Eigentlich ist es ja wirklich wild, dass die Nintendo Switch trotz ihrer Popularität die ganzen 8 Jahre ihrer aktiven Lebenszeit kein „eigenes“ Mario Kart abbekommen hat. Klar, es gab direkt zum Launch die Deluxe Variante von Mario Kart 8 und das Spiel wurde durch DLC noch ordentlich erweitert, aber im Kern war es immer noch ein Port eines Wii U-Spiels und während wir auf der Switch ganze 3 Party-Ableger, den größten Smash Bros.-Titel ever und mehrere Funsport-Titel erhalten haben, wurde Kart dann doch eher stiefmütterlich behandelt und das, obwohl es vermutlich der Titel ist, der das größte Publikum erreichen kann. Zum Launch der Nintendo Switch 2 hat Nintendo jetzt aber endlich die KART-en auf den Tisch gepackt und nicht nur ein neues Mario Kart angekündigt, sondern mit Mario Kart World auch den bis jetzt ambitioniertesten Teil der Serie. So ambitioniert, dass Mario Kart World selbst der Grund ist, warum es auf der Switch 1 kein Mario Kart gab – was in der Entwicklung als regulärer Switch-Titel begonnen hat, wurde schnell zu groß und aufwändig für die in die Jahre gekommene Hardware, dass sich Nintendo entscheiden musste, den Titel exklusiv für die neue Hardware zu entwickeln. Während also Titel wie Metroid Prime 4 noch auf der Vorgänger-Konsole erscheinen, gibt es Mario Kart World als großen Launch-Titel exklusiv für Nintendos neue Hardware.
Wie euch der Titel vielleicht schon ein bisschen verraten hat, könnt ihr in Mario Kart World frei durch eine offene Spielwelt fahren und ganz im Stile von Forza Horizon oder The Crew nach Lust und Laune die Karte erkunden. Falls ihr eine Story erwartet, muss ich euch an der Stelle leider enttäuschen, Mario und seine Freund*innen fahren einfach gerne Kart-Rennen und that’s that. Auch wenn Diddy Kong Racing das mit einem guten Story-Mode auf dem N64 vorgemacht hat, bin ich ehrlich: ich brauche keine tiefliegende Motivation, um spaßige Rennen zu fahren, von daher alles fein so, wie es ist. Im Free Roam Modus, den ihr über den Titelbildschirm direkt starten könnt, gibt es einiges zu entdecken: überall auf der Map sind P-Schalter, ?-Felder und Peach Münzen versteckt, die ihr einsammeln könnt. Die P-Schalter geben euch dabei jeweils eine kleine Aufgabe, die teilweise auch einiges von euch abverlangt, während ihr die ?-Felder und Peach Münzen einfach nur einsammeln müsst. Alle geben euch jeweils einen Sticker als Belohnung, den ihr auf euer Kart kleben könnt. Leider kann man immer nur einen Sticker ausgerüstet haben, ich hätte es persönlich sehr viel schöner gefunden, wenn man mehrere Sticker in einem vorgegeben Bereich platzieren kann, so wie ein Emblem. Vor allem, weil es insgesamt über 1.000 Sticker gibt und ich gerne mehr als einen ausrüsten könnte. Die Designs davon sind nämlich teilweise echt Gold.

