Ich habe es damals schon in meiner Review zum Death Stranding Director’s Cut geschrieben und kürzlich auch in der Podcast-Folge zum ersten Teil bei Ink Ribbon Radio erzählt: Death Stranding hatte mich von Beginn an fasziniert. Nachdem ich bei meinem ersten Anlauf des Spiels auf der PlayStation 4 zuerst nicht weit gekommen bin, hatte mich der Director’s Cut dann komplett gefesselt und mittlerweile habe ich den ersten Teil nicht nur selbst zwei Mal durchgespielt, sondern auch meiner Partnerin Leonie dabei zugesehen, wie sie die UCA wieder vereint hat. Dementsprechend hyped war ich seit der Ankündigung auf den zweiten Teil und habe ab einem gewissen Punkt auch keine Trailer oder Präsentationen mehr dazu geguckt, um mir selbst nicht zu viel vorweg zu nehmen. Im Vorfeld habe ich mir für den Titel sogar extra noch eine PlayStation 5 Pro gekauft, um die bestmögliche Version des Spiels erleben zu können und bin am Launchtag direkt losgezogen, um mit Sam endlich wieder Pakete auszuliefern.
Nachdem ich gar nicht wusste, was mich erwartet, hat mich der Anfang des Spiels direkt komplett von den Socken gehauen. Keine Sorge, ich bleibe hier so spoilerfrei, wie möglich, werde aber auf das Setting und die Welt des Spiels eingehen, da die Umgebung natürlich wieder grundlegend mit dem Gameplay verbunden ist. Die neue Reise von Sam startet am Rand der United Cities of America, die wir in Teil 1 noch verbunden haben, an der Grenze zu Mexiko und lässt euch mit Sam erst einmal über Stock und Stein, hauptsächlich Stein, laufen, um zurück zu seinem Unterschlupf zu kommen. Nach den Ereignissen des ersten Teils ist Sam mit Lou untergetaucht und versucht das auch beizubehalten. Wer Teil 1 nicht gespielt hat, kann sich übrigens aus dem Hauptmenü heraus eine Zusammenfassung der Story ansehen und theoretisch direkt mit Teil 2 starten, ich empfehle aber natürlich den ersten Teil selbst zu spielen. Nach der Tutorial-Passage, die euch nach Mexiko und wieder zurück zu eurer Basis führt, findet der Hauptteil von Death Stranding 2: On the Beach dann in Australien statt und bietet wieder alles an Emotionen, die ein Kojima-Spiel zu bieten hat: ich habe gelacht, geweint, mich über absurde Situationen amüsiert und noch vieles mehr.

Natürlich erwartet euch auch in Death Stranding 2: On the Beach auch wieder ein illustre Runde an NPCs mit gewohnt speziellen Namen, die aber natürlich auch im zweiten Teil wieder Sinn ergeben und mit jeweils ihrer ganz eigenen Background-Story daher kommen. Das besondere ist diesmal, dass euch eure (Haupt-)Truppe über das gesamte Spiel begleitet und zwar auf der DHV Magellan, einem Schiff, das durch den Teer reisen und so weite Strecken relativ schnell zurücklegen kann. Eine quasi-Schnellreise-Funktion für euch, die nur ab und zu von bestimmten Story-Ereignissen ausgebremst wird und euch nur an bestimmte Punkte bringen kann. Sam hat auf dem Schiff außerdem auch einen privaten Raum, den ihr wie schon im ersten Teil dazu nutzen könnt, euch auszuruhen, zu duschen oder eure Ausrüstung anzupassen. Neu dabei ist diesmal außerdem auch Dollman, mit dem ihr dort reden könnt und der euch auf eurer Reise begleitet – er ist nämlich eine kleine Puppe, die Sam um seine Hüfte geschnallt hat, basiert dabei auf Fatih Akin und bewegt sich in einer geringeren Framerate durch das ganze Spiel, was ihn noch einmal surrealer erscheinen lässt. Kojima Productions löst so auch ein wenig das Problem, dass Sam nicht immer seine innere Stimme nutzen muss, um euch als Spieler*in seine Gedanken mitzuteilen – er kann ja einfach mit Dollman reden.
Das grundlegende Gameplay hat sich in Death Stranding 2 im Vergleich zum Vorgänger und dessen Director’s Cut nicht wirklich viel verändert: ihr nehmt bei Preppern, die in der Spielwelt verteilt sind, Aufträge an und müsst dann entweder eine bestimmte Anzahl an Fracht von A nach B bringen, Gegenstände oder verlorenes Gepäck aus einem bestimmten Gebiet abholen und wieder zurückbringen oder auch mal Material zu einer Station bringen, damit diese wieder einsatzfähig wird. Das alles ist unterteilt in Hauptmissionen, Standard-Aufträgen, die ihr auch mehrmals abschließen könnt und optionale Aufträge, die ihr über euer Terminal bzw. in der offenen Spielwelt verteilt finden könnt. Bevor ihr aufbrecht habt ihr auch im zweiten Teil jeweils wieder die Möglichkeit euch mit Fahrzeugen und zusätzlichen Hilfsmitteln auszustatten und auf einer Karte eure Route zu planen. Auf euren „Ausflügen“ trefft ihr dabei immer wieder auf menschliche Gegner, die euch eure Pakete klauen wollen und auf die BTs (Beached Things), die Sam schon das Leben in den UCA schwer gemacht haben. Die BTs haben dabei auch neue Formen angenommen und werden auch hier immer vom Timefall begleitet, ein Regen der alles altern lässt, was er berührt, auch eure Fahrzeuge und Pakete.

