Konami gehört zur Videospielwelt einfach dazu und die Zeit, in der sie nur noch Pachinko-Automaten gemacht haben, scheint zum Glück endlich vorbei zu sein. Nachdem mit dem Remake zu Silent Hill 2 von Bloober Team letztes Jahr schon ein starkes Lebeszeichen erschien, erwartet uns dieses Jahr noch Silent Hill f, das ich persönlich wesentlich interessanter und vielversprechender einschätze, als das Remake zum zweiten Teil. Ein Remake zu Teil 1 wurde vor kurzem ebenfalls angekündigt, mit Survival Kids erschien zum Launch der Nintendo Switch 2 ein vielversprechendes Reboot der Serie und neben Größen wie Suikoden, Metal Gear Solid Delta: Snake Eater und Yu-Gi-Oh! published Konami sogar wieder kleinere Titel, wie das im Press Start Stream angekündigte Darwin’s Paradox des französischen Studios ZeDrimeTim. Es wirkt wirklich als würde das Japanische Traditions-Unternehmen wieder All-in gehen und in dem Zuge erschien dieses Jahr auch das chaotische Deliver at all Costs des Schwedischen Studios Far Out Games, das ich bis zum Release nicht auf dem Schirm hatte, nach dem ersten Trailer aber direkt gehooked war und mich einfach selbst hinters Steuer schwingen musste.
Deliver at all Costs spielt sich im Jahr 1959 ab und ihr übernehmt die Kontrolle über Winston Green, ein ehemaliger Ingenieur, der seinen Job verloren hat und sich Monat für Monat über die Runden schlägt, um irgendwie seine Miete bezahlen zu können. Im Intro des Spiels hört er eine Werbung im Radio der Lieferfirma We Deliver und macht sich in seiner Verzweiflung direkt auf den Weg, um dort ein Vorstellungsgespräch zu führen. In der Firma angekommen stellt sich heraus, dass die Radio-Anzeige eigentlich längst nicht mehr laufen sollte, der gutherzige CEO Harald F. Gurther gibt Winston aber trotzdem eine Chance und stellt ihn nach ein wenig Probearbeit als neuen Fahrer ein, sehr zur Missgunst seines Sohnes Donovan. Die Story entwickelt sich dabei über den Spielverlauf sehr viel tiefer, als die Prämisse es im ersten Moment vermuten lässt, führt euch insgesamt durch drei fiktionale Städte an der Westküste der USA und kommt mit einigen Twists und Turns (und nein, das ist jetzt wirklich nicht auf die Kurven im Spiel bezogen). Am Ende war die Geschichte vielleicht sogar ein bisschen zu tief und hat sehr viel mehr Themen aufgemacht, als ich es zum einen erwartete und zum anderen hätte in dem Fall sogar ein bisschen weniger Story dem Spiel ganz gut getan. Mein Fokus lag nämlich eher auf dem Gameplay, die Story bietet aber eine gute Basis für alles, was sich im Spielverlauf so ereignet und hat immer wieder absurd-witzige Momente, die mich mehrmals laut lachen ließen.

Gespielt wird Deliver at all Costs aus einer isometrischen Perspektive, in der ihr entweder in eurem Auto sitzt oder als Winston Green zu Fuß in der Welt unterwegs seid. Der Chaos-Faktor ist dabei zu jedem Zeitpunkt extrem hoch und das merkt man relativ schnell, wenn man ins Spiel einsteigt: zum einen habt ihr als Winston selbst keine Angst vor Höhen und müsst diese auch nicht haben: Fallschaden ist hier nämlich ein Relikt alter Videospiel-Zeiten und egal von wie hoch ihr auf den Asphalt klatscht, verletzen könnt ihr euch dabei nicht. Ihr könnt daher nach Lust und Laune die Städte erkunden, Dächer, Gerüste, Fabriktürme und mehr nach oben klettern und wenn ihr es eilig habt nehmt ihr nicht die Leiter nach unten, sondern springt einfach und lasst die Schwerkraft den Rest erledigen. Winston fällt dann durch den Aufprall zwar kurz hin, richtet sich aber sofort wieder auf und ihr könnt direkt weiterspielen. Realismus ist hier nicht so wichtig und ganz ehrlich: das rechne ich dem Spiel sehr hoch an. Endlich steht mal wieder der Spaß im Vordergrund, das Videospiel darf Videospiel sein und ihr werdet ohne Zügel in die Spielwelt entlassen.
