Titelbild zu Dying Light: The Beast von Techland

Dying Light: The Beast

Mit Dying Light 2: Stay Human erschien Anfang 2022 nicht nur ein Nachfolger zu einem Spiel, das mich von Beginn der Serie an schon komplett abgeholt hatte, sondern auch gleichzeitig ein Titel, dessen Story mit dem Vorgänger, außer in seiner Grundprämisse, wenig zu tun hatte. Nachdem wir im ersten Teil und dem DLC Dying Light: The Following noch aus der Perspektive von Kyle Crane unterwegs waren und in der türkischen Stadt Harran Zombies gemetzelt haben, schickte uns der zweite Teil als Pilger Aiden Caldwell 20 Jahre in die Zukunft. Obwohl mich der zweite Teil sehr begeistern konnte und vir allem das Movement noch einmal sehr viel mehr Spaß gemacht hat, als im ersten Teil, habe ich mir trotzdem währenddessen immer wieder mal die Frage gestellt, was denn eigentlich aus dem guten alten Kyle wurde und, warum man sich entschieden hatte diesen Zeitsprung zu wählen. Mit Dying Light: The Beast kehrt Techland nun einige Jahr nach dem zweiten Teil aber wieder zurück zu den Wurzeln der Serie und lässt uns herausfinden, was der Protagonist des ersten Teils eigentlich noch so erlebt hat. Und sagen wir mal so, ein Urlaub war das auf jeden Fall nicht.

Nach allem, was in Dying Light und The Following passiert ist, konnte Kyle nicht einfach die Füße hochlegen, sondern befand sich erst mehrere Jahre auf der Flucht, bevor er schlussendlich von einer Organisation gefangen genommen wurde, deren Anführer nicht nur mit ihm reden wollte. Während seiner Gefangenschaft wurden an Kyle verschiedene genetische Experimente durchgeführt, deren Ziel es war, das Harran-Virus, das Menschen zu Zombies werden lässt, nicht nur genauer zu erforschen, sondern dieses auch zu einer Waffe zu machen. Wie es aber immer so ist mit Zombie-Viren und deren Erforschung, läuft nicht alles glatt, Kyle kann aus dem Komplex fliehen, in dem er gefangen gehalten und dann eigentlich getötet werden sollte und muss nun in der Alpenregion Castor Woods seinen Rachegelüsten nachgehen. Auf seinem Weg zum Baron, dem Anführer der Kidnapper, trifft er dabei einige Verbündete oder zumindest Leute, die vorgeben solche zu sein, muss wieder einiges an Parcours-Skills abliefern und natürlich auch den ein oder anderen Zombie endgültig das Licht ausknipsen. Die Story hat mich dabei tatsächlich oft mehr überrascht, als ich es erwartet hatte und hat für Fans der Serie einiges zu bieten, mehr will ich an dieser Stelle nicht verraten.

Dying Light: The Beast bleibt dabei seinen Wurzeln im Gameplay absolut treu und lässt euch wie die ersten beiden Teile in der Ego-Perspektive frei durch die Welt laufen und auch alle Zwischensequenzen erlebt ihr wieder aus der First Person. Obwohl ihr diesmal nicht in einer größeren Stadt mit Hochhäusern unterwegs seid und die Dächer, vor allem, wenn ihr den Stadtkern verlasst, bei weitem nicht so dicht aneinander liegen bzw. ihr auch öfter mal am Boden langlaufen werdet, sind schnelle Reflexe und gekonntes Parcouring immer noch das A und O im Spiel. Wie gewohnt funktioniert das auch wieder ohne Probleme und sobald man sich in den Flow des Spiels eingefunden hat, macht es wahnsinnig viel Spaß sich durch die Welt zu bewegen. Diesmal dürft ihr dafür sogar in Autos steigen und so die ländlichere Gegend von Castor Woods per fahrbarem Untersatz erkunden, mit dem ihr einfach durch Zombiehorden durchrast und die Überreste von der Windschutzscheibe wischen lasst, zumindest solange euer Benzin hält.

