirklich vor intensivere Denkaufgaben gestellt, bei denen ich am Ende richtig stolz war, sie alleine gelöst zu haben. Das gilt vor allem für optionale Herausforderungen und so wird Ruffy and the Riverside in seiner Hauptstory zu einer zugänglichen Erfahrung auch für ein jüngeres Publikum, während man sich im optionalen Content teilweise richtig anstrengen muss.

Die Spielwelt ist dabei wie schon erwähnt frei begeh- und erkundbar und nur teilweise durch kurze Ladescreens in einzelne Sub-Gebiete abgetrennt. Ich fand es aber definitiv erstaunlich wie weit man in der Spielwelt sehen und Dinge erkennen konnte. Das macht nicht nur das generelle Spielerlebnis, sondern auch das Erkunden der Welt wesentlich angenehmer, da man Gegenstände und wichtige Orte bereits von weit weg gut erkennen kann. Falls eure Orientierung aber nicht ganz so gut ist, habt ihr auch jederzeit die Möglichkeit eure Karte zu öffnen und per Questmarker und Kompass im oberen Bildschirmbereich leichter an euer Ziel zu finden. Neben dem Hauptgebiet gibt es in Ruffy and the Riverside sieben äußere Gebiete, die jeweils mit eigenen Herausforderungen und Mottos punkten können. Zu diesen führt euch im Laufe der Story eure Hauptmission, wobei ihr hier auch wieder jeweils eine kleine Rätselpassage lösen müsst, um das Tor ins jeweilige Gebiet freizuschalten. Die Gebiete sind dabei richtig schön abwechslungsreich und lassen so keine Langeweile in der Landschaft aufkommen. Im späteren Spielverlauf schaltet ihr außerdem Heuballen-Stationen frei, die überall auf der Karte verteilt sind und mit denen ihr euch noch agiler durch die Welt bewegen dürft.

Vor allem, wenn ihr aber mal ein paar Schritte abseits der Hauptmission macht, wird euch auffallen, dass die Spielwelt voll mit kleinen Geheimnissen und Aufgaben ist. Zusätzlich zu Nebenquests, die ihr von NPCs erhalten könnt, gibt es in der Welt Schmetterlinge zu finden, die an schwer erreichbaren Orten versteckt sind, die Etoi, die sich meistens unter Material verstecken, das ihr erst umwandeln müsst, sowie die Traumsteine für die ihr oft erst eine Aufgabe verbunden mit Mustern lösen müsst, bevor ihr sie erhaltet. Außerdem werdet ihr recht schnell Wandmalereien entdecken, in die ihr selbst, wie in Super Mario Odyssey, über ein Portal schlüpfen und dort auch Belohnungen finden könnt. Diese kleinen Abschnitte laufen in 2D ab, können bzw. müssen aber, bevor ihr die Wandmalerei betretet, mit eurer SWAP-Funktion noch bearbeitet werden, damit ihr bis ans Ende der Passage gelangen könnt. Generell merkt man dem Spiel immer wieder kleine Inspirationen an bzw. hatte ich immer wieder das Gefühl, dass das Team von Zockrates hier einigen Klassikern Tribut zollen wollte. Das gelang in meinen Augen nicht nur gut, sondern auch so, dass ich nie das Gefühl hatte hier eine dreiste Kopie von etwas nachzuspielen.

Neben interessantem Gameplay und witzigen Ideen ist Ruffy and the Riverside aber auch optisch ein echter Hingucker. Die handgezeichneten 2D Sprites der Figuren passen perfekt in die Low Poly-Spielwelt und es kommen direkt Retro-Gefühle auf, vor allem, wenn man Spiele wie Tombi! oder diverse N64-Titel damals schon gefeiert hat. Ich bin echt happy, dass dieser Retro-Look auch von anderen Studios weitergeführt wird, die gleichzeitig moderne Technik und deren Performance nutzen, Ruffy and the Riverside macht das aber auch wirklich herausragend gut. Und das beste daran ist, dass ihr mit den Traumsteinen, die ihr in der Welt sammelt, die Möglichkeit habt, die Texturen selbst anzupassen. Je mehr Steine ihr sammelt, desto mehr Texturen könnt ihr in der Welt verändern und das wirklich nach Lust und Laune: Pixel für Pixel lassen sich die einzelnen Texturen in verschiedenen Auflösungen umgestalten und umfärben und wer sich kreativ ausleben will, hat hier quasi ein eigenes Mario Paint, das sich dann direkt auch noch in der Spielwelt bemerkbar macht. Lediglich an ein paar Übergängen von einem Gebiet ins nächste konnte ich kurze Ruckler wahrnehmen, bis auf einen Crash lief aber auch schon die Version vor Release wirklich stabil und flüssig, was mich immer besonders freut, wenn da nicht erst ein Day One Patch nötig ist.

„Ruffy and the Riverside bietet präzises Platforming mit Retro-Charme, das durch die einzigartige SWAP-Mechanik eine zusätzliche Rätsel-Ebene im Gameplay bekommt, die das Spielerlebnis zu etwas ganz Besonderem machen.“

Ich bin wirklich froh, dass ich über die letzten Jahre Ruffy and the Riverside nicht aus den Augen verloren habe und das Spiel selbst auch nicht im Videogame-Nirvana verschwunden ist. Denn was das deutsche Studio Zockrates Laboratories Spieler*innen schlussendlich präsentiert ist ein bunter Platformer mit frischen Ideen, süßen Charakteren, einer lebendigen Spielwelt und einem unverwechselbar-schönem Look. Ruffy and the Riverside bietet präzises Platforming mit Retro-Charme, das durch die einzigartige SWAP-Mechanik eine zusätzliche Rätsel-Ebene im Gameplay bekommt, die das Spielerlebnis zu etwas ganz Besonderem machen. Die Rätsel decken dabei eine weite Spanne in ihrer Schwierigkeit ab und besonders der optionale Content, von dem es im Spiel einigen gibt, hat mich teilweise richtig grübeln lassen. Die Dialoge sind zwar unterhaltsam geschrieben, hätten für meinen Geschmack aber auch ein bisschen weniger textlastig sein dürfen. Dafür ist der Look des Spiels einfach nur bezaubernd und die Charaktere allesamt liebenswert. Wer wie ich den Low Poly-Look der PlayStation 1 und des Nintendo 64 liebt und dann vielleicht sogar noch Platforming und/oder Rätsel-Spielen nicht abgeneigt ist, sollte hier definitiv einen Blick riskieren und kann das ab 26. Juni auf allen Konsolen und dem PC jederzeit tun.

4 von 5 Wertung für Ruffy and the Riverside von Zockrates Laboratories und Phiphen Games
4 von 5 Pips.

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