Titelbild zu Hollow Knight: Silksong von Team Cherry

Hollow Knight: Silksong

Wir haben kollektiv lange gewartet, wir haben uns Memes zurecht gelegt und in jedem Stream geclowned, egal ob bei Nintendo, Xbox oder PlayStation: „Diesmal ist es soweit, ganz sicher.“, „Heute Silksong Shadowdrop, ich spüre es.“ und „Packt die Clownschminke aus!“ waren nur ein paar der Sätze, die in meiner WhatsApp-Gruppe des Vertrauens so oder so ähnlich gefallen sind. An die Memes und Witze hatte man sich nach einer Weile auch gewohnt und sie als Teil einer jeden Präsentation gerne rezitiert. Zumindest bis es dann im August während der gamescom wirklich soweit war und Team Cherry einen eigenen Stream ankündigte. Ganze 6 Jahre nach dem Reveal Trailer und einem Detail-Video zu Hollow Knight, sollte es das erste Video seit langer Zeit auf dem eigenen YouTube-Kanal sein. Ein Special Announcement, wie sie es nannten, das am 21. August um 15:30 Uhr die Videospielwelt kollektiv aufatmen ließ. Hollow Knight: Silksong ist fertig, das Video kündigte den 04. September, also zwei Wochen später, als Release an und hat am Release-Tag direkt mal die Server von Steam, Nintendo, Xbox und PlayStation lahmgelegt. Als großer Hollow Knight-Fan und auch weil ich wirklich sehr lange und ungeduldig auf das Spiel gewartet habe, habe ich das Release-Wochenende quasi nur vor dem Fernseher verbracht, wenig geschlafen und nach etwas weniger als 24h Spielzeit das erste Mal die Credits gesehen.

Hollow Knight: Silksong, das ursprünglich als Add-On für Hollow Knight geplant war, in der Entwicklung aber recht schnell den DLC-Rahmen sprengte, beginnt mit einer Sequenz, in der Hornet eingesperrt in einen Käfig von Wachen über eine Straße transportiert wird. Ein leuchtender Käfer lässt sie plötzlich eine neue Kraft spüren, sie sprengt sich aus ihrer Gefangenschaft und von da an übernehmt ihr die Kontrolle über die Protagonistin, die auch schon im ersten Teil eine wichtige Rolle gespielt hat. Die Story findet dabei aber nach den Events in Hollow Knight statt und erzählt eine eigene Geschichte, die ihr theoretisch auch genießen könnt, ohne den Vorgänger gespielt zu haben. Empfehlen würde ich es aber natürlich trotzdem, rein um die Tragweite der Geschichte zu verstehen und auch die Rolle von Hornet insgesamt besser nachvollziehen zu können. Nach einer kurzen Intro-Passage in einem Moosgebiet und dem ersten Boss, der noch nicht so viel von euch abverlangt, erreicht ihr ein Dorf, in dem ihr erfahrt, dass ihr euch in Pharloom, genauer gesagt in Bone Bottom, befindet, dem Dorf in dem die Pilgerreise vieler Käfer in Pharloom beginnt. Deren Ziel, die Zitadelle, steht an oberster Stelle des Landes und genau da will Hornet auch hin, um herauszufinden, warum sie entführt wurde und wer dahinter steckt.