Und das spiegelt sich noch viel mehr im Umgang mit Autos wider, denn da dreht Deliver at all Costs komplett auf: euer Auto ist quasi auf Adamantium, bricht durch jede Wand, als wäre diese Styropor und auch menschliche „Hindernisse“ auf der Straße sind für euch nichts, was ihr unbedingt beachten müsst. Ihr müsst nur aufpassen: Fahrt ihr Passant*innen um, werden diese wütend, laufen euch hinterher und hängen sich im Worst Case an euer (fahrendes) Auto, was wiederum die Fahrphysik beeinträchtigt. Euer Auto ist aber auch nicht unzerstörbar und es kann immer wieder mal passieren, dass ihr einen Reifen wechseln oder eine Stoßstange reparieren müsst, bevor euer fahrbarer Untersatz nicht mehr weiterkommt. Dazu steigt ihr einfach aus und lasst Winston per Knopfdruck seine handwerklichen Fähigkeiten ausspielen. Das alles führt nicht nur zu wahnsinnig witzigen und chaotischen Situationen, sondern macht für mich auch den Charme des Spiels aus: wer früher wie ich Spiele wie Crazy Taxi oder The Simpsons: Road Rage gesuchtet hat, wird sich hier sofort wohl fühlen und mit diesem Level an Chaos und Absurdität mehr als happy sein.

Dieses Chaos zieht sich aber auch weiter in die Missionen, die ihr im Spiel erledigt. Deliver at all Costs bietet euch nämlich nicht nur eine herrliche Sandbox, in der ihr euer Unwesen treiben und auch einiges entdecken könnt, sondern dahinter steckt ja auch noch eine Story bzw. Hauptmission, die es zu erledigen gilt. Als Lieferant von We Deliver nehmt ihr nämlich immer wieder Aufträge an und auch diese strotzen nur so vor Ideenreichtum. Mal müsst ihr einen Schwertfisch aus einem Aquarium in euer Auto hieven, diesen am Weg zum Ziel noch kurz umfärben, ihm Essen organisieren und dann am Ende als seltene Spezies ausgeben, an anderer Stelle fahrt ihr Spielzeugautos durch kleine Parcours direkt in Häuser, damit die Kinder dort ein schönes Weihnachtsgeschenk erhalten und in einer anderen Mission fangt ihr abgeworfene Pakete aus der Luft in eurer Ladefläche auf und bringt diese an den Zielort. Die Missionen scheinen dabei nie an Witz und Absurdität zu verlieren und jede neue Aufgabe ist wieder ein Grund kopschüttelnd loszulachen, während ihr euch gleichzeitig noch darauf konzentieren müsst, eure Aufgabe zu erfüllen. Wer alles richtig abliefert und auch noch Bonus-Ziele einhält, wird dafür nämlich vom Spiel auch belohnt.
Das ganze Chaos, der Humor und die Zerstörung wären aber natürlich nur halb so gut, wenn sich das Spiel nicht gut steuert oder mit groben Fehlern daherkommt. Hier kann ich aber zum Glück Entwarnung geben: Deliver at all Costs spielt sich richtig gut, egal ob ihr zu Fuß oder mit dem Auto unterwegs seid. Vor allem die Steuerung der fahrbaren Unterstätze ist zwar sehr arcadeig und braucht vor allem am Anfang eine gewisse Eingewöhnungsphase, ist man aber erst mal drin und hat ein paar der ersten Lieferungen abgeschlossen, driftet man wie ein Profi um jede Kurve und liefert, als gäbe es kein Morgen. Eine Herausforderung war für mich da Anfangs vor allem in der isometrischen Perspektive in die richtige Richtung zu lenken, je nachdem wie mein Auto gerade ausgerichtet war, das habe ich aber zum Glück recht schnell verinnerlicht. Die Spielwelt ist dabei immer in mehrere, in sich geschlossene Gebiete unterteilt, die ihr durch einen kleinen Tunnel und damit verbundene Ladescreens erreicht und dort dann direkt weiterfahren könnt. Die Ladezeiten sind dabei kurz genug, um Spieler*inenn nicht aus dem Flow zu reißen, hätten aber auch etwas reduziert werden können bzw. die Gebiete ruhig auch mehr zusammenhängen sein können. Wegpunkte könnt ihr euch dabei leider keine setzen und auch die Markierungen wo ihr hinfahren müsst, sind teilweise etwas schwer zu sehen bzw. verstehen, vor allem, wenn ihr gerade schnell unterwegs seid.

