Immer wenn Nachfolger zu bestimmten Titeln erscheinen, ist das kurz wie ein etwas frecher Reality Check, der einem „Du bist alt!“ vors Gesicht hält. To be fair – Corona hat meine Zeitwahrnehmung bis heute komplett durcheinander gebracht. Was 2019 war, fühlt sich an, als wäre es gerade erst vor 1 – 2 Jahren gewesen. Genau das ist mir mit Heave Ho passiert: der Coop-Spaß des französischen Indie-Studios Le Cartel konnte mich nicht nur auf der gamescom, sondern auch in der Vollversion zuhause absolut überzeugen. Als nun fast 7 Jahre später der Nachfolger erschien, war ich kurz irritiert, dass das wirklich schon wieder so lange her ist, habe mich aber hauptsächlich auf mehr Coop-Action gefreut.
Wie auch schon der Vorgänger hält euch Heave Ho 2 nicht lange mit einer Story oder dem Versuch dieser auf und manchen Spielen kann man das gar nicht mal übel nehmen. Über das Hauptmenü erreicht ihr direkt die verschiedenen Spielmodi und könnt ohne euch lange aufhalten zu lassen in die Action springen. Ihr dürft entweder in 8 verschiedenen Welten mit steigendem Schwierigkeitsgrad gemeinsam an einem Strang ziehen (manchmal literally) oder im Showdown-Modus gegeneinander antreten. Die 8 Welten sind dabei in verschiedene Levels aufgeteilt und diese können auch jederzeit einzeln ausgewählt werden, sobald ihr sie freigeschaltet habt.

Auch im zweiten Teil dreht sich dabei alles um Coop mit mehreren Spieler*innen, insgesamt dürft ihr euch bis zu 3 Freund*innen schnappen und mit diesen gemeinsam losschwingen, einen Singleplayer-Modus gibt es auch diesmal nicht. Im Coop-Modus müsst ihr immer alle Figuren (gleichzeitig) ins Ziel bringen indem ihr die rechte und linke Hand eurer Figur mit den Schultertasten des Controllers steuert. Haltet ihr L gedrückt, greift die linke Hand zu, die Arme selbst könnt ihr auch steuern, allerdings nicht wirklich präzise. Ihr nutzt also euer Momentum und die Arme eurer Mitspieler*innen, um bis ans Ende des Levels zu kommen. Die Level sind dabei alle so gestaltet, dass ihr sie zu zweit schon ohne gröbere Probleme schaffen könnt.
Solltet ihr in einem der Level trotzdem einmal an eure Grenzen stoßen, bietet euch Heave Ho 2 verschiedene Hilfsmittel, mit denen ihr euch das Leben vereinfachen könnt. Ist etwa eine Person bereits im Ziel angekommen, erscheint ein Joystick, mit dem eine Drohne gerufen und gesteuert werden kann. An dieser können sich andere Spieler*innen einfach festhalten und ganz entspannt ins Ziel geflogen werden. Schafft es niemand ins Ziel, erscheint außerdem in den Levels nach einer bestimmten Zeit eine fliegende Katze, an der ihr euch ebenfalls festhalten könnt. Da die Levels aber alle recht kurz und überschaubar sind, ist mir das eigentlich nur passiert, wenn ich länger an einer der Bonus-Challenges geknabbert habe, die teilweise die Spielzeit noch mal um einiges strecken können.

Jedes Level in Heave Ho 2 gibt euch nämlich zusätzlich zum normalen Durchspielen noch verschiedene Extra-Challenges mit an die Hand – Pun intended – mit denen ihr neue Charaktere, Items und Pups-Effekte freischalten könnt. Während das Basis-Gameplay dem ersten Teil im Kern also erst mal zum Verwechseln ähnlich ist, wurde drumherum sehr viel optimiert und ganz neue Ideen eingebaut. So könnt ihr etwa in der Luft Pupsen, um euren Schwung noch zu erweitern, quasi wie ein Doppelsprung, nur halt als Pups. Außerdem erhaltet ihr nach und nach Items, wie eine Kamera, eine Spray-Dose oder anderen Dingen, mit denen ihr zusätzliche Challenges erledigen könnt, oder die euch anderweitig weiterhelfen.
Die Challenges in den Levels sind dabei umfangreicher, als ich es erwaretet hatte: in simplen Zeit-Challenges, müsst ihr ein Level so schnell wie möglich absolvieren, es gibt Münzen oder Tieren, die im Level versteckt sind und die mit ins Ziel genommen werden müssen, Silhouetten im Hintergrund an denen ihr die selbe Pose einnehmen müsst und versteckte Hände, die ihr kurz greifen müsst. In späteren Welten kommen dazu noch teilweise echt ausgefallene Challenges, wie etwa ein bestimmtes Rezept zu kochen und wer sich jetzt fragt, warum ich hier plötzlich kochen ins Spiel bringe, der darf sich in Heave Ho 2 auf einige Überraschungen freuen. Das Leveldesign ist diesmal nämlich sehr viel mehr als nur ins Ziel schwingen und das in immer komplizierterer Level-Architektur.