Das Gameplay hat sich dabei im Vergleich zu Hollow Knight vor allem im Hinblick auf das Moveset geändert. Hornet ist wesentlich agiler als der Knight und das selbst zu Beginn des Spiels, in dem sie außer Springen und Angreifen noch nicht wirklich viele Moves hat. Direkt zu Beginn ist mir dabei aufgefallen, dass man sich mit ihr an Kanten hochziehen kann und das sogar mit einem kleinen Boost, wenn man im richtigen Moment den Sprungknopf betätigt. Außerdem hat Hornet statt dem regulären Schlag nach unten, den der Knight ausgeführt hat, einen Angriff, der schräg nach vorne geht. Auf diesen musste ich mich selbst erst mal umgewöhnen, sobald man den Abstand und das Timing aber gemeistert hat, macht es unglaublich viel Spaß, damit auf den Köpfen der Gegner und auch auf Stacheln und anderen Elementen durch die Luft zu wirbeln. Solltet ihr mal in die Stacheln fallen oder euch ein Gegner erwischt haben, könnt ihr euch mit einem einfachen Knopfdruck heilen. Das Heilen kostet Seide, die ihr durch erfolgreiche Angriffe auf eure Feinde sammeln könnt. Anders als im Vorgänger müsst ihr den Knopf dabei nicht gedrückt halten und heilt mit einer Ladung Seide direkt 3 HP wieder auf. Allerdings seid ihr während des Heilvorgangs, den ihr auch in der Luft ausführen könnt, kurzzeitig lahmgelegt und könnt euch nicht bewegen. Werdet ihr währenddessen von etwas erwischt, verliert ihr nicht nur eure Seide, sondern werdet auch nicht geheilt, das Timing ist hier also das shAw und adidO.

Während ihr euch durch Pharloom bewegt, findet ihr immer wieder Werkzeuge, die ihr als Waffen benutzen könnt, wie einen Bumerang, einen Bohrer und später auch fortgeschritteneres Werkzeug wie einen Elektro-Pfeil oder kleine Drohnen, die für euch Gegner angreifen und auch verschiedene Arten von Ausrüstung, die ihr Hornet zuweisen könnt. Auch der Kompass, der euch zeigt, wo auf der Map ihr euch gerade befindet, muss dabei wieder einzeln ausgerüstet werden. Ihr startet das Spiel mit dem Wappen der Jägerin, das standardmäßig einen Gegenstand pro Typ ausrüsten kann, dieses kann aber aufgelevelt werden, damit ihr später je zwei pro Typ mit euch tragen könnt. Im weiteren Spielverlauf findet ihr in Hollow Knight: Silksong außerdem noch weitere Wappen, die nicht nur eure Ausrüstung ändern, sondern auch eure Angriffsmuster. Rüstet ihr z.B. das Wappen des Wanderers aus, habt ihr quasi genau das Moveset aus Hollow Knight, insgesamt gibt es aber neben Jägerin und Wanderer noch 5 weitere Wappen, jeweils mit eigenem Moveset und Ausrüstungs-Slots. Wie ihr Silksong spielen wollt, könnt ihr euch also komplett selbst zurecht legen und das Moveset finden, das am besten zu euch passt. Dem Wappen könnt ihr außerdem auch eine Spezialattacke, den Silk Skill, zuweisen, die ihr ebenfalls per Tastendruck ausführen könnt. Diese verbraucht allerdings Seide, die ihr sonst auch zum Heilen braucht, hier müsst ihr also immer taktisch klug abwägen, was gerade wichtiger ist.

Wie es sich für ein ordentliches Metroidvania gehört, seid ihr aber im gesamten Spielverlauf nicht nur beschränkt auf die Fähigkeiten, die ihr zu Beginn des Spiels habt. Je weiter ihr voran kommt, desto mehr Fähigkeiten sammelt ihr für Hornet und desto mehr Gebiete und Geheimnisse öffnen sich für euch in der Spielwelt. Welche Fähigkeiten und wie viele das sind, möchte ich an dieser Stelle gar nicht spoilern, aber freut euch schon mal darauf mehr zu finden, jeder Move ergänzt das Anfangs-Moveset perfekt und ist sowohl für die Erkundung als auch teilweise für die Kämpfe verdammt nützlich. Die Spielwelt selbst ist übrigens auch in Silksong wieder verdammt groß und obwohl ich nach etwas weniger als 24 Stunden das erste mal den Abspann gesehen habe, hatte ich da noch lange nicht alles entdeckt. Es lohnt sich auch hier wieder Wände genau nach brüchigen Stellen abzusuchen, im Wasser eventuell weiter zu schwimmen, auch wenn da vermutlich eine Wand ist oder einfach mal versuchen weiter nach oben zu kommen, als die Karte anzeigt. Hinter jedem Geheimgang versteckt sich immer etwas nützliches oder zumindest ein Kampf, in dem ihr wertvolle Scherben, die ihr für eure Werkzeuge braucht oder Rosenkranzperlen, die ihr als Zahlungsmittel in Shops verwendet, findet.