Aber nicht nur Sticker gibt es in Mario Kart World zu sammeln: Neben 24 Hauptcharakteren, könnt ihr außerdem 26 andere Wesen als Charaktere freischalten. Hier ist von Kuh über Delfin bis hin zu Gumba, Mopsie & Wiggler wirklich alles dabei, was das Mario Franchise zu bieten hat. Alle Hauptcharaktere haben zudem noch eine Auswahl an Kostümen, die ihr entweder im Free Roam Modus oder auch direkt in den Rennen freischalten könnt. Überall verteilt findet ihr nämlich Essensstände und -Pakete von Yoshi, bei denen ihr, je nach Gebiet, verschiedene Gerichte wie normale Items einsammeln und als kleinen Boost nutzen könnt. Je nachdem, welcher Charakter dann welches Gericht verspeist, tauscht ihr direkt am Kart euer Outfit und schaltet es gleichzeitig für die Charakterauswahl frei. Isst Toad etwa einen Burger, wird sein Kopf schnell selbst zum Bun mit Belag, Luigi fährt als Farmer durch die Kuh Muh Weide und Waluigi fährt als fieser Biker inklusive Iro über die Strecke. Wenn man das reguläre Outfit der Charaktere dazu zählt stehen euch so noch einmal insgesamt 127 Kostüme zur Auswahl bzw. wollen diese von euch freigeschaltet werden. Euch stehen außerdem insgesamt 40 Karts zur Verfügung, die diesmal nicht selbst angepasst werden können: die Stats werden hier durch eure Figur und das Kart bestimmt, wobei große Charaktere tendenziell schneller sind als kleine, aber dafür nicht so gut beschleunigen bzw. lenken können.
Den Free Roam Modus könnt ihr jederzeit auch online mit Freund*innen befahren, während ihr darauf wartet, welchen Modus der Host für eure Session auswählt. Das funktioniert allerdings in einer etwas abgespeckten Variante: die P-Schalter sind hier nicht auf der Karte zu finden, ?-Felder und Peach Münzen können allerdings ganz normal eingesammelt werden und zählen auch für die Spieler*innen, die gerade nicht Host sind. Vor allem, um gemeinsam verstecke Collectibles auf der Map leichter zu finden und neue Abkürzungen zu scouten, macht der Modus so auch wirklich viel Spaß und funktioniert auch wirklich gut. Ich hatte in den anfänglichen Sessions glaube ich nur einmal den Fall, dass einer meiner Freunde disconnected wurde, ansonsten lief es für alle zu jedem Zeitpunkt flüssig und wir haben uns auf der Karte immer finden können. Im Fotomodus könnt ihr in solchen Fällen auch jederzeit Bilder als Erinnerung schießen. Dieses „Free Roam Light“ könnt ihr theoretisch auch zu zweit im Splitscreen aktivieren, hier dürft ihr euch dann aber nicht zu weit voneinander entfernen, da die beiden Spieler*innen sonst zueinander teleportiert werden.

Wenn ihr genug vom Freeroam habt – und wenn ihr nicht gerade Sticker-Sammel-Completionist seid, dürfte das während eurer Session(s) einigermaßen schnell passieren – gibt es aber natürlich auch verschiedene kompetitive Modi, in denen ihr gegen NPCs oder im Idealfall Freund*innen bzw. online gegen echte Spieler*innen antretet. Wie immer dabei ist auch diesmal der Grand Prix, der allerdings durch den Aufbau der Strecken in World etwas anders ist als gewohnt: ihr fahrt diesmal nämlich nicht stumpf 3 Runden, kommt in einen Ladescreen für die nächste Strecke, fahrt wieder 3 Runden und das 4 Strecken lang. Jeder Grand Prix ist in Mario Kart World so aufgebaut, dass ihr nach Ende der jeweiligen Runden, die auch variieren können und nicht immer 3 sein müssen, selbst zur nächsten Hauptstrecke fahren müsst und euch auch hier mit euren Gegner*innen um Platz 1 streitet. Bevor ich das selbst gespielt habe, dachte ich, dass dieser Zwischenteil nicht auch zu den Runden selbst dazu zählt und persönlich fände ich es manchmal sogar besser, wenn der Weg dazwischen Bonus wäre und nicht vielleicht schon 1 von 3 Runden der Strecke vorweg nehmen würde, die Änderung selbst begrüße ich mit meiner chaotischen Ader allerdings sehr. Einerseits fühlt sich so das Renngeschehen und auch die Welt lebendiger an, andererseits sind auf den Zwischenstrecken die Items noch einmal sehr viel stärker und können das Fahrer*innenfeld noch einmal ordentlich durchmischen. Und dafür bin ich in Mario Kart immer zu haben.