Deliver at all Costs fühlt sich teilweise wie ein aus der Zeit gefallener Titel der siebten Konsolengeneration rund um Xbox 360 und PlayStation 3, was einerseits nicht zwingend eine Beleidigung sein muss, sich andererseits aber am eindeutigsten zeigt anhand der Visuals zeigt. Das Spiel sieht absolut nicht schlecht aus, aber so richtig ausgereizt wird die aktuelle Hardware hier nicht, zumindest was Assets, Charaktermodelle und Co. angeht und vor allem in Cutscenes fällt das definitiv mehr ins Gewicht, als im rasanten Gameplay, in dem der visuelle Stil komplett seinen Zweck erfüllt. Mein Spielerlebnis hat das auch nicht entscheidend negativ beeinflusst und vor allem durch die zerstörbare Umgebung, zeigt das Spiel dann wiederum wohin genau die Rechenleistung hier fließt. Während ihr durch Wände crashed und Passant*innen von der Straße fegt, dürft ihr euch außerdem an einem zum 50s/60s Thema passenden erfreuen, mit dem ich sehr viel Spaß hatte und der perfekt zum Spiel und seinem Setting passt.
„Deliver at all Costs liefert definitiv ab: das Fahrgefühl der Autos ist knackig, nach kurzer Eingewöhnungsphase hat man den Dreh aber gut raus, die Missionen stellen euch immer wieder vor neue absurde Aufgaben und es macht verdammt viel Spaß die Welt zu erkunden und dabei gleichzeitig zu zerstören.“
Ich bin nicht nur wirklich sehr froh, dass Konami endlich wieder zurück aus der Pachinko-Höhle ist, sondern neben den großen Franchises auch kleineren Studios die Möglichkeit bietet, ihr vielleicht verrückten Ideen einem großen Publikum zu präsentieren. Denn wer weiß, ob ich sonst von Deliver at all Costs vom schwedischen Studio Far Out Games gehört hätte, oder es in der Form so überhaupt existieren würde. Der Titel wirkt im Kern wie eine unbeschwerte Reise zurück in die siebte Konsolengeneration und stellt Gameplay und Spaß über Realismus, Ernsthaftigkeit und in diesem Fall auch über polierte Grafik. Deliver at all Costs liefert definitiv ab: das Fahrgefühl der Autos ist knackig, nach kurzer Eingewöhnungsphase hat man den Dreh aber gut raus, die Missionen stellen euch immer wieder vor neue absurde Aufgaben und es macht verdammt viel Spaß die Welt zu erkunden und dabei gleichzeitig zu zerstören. Es ist fast schon absurd, wie viel ihr im Spiel zerstören könnt, der einzige Wermutstropfen ist die Optik des Spiels bzw. der Charaktermodelle, die aber zum Glück nur so richtig auffällt, wenn das Spiel mal näher ranzoomt. Außerdem hätten dem Spiel ein bisschen größere bzw. zusammenhängendere Gebiete, Wegpunkte und bessere Markierungen für euren Weg gut getan, das schmälert aber alles nicht den Fakt, dass ich wahnsinnig viel Spaß mit dem Spiel hatte, es für meinen Geschmack gerne wieder mehr Spiele dieser Art geben darf und ich es allen nur empfehlen kann, für die Videospiele nicht immer ernst und realistisch sein müssen.


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