Die Kämpfe sind in Hollow Knight: Silksong teilweise genau so fordernd wie im Vorgänger und allein durch die höhere Geschwindigkeit von Hornet müsst auch ihr als Spieler*in viel schneller auf Angriffsmuster der Feinde reagieren und diese im Optimalfall auch kontern. Schon sehr früh stellt euch das Spiel hier auch Gegner gegenüber, die mit einem Schlag direkt zwei eurer Lebenspunkte abziehen können und alleine das macht die Welt noch viel bedrohlicher und zwingt euch dazu, noch besser aufzupassen. Insgesamt bekommt ihr es in Silksong mit über 200 verschiedenen Gegnern und über 40 Bossen zu tun und alleine das zeigt schon wie umfangreich und vielseitig alleine die Kämpfe im Spiel sind. Vor allem die Bosse sind dabei oft so wahnsinnig gut inszeniert und die Kämpfe so episch gestaltet, dass ich auch in den Momenten, in denen ich bei meinen ersten Versuchen gnadenlos aufs Maul bekommen habe, trotzdem breit grinsend wieder zurück zum Ort des Geschehens gelaufen bin, um mich erneut in den Kampf zu stürzen. Sterbt ihr einmal startet ihr wie im ersten Teil auf der letzten Bank, auf der ihr euch ausgeruht habt und müsst dorthin zurück, wo ihr das Zeitliche gesegnet habt, um eure Rosenkranzperlen wieder einzusammeln. Sterbt ihr am Weg dorthin zu früh, verliert ihr diese.

Komplett neu in Hollow Knight: Silksong und gleichzeitig wahnsinnig praktisch, um den Überblick zu behalten, ist, dass ihr zu jedem Zeitpunkt im Menü nicht nur eure Hauptquest nachschlagen könnt, sondern dort auch spezielle Nebenquests angezeigt werden. Es gibt zwar auch wieder Questlines, die nicht in diese Kategorie fallen und die ihr euch durch Dialoge und Hinweise in der Spielwelt selbst zusammenreimen müsst, wichtige Sidequests werden euch in Silksong aber gespeichert und als Wünsche der Bewohner*innen abgespeichert. Diese Wünsche reichen dabei von simplen „Besiege bitte Kreatur XY“ oder „Spende 200 Scherben, damit ich das Dorf wieder aufbauen kann“ und gehen bis hin zu Quests mit mehreren Schritten und Aufgaben, die gar nicht so leicht sind. Dieses Questsystem macht es wesentlich einfacher sich auch nach einer kurzen Pause, in der man abgelenkt wurde, wieder ins Gedächtnis zu rufen, wo man eigentlich gerade hin wollte und ist auch für das Ende des Spiels nicht unwichtig. Zu viel will ich hier gar nicht verraten, aber wer nicht alle Wünsche erfüllt und einfach nur durch die Gebiete rauscht, könnte hier eventuell etwas wichtiges verpassen.

Wir müssen aber auf jeden Fall auch noch über die Spielwelt selbst sprechen: diese ist gefühlt doppelt so groß wie in Hollow Knight und jedes Mal, wenn ich dachte „Okay, jetzt können sie fast nicht noch einen draufsetzen!“, kam ich in ein neues Gebiet, das die davor aussehen hat lassen, wie das Tutorial vom Tutorial. Wo euch das Spiel anfangs noch kleine Lava-Pools als größte Herausforderung vorsetzt, kommt ihr später in Sümpfe in denen das Wasser voll mit Maden ist, die euch eure Seide klauen und die ihr nur loswerdet, wenn ihr euch heilt oder auf eine Bank setzt, ihr bereist eisige Schluchten, in denen eure HP sinken, wenn ihr zu lange in der Kälte bleibt und seht noch viel mehr, das ich hier gar nicht vorweg nehmen möchte. Wie umfangreich das Spiel ist, lässt sich selbst mit einem Blick auf die voll aufgedeckte Karte nur schwer greifen und der reine Umfang der Gebiete ist schon die beste Erklärung dafür, warum das Spiel so lange in Entwicklung war. Gleichzeitig werdet ihr in den späteren Gebieten Platforming-Passagen finden, die mich persönlich laut jubeln, gleichzeitig aber auch fluchen haben lassen, weil sie so knackig sind. Ich möchte jetzt hier nicht sagen, sie waren Path of Pain-Level, aber auf jeden Fall schwerer als jede Platforming-Einlage im Grundspiel des Vorgängers.