Ressourcenknappheit ist nämlich, wie es sich für eine echte Zombie-Apokalypse gehört, auch in Dying Light: The Beast wieder allgegenwärtig, egal ob nun bei den Autos, euren Crafting-Ressourcen oder auch euren Waffen. So werdet ihr euch immer wieder kriechend in irgendwelchen verlassenen Häuser befinden, um dort wertvolle Gegenstände und Ressourcen rauszuholen. Das hat für mich in The Beast noch mal sehr viel besser funktioniert, als in den Teilen davor: tagsüber sind diverse Verstecke in der Spielwelt mit Zombies gefüllt, die ihr entweder lautlos ausschalten oder frontal bekämpfen könnt. Jedes Versteck bietet dabei neben Standard-Ressourcen auch immer eine abschließende Belohnung, die euch auf eurem weiteren Weg hilfreich sein wird, seien es nun Waffen oder besonders seltenes Upgrade-Material. Entdeckt ihr einen dieser Eingänge, werden sie für euch auf eurer Karte markiert und ihr könnt euch entscheiden, ob ihr sie direkt in Angriff nehmt, oder das ganze auf später verschiebt und könnt auch bestimmte Gebiete mehrmals erledigen, wobei ihr dann nicht jedes Mal die seltene Belohnung erhaltet, aber dafür andere nützliche Gegenstände. The Beast schafft es dabei diese zusätzlichen Gebiete so unterschwellig in der Welt zu platzieren, dass sie nie aufdringlich werden oder euch die Karte zukleistern mit Icons und gleichzeitig ist immer wieder die Motivation da, schnell reinzugehen, da es sich immer lohnt reinzugehen und mit mehr Zeug rauszukommen, das auch wirklich nützlich ist.

Denn vor allem Waffen werdet ihr in Dying Light: The Beast ständig durchwechseln, upgraden und reparieren, bis wirklich nichts mehr mit der Waffe anzufangen ist. Dabei könnt ihr jederzeit vier verschieden Waffen in eurem aktiven Inventar ausgerüstet haben, die ihr im Kampf schnell durchwechseln könnt. Diese reichen von Schlagwaffen wie Hämmer, Eisenstangen oder Schaufeln, über Stichwaffen wie Macheten, Messern und Sicheln bis hin zu Schusswaffen wie Maschinengewehren und Pistolen. Diese könnt ihr an Werkbänken allesamt mit Verbesserungen ausstatten und an euer aktuelles Level anpassen und habt auch unterwegs immer die Möglichkeit sie zu reparieren. Bei Nutzung gehen eure Waffen nämlich langsam aber sicher kaputt und je nach Seltenheit der Waffe könnt ihr sie dann weniger oft oder öfter reparieren, bevor sie komplett den Geist aufgeben. Es macht hier auf jeden Fall Sinn euer Inventar einigermaßen auszubalancieren und nicht mit 4 Schusswaffen in eine Mission zu rennen und vor allem die Upgrades, wie Säure, Feuer oder mehr, solltet ihr vor allem im späteren Spielverlauf nicht unterschätzen. Die Kämpfe sind in The Beast teilweise auch wirklich fordernd, vor allem, wenn ihr es mit einer ganzen Horde an Gegnern zu tun habt. Manchmal bin ich da auch an meine Grenzen am Controller gestoßen, was die Button-Belegung angeht, insgesamt hat mich aber kein Kampf unnötig frustriert oder an meine Grenzen gebracht.

