Die Tage werden wieder länger, die Vögel zwitschern laut, morgens weckt einen die Sonne schon früh mit warmen Strahlen, die durchs Fenster leuchten und auf allen Wiesen sprießen bunte Blumen aus der Erde. Man merkt es – der Frühling ist mit voller Power da. Und was gibt es da besseres als alle Vorhänge zuzuziehen, den Fernseher anzumachen und sich in eine Horror-Welt zu stürzen, die komplett konträr zu dem ist, was draußen gerade abgeht. Naja okay, ursprünglich hätte Post Trauma schon im Oktober pünktlich zu Halloween erscheinen sollen und im August 2024 war der (beinahe) Solo-Developer Roberto Serra da auf der gamescom auch noch recht zuversichtlich. Ihn hatte ich schon im Jahr davor besucht und das Spiel angespielt und beide Demo-Sessions waren wirklich schon sehr vielversprechend. Nach einem ersten Delay von Oktober 2024 auf März 2025, wurde das Spiel dann ein weiteres Mal leicht verschoben, für Ende April final datiert und ist nun auch erschienen. Und das konnte ich mir natürlich trotz Sonnenschein und Frühlingsvibes nicht entgehen lassen.
Schon während der Gespräche in Köln warf mir der Entwickler einzelne Story-Häppchen und Inspirationen entgegen, ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen und das war auch wirklich gut so. Das Spiel orientiert sich offensichtlich an Horror-Spielen aus der PlayStation 2-Ära und wenn ich PS2-Ära sage, dann meine ich ganz klar Silent Hill 2. Und das ist absolut nichts Schlechtes bzw. trägt das Spiel diese Inspiration auch stolz nach außen. Ihr steuert in Post Trauma Roman, einen etwas in die Jahre gekommenen Zugbegleiter, der in einer Realität aufwacht, von der er weder weiß, wie er dort hingekommen ist, noch worum es sich hier eigentlich so genau handelt. Denn obwohl anfangs im ersten Abschnitt, der in einem U-Bahn-Zug stattfindet, noch alles noch einigermaßen „real“ wirkt, werdet ihr relativ schnell mit verschiedenen surrealen und übernatürlichen Begebenheiten konfrontiert, die nicht so ganz in die normale Welt passen. Euer Ziel als Roman ist es daher herauszufinden wo ihr seid, warum ihr dort seid und was hier eigentlich genau abgeht. Und da will ich euch gar nicht zu viel verraten, denn wie auch in der großen Inspiration ist die Story ein wichtiger Bestandteil des Spiels und man sollte am besten gar nicht so viel mehr wissen.

Die Kamera ist in Post Trauma (fast) immer fixiert und ich bleibe dabei: das ist und bleibt für mich die beste Art Antizipation in einem Horror-Spiel rüberzubringen. So weiß man nie genau, was hinter der nächsten Ecke wartet und kann auch nicht einfach die Kamera drehen, um nachzusehen. Natürlich bürdet man sich damit als Entwickler*in immer selbst das „Problem“ auf, dass Spieler*innen bei Perspektiven-Wechseln erst mal oft ihren Stick in der falschen Richtung gedrückt halten und bis auf ein paar kleine holperige Momente, in denen ich kurz in eine Wand gelaufen bin, wurde das in Post Trauma recht stabil umgesetzt. Nicht ganz so gut wie etwa in Tormented Souls aus dem Jahr 2021, aber immer noch so gut, dass ich keine groben Probleme hatte, wenn ich mal schnell vor etwas weglaufen musste. Und dafür entstehen dadurch wahnsinnig viel schöne Kamera-Einstellungen, die so viel zur gesamten Atmosphäre beitragen und, die ich nicht missen möchte. Eventuell hat das Spiel außerdem was die Perspektive angeht noch die ein oder andere Überraschung auf Lager, die ich euch hier nicht spoilern möchte.
In den ca. 5 Stunden, die ihr durch die Horror-Welt stolpert, werdet ihr dabei auch gar nicht so oft kämpfen müssen, wie man es vielleicht nach einem Silent Hill 2 Remake befürchtet. Keine Sorge, die Inspiration ist hier klar das Original und selbst da wird mehr gekämpft als in Post Trauma. Roman bekommt zwar im Laufe der doch eher kompakten Spieldauer, verschiedene Waffen zur Verteidigung, aber bis auf ein paar Bossgegner werden sich euch nur ein paar vereinzelte Gegner in den Weg stellen, die ihr auch gar nicht zwingend bekämpfen müsst. Mit eurem Brecheisen oder Hammer schlagt ihr dabei im Nahkampf zu, was euch bei jedem Schlag Ausdauer abzieht, diese solltet ihr also im Auge behalten, um nicht plötzlich schutzlos vor eurem Gegner zu stehen. Zusätzlich erhaltet ihr noch eine Pistole und eine Schrotflinte, aber wie im Genre üblich, ist die Munition dafür natürlich auch Mangelware und ihr solltet diese stets gut rationieren. Die Kämpfe sind in Post Trauma stabil umgesetzt, die Bossfights sind jeweils bedrohlich inszeniert, man merkt aber, dass der Fokus im Spiel nie aufs Kämpfen gelegt wurde.