Das große Highlight in Mario Kart World ist aber ganz klar die Knockout- bzw. K.O.-Tour. Hier starten zu Beginn 24 Personen ins Rennen über mehrere miteinander verbundene Strecken und nach und nach werden immer mehr davon eliminiert, bis am Ende nur noch 4 um die Krone fahren. In der gesamten Historie von Mario Kart waren Frust, Spaß, Chaos und dann trotzdem wieder Skill noch nie so nah beieinander und ich habe glaube ich selten so geschwitzt, wie hier, wenn ich kurz vor Ende des Rennens auf Platz 1 lag, während die anderen 3 Spieler*innen hinter mir mit Items lauerten. Egal, ob ihr in diesem Modus gegen NPCs antretet oder euch online stellt, ist Chaos vorprogrammiert und während ich manche Touren easy nach Hause fahren konnte, bin ich bei anderen nicht einmal unter die besten 16 gekommen. Und das beste daran ist: ich hatte trotzdem wahnsinnig viel Spaß mit diesem Modus. Vor allem mit genug Freund*innen ist die K.O.-Tour im Voice Chat gemeinsam purer Spaß und Salz zugleich und ich freue mich jetzt schon auf die erste Session in Person mit einer größeren Gruppe Freund*innen.

Weiters dürft ihr euch in Mario Kart World noch im Battle Modus messen, in dem es wieder darum geht, wer am Ende die meisten Spieler*innen eliminiert und trotzdem selbst seine Luftballone bei sich behalten konnte. So sehr ich diesen Modus in Mario Kart 64 geliebt habe, so sehr hat mich gleichzeitig jede Iteration davon späterer Titel enttäuscht und ich verstehe nicht, warum sich Nintendo jedes Mal wieder dazu entscheidet den einfachsten Weg zu gehen in diesem Spielmodus. Denn leider ist auch die Version in Mario Kart World keine Ausnahme: anstatt im Battle Modus in dedizierten Arenen gegeneinander anzutreten, werden auch hier wieder kleinere Streckenabschnitte abgesperrt und ihr bekämpft euch dort. Das funktioniert zwar und ist für ein paar Runden ganz witzig, aber es wird mich nicht wie damals lange Abende vor den Bildschirm fesseln, während ich mir erbitterte Schlachten mit Freund*innen liefere. Dafür ist es leider einfach nicht genug Abwechslung bzw. sind die Strecken nicht gut genug dafür ausgelegt. Auch wenn die Items diesmal wieder sehr gut durchgemischt wurden und vor allem in den anderen Modi auch Items wie die Feder plötzlich wieder spielentscheidend sein können.
Für Renn-Puristen gibt es dann noch den Time Trial-Modus, in dem ihr euch mit euren Freund*innen und auch weltweit online Bestzeiten um die Ohren fahren könnt. Ich habe aktuell mit meiner Mario Kart World-Gang eine Challenge am Laufen, in der wir jede Woche eine neue Strecke fahren, um zu sehen, wer diese am schnellsten schlagen kann und was hier teilweise möglich ist, ist einfach nur absurd. Ihr könnt euch da einfach mal die aktuellen Weltrekorde bestimmter Strecken anschauen und seht dann denke ich direkt, was ich meine. Mario Kart World bietet neben normaler Turbos, Drifts und Trick-Jumps nämlich nun auch die Möglichkeit über Rails zu grinden und an Wänden entlang zu fahren, was wiederum dazu führt, dass ihr kleine Boosts bekommt und die Routen, die hier in den Strecken gefunden werden, sind teilweise einfach nur unglaublich. Diese Moves nachzumachen ist teilweise so hart und trotzdem macht es mir gerade wahnsinnig viel Spaß zu versuchen noch eine Hundertstelsekunde aus meiner Bestzeit herauszuholen. Wer einen Modus sucht, bei dem wirklich nur der Skill zählt und Items Nebensache sind: hier seid ihr genau richtig.