Aber nicht nur der Umfang der Gebiete, die Menge der Gegner und generell die Größe und Details von allen Aspekten des Spiels ist das beste Argument dafür, warum es so viel Sinn ergibt, dass Team Cherry sich die Zeit genommen hat, die sie nun mal gebraucht haben: Hollow Knight: Silksong sieht wieder unfassbar gut aus und die handgezeichneten Sprites, Gebiete und generell alles was in der Welt passiert, haben mir auch visuell immer wieder die Kinnlade nach unten klappen lassen. Alleine an den Screenshots in dieser Review seht ihr schon wie viel Varianz und Details in diesem Spiel stecken, es würden aber nicht mal 10 Bilder-Gallerien reichen, um alle Ideen und Aspekte der Designs abzubilden. Was hier optisch auf Spieler*innen einprasselt sucht seinesgleichen und wird wieder perfekt von einem wunderschönen Soundtrack von Christopher Larkin untermalt, der teilweise so verdammt gut zu den Gebieten passt, dass ich froh bin, ihn jetzt auch schon direkt im Streaming zur Verfügung zu haben, damit ich nicht ständig das Spiel laufen lassen muss, um die Songs zu hören. Ich spare mir jetzt außerdem den Witz mit Bugs, Silksong läuft perfekt, flüssig und ich hatte keinerlei Probleme beim Spielen. Egal ob ihr am PC oder der Konsole spielt, erwartet euch ein flüssiges und wunderschönes Erlebnis, das auf der Switch 2 sogar Gebraucht vom HD Rumble 2 macht.

„Hollow Knight: Silksong baut auf den Stärken des Vorgängers auf, verbessert jeden Aspekt davon um ein vielfaches und liefert für gerade mal 20€ eines der besten Spiele der letzten Jahre und damit einen mehr als würdigen Nachfolger zu Hollow Knight.“

Über die Jahre habe ich Hollow Knight wirklich oft gespielt. Auf mehreren Plattformen, in mehreren Runs und vor gar nicht so langer Zeit auch noch mal auf 112%. Während immer mehr Zeit verging, habe ich mich gefragt, wie Team Cherry es schaffen will, den hohen Ansprüchen gerecht zu werden, die Fans an Silksong haben und die auch immer weiter aufgebauscht wurden, durch die Wartezeit und die Funkstille, die rund um den Titel herrschte. Als dann zwei Wochen nach der finalen Ankündigung der Tag gekommen war und man es endlich selbst spielen konnte, hat es aber nur ein paar Stunden gedauert, bis mir klar wurde, dass sie sich hier in wirklich jedem Aspekt selbst übertreffen. Hollow Knight: Silksong baut auf den Stärken des Vorgängers auf, verbessert jeden Aspekt davon um ein vielfaches – egal ob das Moveset, die Gegner, die Spielwelt, das Design, you name it – und liefert für gerade mal 20€ eines der besten Spiele der letzten Jahre und damit einen mehr als würdigen Nachfolger zu Hollow Knight. Es ist fast schon frech mit was für einer Leichtigkeit dieses Spiel immer wieder noch einen drauf setzt und vermutlich am Ende des Jahres zurecht mit Awards überhäuft werden wird. Hollow Knight: Silksong ist so viel mehr, als Fans erwartet haben und ich freue mich jetzt schon auf die vielen Playthroughs, die ich diesem Spiel die nächsten Jahre über widmen werde.

5 von 5 Wertung für Hollow Knight: Silksong von Team Cherry
5 von 5 Flöhe.

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