Natürlich nutzt Kojima Productions aber auch die Power der PlayStation 5 aus und hat ein paar Neuerungen eingebaut, die das Gameplay noch weiter beeinflussen. Wo im letzten Teil neben MULEs und BTs auch das Terrain selbst und damit einhergehende Probleme wie Berge, Flüsse, Krater, Schnee und mehr eine Herausforderung an Sam darstellten, müsst ihr es diesmal außerdem noch mit spontanen Wetterumschwüngen und den Folgen davon aufnehmen. Direkt zu Spielbeginn bekommt ihr im Tutorial mit etwas Glück – oder Pech? Ich bin mir nicht ganz sicher – einen Erdrutsch mit und seht was plötzlicher Platzregen mit den Flüssen in der Welt anstellt und in Mexiko bläst euch nach ein paar Metern direkt ein Sandsturm ins Gesicht, der eure Sicht maßgeblich beeinträchtigt. Während eurer Aufträge solltet ihr also immer genug Werkzeuge mitnehmen bzw. auch darauf eingestellt sein, dass der Wasserspiegel der Flüsse jederzeit ansteigen kann oder ein Sand- bzw. Schneesturm dazu führt, dass ihr nicht mehr wirklich weit sehen könnt und euch nur noch mit dem Scan eures Odradek Meter für Meter voran tasten müsst.
Zum Glück bietet euch der zweite Teil aber direkt von Beginn an eine weitaus großzügigere Auswahl an Werkzeugen, fahrbaren Unterstätzen und auch die Strand Links bzw. Contracts aus dem ersten Teil sind wieder zurück, mit denen ihr die gebauten Gadgets anderer Spieler*innen in eurer Welt nutzen könnt. Ihr sammelt in Death Stranding 2: On the Beach außerdem wesentlich schneller ein breit gefächertes Arsenal an Waffen, mit denen ihr euch gegen BTs und eure Feinde verteidigen könnt. Das macht das Spiel – natürlich nur, wenn ihr es auch so spielt – wesentlich actionlastiger, als noch den ersten Teil und zu gewissen Teilen auch etwas einfacher. Auch wenn die BTs schon im ersten Teil ab einem gewissen Punkt gar nicht mehr so bedrohlich waren, werden sie dadurch im zweiten Teil noch etwas ungefährlicher und auch die menschlichen Gegner sollten mit den richtigen Waffen auf normalem Schwierigkeitsgrad keine große Herausforderung mehr für euch darstellen. Wesentlich besser als noch im ersten Teil fand ich dafür die Bossfights, die zwar immer noch nach altbekanntem Schema ablaufen und euch auf verletzbare Punkte der Monster schießen lassen, die Angriffsmuster und Varianz der Kämpfe ist aber wesentlich vielfältiger als im ersten Teil und vor allem gegen Ende sind sie nicht nur bombastisch inszeniert, sondern teilweise auch richtig schön knackig.