Den Großteil von Post Trauma verbringt ihr nämlich nicht im Kampf, sondern müsst diverse Rätsel lösen. Diese reichen von einfachen Zahlenrätseln, bis hin zu Logik-Rätseln, für die ihr euch meistens noch verschiedene Informationen aus der Spielwelt zusammensammeln müsst. Und dass ich mir nach Blue Prince wirklich so bald wieder so viele Screenshots von diversen Infos mache, die ich dann noch einmal im meinem Kopf sortiere, hätte ich nicht gedacht. Vor allem eines der letzten Rätsel hat mich mehr Zeit gekostet, als ich es öffentlich zugeben will, als ich dann aber auf die Lösung gekommen bin und es mir quasi wie Schuppen von den Augen gefallen ist, war der Aha-Moment und die Freude, als es dann wirklich geklappt hat, umso größer. Im Spiel versteckt gibt es außerdem auch ein paar Collectibles, die euch mehr Hintergrundinfos zur Story geben, wenn ihr die Augen gut genug offen haltet. Und keine Sorge, ich rede hier nicht von 500 Zetteln, die ihr dann umdreht, nur damit hinten gar nichts drauf ist.
Zusätzlich leiht sich Post Trauma von den großen Vorbildern auch die Idee des Item-Managements, das euch in eurem Abenteuer zusätzlich etwas einschränken kann. Einige Schlüssel-Items, die wichtig für die Story sind, zählen dabei nicht zu eurem regulären Inventar, es ist mir aber trotzdem hin und wieder passiert, dass meine Taschen zu voll waren und ich ein Item nicht direkt mitnehmen konnte. In Speicherräumen habt ihr dafür die Möglichkeit, über eine Truhe Gegenstände zu verstauen und einfach später wieder mitzunehmen. Der Schwierigkeitsgrad war mir im normalen Modus tatsächlich fast schon zu leicht und ich denke, das dürfte euch auch so gehen, wenn ihr dem Genre nicht ganz fremd seid. Was ich hier aber sehr begrüßt habe, ist die Möglichkeit direkt zu Beginn die Hard Mode-Einstellung zu treffen, die as Speichern limitiert. Das dürft ihr dann nämlich nur mit Kassetten machen, die ihr in der Spielwelt findet und die dadurch wieder ein Puzzle-Teil in eurem Item-Management sind.

Wie so viele andere Titel zurzeit kommt auch Post Trauma mit allen Stärken, sowie auch allen Schwächen der Unreal Engine 5. Optisch sieht das Spiel wirklich gut aus und einige Szenen wirken durch die realistische Grafik und die Belichtung in Kombination mit der fixen Kamera noch bedrohlicher und furchteinflößender. Andere Problemchen, wie das unsägliche Ghosting bei Objekten, die sich schnell bewegen, reißen mich dafür wieder völlig aus der Szene. Hinzu kommen ein paar Texturglitches und Objektphysik-Probleme, wie etwa Romans Bart, der die ganze Zeit am rumzappeln war. Insgesamt befand sich das alles aber immer noch im Rahmen und hat mich nicht wahnsinnig gestört. Dafür ist die Synchronisation der Charaktere und die Musik von Nicolas Gasparini aka Myuu richtig stark geworden und trägt sehr viel zur Atmosphäre des Spiels bei.
„Post Trauma erzählt eine Geschichte, die unter die Haut geht, spielt trotz technischer Schwächen perfekt die Stärken fixer Kamera-Perspektiven aus und ist mit ca. 4-5 Spielstunden optimal geeignet für einen Playthrough in einem Rutsch.“
Ich bin froh, dass Post Trauma am Ende genau das geworden ist, was ich nach den beiden gamescom-Demos der letzten Jahre erwartet habe und noch die Zeit hatte am Feinschliff zu arbeiten. Auch wenn dadurch nicht alle Bugs und Fehler ausgebügelt werden konnten, bekommen wir hier nichtsdestotroz wahnsinnig charmanten Indie-Horror, der seine Inspirationen stolz auf der Brust trägt und Fans der alten PlayStation-Ära sehr glücklich machen wird. Post Trauma erzählt eine Geschichte, die unter die Haut geht, spielt trotz technischer Schwächen perfekt die Stärken fixer Kamera-Perspektiven aus und ist mit ca. 4-5 Spielstunden optimal geeignet für einen Playthrough in einem Rutsch. Die Rätsel sind nie unlösbar schwer, halten einen aber trotzdem gut bei Laune, die Kämpfe sind dafür eher Nebensache und vermutlich hätte das Spiel auch ohne sie genau so gut funktioniert. Am Ende ist es trotzdem ein beeindruckendes Machwerk, das seine 15€ definitiv mehr als wert ist.


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