Obwohl ich mit dem Grund-Gameplay schon im ersten Teil eine richtig gute Zeit und hatte und auch hier völlig fein damit gewesen wäre mich durch die 8 Welten zu schwingen, hat sich Le Cartel Studio für den zweiten Teil einiges mehr einfallen lassen: In einer der Welten müsst ihr gemeinsam kochen und die Rezepte eines Kochs richtig ausführen, in einer anderen Passage verschlägt es euch ins Weltall und ihr müsst wie in Lovers in a Dangerous Spacetime gemeinsam ein Raumschiff steuern und in einer anderen Welt entert ihr als Piraten ein Schiff, während ihr aufpassen müsst im Wasser nicht von Piranhas gefressen zu werden. Die Kostüme der Hauptfiguren werden dabei thematisch immer an die jeweilige Welt angepasst und ich war positiv überrascht wie kreativ sich das Studio hier ausgetobt hat.
In Heave Ho 2 könnt ihr euch aber nicht nur an den diversen Coop-Levels gemeinsam die Zähne ausbeißen, sondern auch im Versus-Modus gegeneinander antreten. Wer dabei zuerst 5 Runden für sich entscheiden kann, gewinnt am Ende und ihr tretet in verschiedenen Disziplinen und auf 20 unterschiedlichen Maps an. Jede Runde erhaltet ihr zufällig eine Stage aus drei Kategorien: in einem Rennen müsst ihr als erstes im Ziel landen, in anderen Maps versucht ihr möglichst lange am Leben zu bleiben, während ihr Hindernissen (und euren Gegner*innen und deren Waffen, die im Level spawnen) ausweicht und in der dritten Herausforderung versucht ihr am schnellsten einen Schalter zu erwischen. Den Versus-Mode spielt ihr entweder in Teams oder jede*r für sich.

Trotz kreativer Ausflüge, diversen Physik-Spielerein und einem fast immer vollen Screen gerät Heave Ho 2 aber zum Glück nie ins Ruckeln und das Coop-Gameplay funktioniert ohne Probleme. Klar, wenn man sich mit Top-Speed von einer Kante yeeted und man in der Luft gegen etwas stößt, kann es schon mal passieren, dass man nicht so zielgenau landet, wie man es vielleicht sollte, solche chaotischen Situationen machen das Spiel aber umso witziger und mit etwas Ruhe und Geschick und dem richtigen Flatulenz-Einsatz kann man teilweise wirklich präzise über Abgründe schwingen. Ich hatte jedenfalls keine Bugs, Glitches oder sonstige Ausfälle, die meine Erfahrung negativ beeinträchtigt hätten. Das Spiel lief auf der Switch 2 einwandfrei.
// Heave Ho 2 erweitert die Ideen des Vorgängers um spaßige Challenges und mehr als kreatives Level- und Missionsdesign und behält im Kern trotzdem den Fokus eines wahnsinnig unterhaltsamen Multiplayer-Spiels, egal ob ihr zu zweit oder zu viert losschwingt. //
Coop-Spiele müssen nicht immer mit einer emotional-fesselnden Story kommen wie es etwa ein It Takes Two macht und auch nicht immer voll mit Ranked Matches, Battle Passes und unendlich Engagement sein, wie viele Shooter das machen. Manchmal reicht eine überschaubare Anzahl an kreativen Maps und der Fokus auf gemeinsame Problemlösung, um eine unterhaltsame Experience zu schaffen: Heave Ho 2 erweitert die Ideen des Vorgängers um spaßige Challenges und mehr als kreatives Level- und Missionsdesign und behält im Kern trotzdem den Fokus eines wahnsinnig unterhaltsamen Multiplayer-Spiels, egal ob ihr zu zweit oder zu viert losschwingt. Für die Switch 2 ist der Titel wieder wie gemacht und falls ihr schon genug Runden in Mario Kart World gedreht habt und auf der Suche nach mehr Multiplayer Madness seid, ist das hier genau der richtige Titel.


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