Während eurer Reise durch Australien findet ihr aber auch allerhand anderer Neuerungen, die Death Stranding 2 teilweise zugänglicher, teilweise abwechslungsreicher machen. In der ganzen Spielwelt verteilt findet ihr etwa wilde Tiere, die ihr einfangen und in eine Art Tierheim bringen könnt, da sie in der Welt selbst Gefahr laufen BTs oder anderen Gefahren zu begegnen. Nach einem kleinen Tutorial, in dem ihr einen Koala aus einem Waldbrand retten müsst, könnt ihr dann Kängurus, Wallabys, Emus und mehr in gepolsterte Boxen stecken und diese entweder zu Fuß oder mit dem Auto ins Tierheim bringen, wo ihr sie dann auch besuchen könnt. Wie schon im ersten Teil verbessern solche optionalen Aufgaben auch hier wieder die Beziehungen zu den jeweiligen Preppern, die euch mit neuen oder verbesserten Ausrüstungs-Gegenständen belohnen. Es lohnt sich also, nicht nur stur der Haupthandlung zu folgen, sondern auch mal abseits davon ein paar Aufträge zu erfüllen, da ihr euch das Leben so wesentlich leichter machen könnt.
So richtig schwer habt ihr es allerdings, gemäß dem Fall, dass ihr den Online-Modus nicht deaktiviert, aber eigentlich nie. Im ersten Teil ist mir z.B. noch wesentlich öfter ein Fahrzeug mit leerer Batterie liegen geblieben, während im zweiten Teil quasi an jeder Ecke ein Generator steht, der euer Fahrzeug auflädt. Zusätzlich zu Straßen könnt ihr diesmal außerdem auch noch Monorails bauen, die euch und eure Fracht in Containern ganz automatisiert von A nach B bringen. Durch die Strand Links werfen auch hier mehrere Spieler*innen Material in den Topf, bis die Straßen und Monorails fertig gebaut sind und ich hatte am Ende meiner Spielzeit fast ganz Australien per Highway verbunden. Zusätzlich dazu könnt ihr Sam in einer Art Skilltree mit neuen Fähigkeiten bzw. passiven Buffs ausstatten, wie etwa einer Notbatterie, mit der Sam etwas von seiner eigenen Energie ans Fahrzeug weiterleiten kann, um noch die letzten paar Meter zum nächsten Generator zu schaffen. Death Stranding 2: On the Beach hat so definitiv ein bisschen was von der experimentellen und unzugänglichen Art des ersten Teils verloren, ist dadurch aber wesentlich zugänglicher und spielt sich so auch angenehmer. Wer Herausforderungen sucht, wird diese aber vor allem in den optionalen Aufträgen auf jeden Fall immer noch finden, egal wie viel Straßen und Monorails ihr gebaut und wieviele Fähigkeiten ihr freigeschaltet habt.

Vermutlich muss man es gar nicht mehr dazu sagen, weil auch schon der erste Teil auf der PlayStation 4 wahnsinnig gut aussah, aber: holy Shit ist Death Stranding 2: On the Beach optisch beeindruckend. Wie schon kurz zu Beginn der Review erwähnt, habe ich mir extra für den Release eine PlayStation 5 Pro geholt, aber das war vermutlich gar nicht mal nötigt, denn auch auf der regulären PS5 sieht das Spiel wahnsinnig gut aus und spielt sich flüssig. Was Kojima Productions hier mit der Decima Engine von Guerrilla Games auf die Exoskelett-Beine gestellt hat ist wirklich beachtlich, vor allem wenn man sich die Größe der Welt vor Augen führt. Natürlich reden wir auch hier nicht von einer Maßstab 1:1-Umsetzung von Australien, aber ich glaube ich habe noch nie so gerne und lange Steine in einem Videospiel angesehen. Aber nicht nur die Spielwelt, auch die Charaktermodelle sind wieder unglaublich detailliert und statt der Band Low Roar, deren Sänger Ryan Karazija leider im Jahr 2022 verstorben ist, zeichnet sich diesmal der französische Musiker Woodkid für große Teile des Soundtracks verantwortlich. Ihr bekommt aber auch zwischendurch immer mal wieder Songs anderer Künstler*innen zu hören und Kojimas Playlist passt hier einfach perfekt zum Spiel.
„Death Stranding 2: On the Beach wirkt im Vergleich zum ersten Teil wie ein damals noch rauher Diamant, der erst noch geschliffen werden musste und jetzt in vollem Glanz erstrahlt, auch wenn ihm dabei ein paar Ecken und Kanten fehlen, die vorher noch da waren.“
Vermutlich wird weder das Spiel selbst noch diese Review, Menschen bekehren, die schon damals laut gerufen haben „DHL Simulator!“. Auch wenn ich persönlich finde, dass Death Stranding nicht weiter davon entfernt sein könnte, was Leute da draußen dem Spiel manchmal andichten wollen. Ich als Fan des ersten Teils wurde jedenfalls absolut nicht enttäuscht und habe in meinen ca. 50 Spielstunden eine wilde Reise durch Australien erlebt, die mich zum lachen, weinen und jubeln gebracht hat. Death Stranding 2: On the Beach wirkt im Vergleich zum ersten Teil wie ein damals noch rauher Diamant, der von Kojima Productions erst noch geschliffen werden musste und jetzt in vollem Glanz erstrahlt, auch wenn ihm dabei ein paar Ecken und Kanten fehlen, die vorher noch da waren. Das Spiel ist wesentlich zugänglicher als der Vorgänger, was absolut nichts Schlechtes ist und bietet auch Neueinsteiger*innen eine Möglichkeit direkt ins Spiel zu starten. Wer eine PlayStation 5 zuhause stehen hat und auf der Suche nach eindrucksvollen Exclusives ist, sollte sich den zweiten Teil von Death Stranding absolut nicht entgehen lassen. Seid euch aber auf jeden Fall dessen bewusst, dass euch hier ein typisches Kojima-Spiel erwartet und zwar in wirklich allen Aspekten. Wer versteht, versteht. Und wenn ihr noch mehr zum Spiel hören wollt, hört am besten in die Podcast-Folge zum zweiten Teil, bei Ink Ribbon Radio.


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