Die letzte offene Frage ist natürlich, warum Mario Kart World schlussendlich zu ambitioniert für die erste Nintendo Switch war und, wie es sich auf der neuen Hardware Performance-technisch schlägt. Dank neuer Hardware erstrahlt das Spiel docked in 1440p und 1080p auf dem Handheld-Screen und die einzelnen Karts, Kostüme und generell alles, was ihr im Spiel findet, ist unfassbar detailliert. Gefühlt hat Nintendo einfach ein Spiel für die Switch fertiggestellt und den Rest der Zeit einfach nur noch an den Details gearbeitet und geschliffen. Sowohl im Docked als auch im Handheld-Modus läuft das Spiel dabei mit flüssigen 60 FPS und ich persönlich konnte während meiner ausgiebigen Sessions keinerelei Performance-Einbrüche feststellen. Die Welt hat dabei neben dynamischem Wetter, Tag- und Nachtwechsel und verschiedenen Oberflächen einiges zu bieten. Im Wasser fühlt es sich fast schon wie ein neues Wave Race an und vermutlich werden wir da auch nicht so bald näher dran kommen. Nintendo feuert euch außerdem ein quasi Best of des Mario Franchises um die Ohren, bei dem jeder Song noch einmal geremixed wurde und perfekt zum Renngeschehen passt. Ich freue mich jetzt schon darauf, wenn die Songs in der Nintendo Music App verfügbar sind. Dann brauche ich auf dem Fahrrad auf jeden Fall keine zusätzliche Motivation mehr, um möglichst schnell von A nach B zu radeln.
„Mario Kart World bringt mit der K.O.-Tour ein komplett neues Level an Spaß & Chaos in das Franchise, das Fahrer*innenfeld ist größer als je zuvor und egal ob alleine, mit Freund*innen vor Ort oder online ist Spaß garantiert, egal in welchem Modus.“
Viele haben sich Sorgen gemacht, ob Mario Kart World wirklich ein angemessener Launch-Titel für die Nintendo Switch 2 ist und haben sich schon vor Release gefragt, ob es nicht besser gewesen wäre stattdessen oder gleichzeitig ein neues Zelda- oder Mario-Spiel mit ins Rennen zu schicken (Pun intended). Ich persönlich finde sowohl das Launch-Lineup der Konsole vielfältig genug, als auch das Spiel selbst mehr als passend, um eine neue Nintendo-Generation einzuläuten. Außerdem erwartet uns mit Donkey Kong Bananza im Juli nicht mal einen Monat nach Launch sowieso schon der nächste Kracher. Obwohl ich auch ein paar Kleinigkeiten zu kritisieren habe, ist World auf jeden Fall ein mehr als würdiger Nachfolger zu Mario Kart 8 Deluxe. Mario Kart World bringt mit der K.O.-Tour ein komplett neues Level an Spaß & Chaos in das Franchise, das Fahrer*innenfeld ist größer als je zuvor und egal ob alleine, mit Freund*innen vor Ort oder online ist Spaß garantiert, egal in welchem Modus. Die frei befahrbare Open World hat mir sowohl on- als auch offline viel Spaß gemacht, auch wenn ich gerne ein bisschen mehr als Sticker gesammelt hätte. Wenn dem Spiel über die Zeit noch mehr Karts, Kostüme, Strecken und Co. spendiert werden, mache ich mir keine Sorgen, dass wir noch sehr viel mehr Spaß mit diesem Spiel haben werden und währenddessen habe ich noch lange genug zu tun beim Versuch mit meiner Gang Bestzeiten im Time Trial-Modus zu schlagen. Ein mehr als würdiger Launch-Titel für die Nintendo Switch 2.


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