Was mich persönlich am positivsten überrascht hat, sind die Boss Encounter im Spiel. Kyle muss nämlich immer wieder gegen größere Zombies antreten bzw. diese erst einmal finden, um von ihnen eine Blutprobe zu entnehmen, die wichtig für die Story ist. Von diesen sogenannten Chimären findet ihr im Laufe des Spiels insgesamt 8 Stück, die alle richtig coole Designs, eigene Movesets und damit sehr unterhaltsame Kämpfe mit sich bringen. Hätte mir jemand vor Release des Spiels gesagt, dass die Bossfights eines meiner Highlights des Spiels sein werden, hätte ich vermutlich gedacht, die Person spinnt und hätte laut „Parcours!“ gerufen, nachdem ich die Kämpfe aber erlebt habe, muss ich sagen, diese fiktive Person hätte Recht gehabt. Jeder Bosskampf bringt Kyle außerdem mehr Power, vor allem für seine Beast-Fähigkeit. Durch die Experimente, die an ihm durchgeführt wurden, kann Kyle nämlich kurze Zeit in eine besonders starke Form wechseln, in der er Zombies einfach mit seinen bloßen Händen die Köpfe abreißt und sich durch die Gegnermassen prügelt, als wäre er der Hulk. Das passiert immer, wenn ihr genug Gegner gekillt und Energie angesammelt habt und kann bei manchen Kämpfen schon wirklich nützlich sein.

Nachdem Dying Light: The Beast kurz vor dem offiziellen Release im August für zusätzliches Polishing noch einmal verschoben wurde, worüber ich aufgrund der gamescom gar nicht so unglücklich war, hatte ich kurz etwas Sorge, dass das Spiel vielleicht noch etwas technische Probleme haben könnte. Schon meine Anspielsession in Köln haben mich aber eines Besseren belehrt und auch die Vollversion hatte auf der Series X nicht mit irgendwelchen Problemen zu kämpfen, alle Questziele und Dialoge wurden korrekt getriggert und die Framerate war immer im flüssigen Bereich. Das gleiche konnte ich dann von Kolleg*innen sogar über die Steamdeck-Version hören und anscheinend hat der Monat zusätzliches Polishing wirklich was gebracht. Ich zumindest war mit dem technischen Status des Spiels sehr happy, vor allem weil es auch wirklich grandios aussieht. Egal ob ihr tags- oder nachtsüber durch die Welt lauft, jede Ecke trieft vor Atmosphäre und die Welt zieht euch nicht nur durch die Wahl der Perspektive in ihren Bann. Dazu trägt auch der grandiose Soundtrack bei, der wieder einmal von Olivier Derivière stammt, der diesen gekonnt ins Gameplay integriert.

„Dying Light: The Beast liefert das altbekannte und serientypische Parcours-Gameplay, das immer noch großartig funktioniert, erweitert es um wahnsinnig unterhaltsame Boss-Encounter und Autos, mit denen ihr durch Castor Woods fahren könnt und macht wirklich fast alles richtig.“

Hätte mich nach Dying Light 2: Stay Human jemand gefragt, wo ich die Serie einige Jahre später sehen würde bzw. was ich mir vorstelle, wohin sie sich entwickeln würde, hätte ich niemals damit gerechnet, dass wir Kyle Crane wiedersehen. Umso mehr habe ich mich darüber gefreut und das Setting, das quasi vor meiner Haustüre mitten in den Alpen stattfindet, hat es mir noch mal leichter gemacht, das Spiel zu feiern. Wenn ich sage, dass die Serie hiermit „back to the Roots“ geht, dann meine ich damit nicht nur die Story, sondern alles im Spiel wirkt bodenständiger und glaubhafter, während gleichzeitig alle Aspekte im Gameplay ausgefeilt und weitergedacht wurden. Dying Light: The Beast liefert das altbekannte und serientypische Parcours-Gameplay, das immer noch großartig funktioniert, erweitert es um wahnsinnig unterhaltsame Boss-Encounter und Autos, mit denen ihr durch Castor Woods fahren könnt und macht wirklich fast alles richtig. Die Steuerung ist leider fast etwas überladen bzw. sperrig, hat man sich aber erst einmal an alle Button-Inputs gewöhnt und diese verinnerlicht, läuft man wie ein Weltmeister über Dächer und kann mit dem richtigen Timing sogar auf den Köpfen der Zombies rumspringen. Ich bin froh, dass Kyle Crane mit so einem Banger wieder zurückgekommen ist.

4,5 von 5 Wertung für Dying Light: The Best von Techland
4,5 von 5 Kyle Cranes.

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