Die ersten gamescom-Termine der Woche sind immer etwas ganz besonderes und obwohl ich dieses Jahr eigentlich so geplant hatte, dass wir vor 10:00 Uhr keinen festen Termin haben, um ein bisschen durch die Consumer Area laufen zu können, musste ich diese Regel direkt an Tag 1 für einen Titel ignorieren. Auf Cronos: The New Dawn von Bloober Team habe ich mich nämlich schon eine ganze Weile sehr gefreut. Nach dem Remake zu Silent Hill 2 tritt Cronos in große Fußstapfen, konnte mich in den bisher veröffentlichten Trailern und allem, was sonst gezeigt wurde, aber schon vorab sehr begeistern. Vor allem weil ich mich sehr darauf gefreut habe zu sehen, wie Bloober Team nun mit einer ganz eigenen IP auf die Bühne des Survival Horror-Genres treten würde, nachdem sie intern sicher einiges durch die Zusammenarbeit mit Konami lernen konnten. Nach einer kurzen Anspiel-Session in Köln und einem sehr netten Gespräch mit Lead Writer Grzegorz Like durfte ich dann quasi direkt von Köln nach Polen reisen und mir das Spiel in vollem Glanz selbst ansehen.
Cronos: The New Dawn wirft euch als Reisende im Auftrag des rätselhaften Kollektivs in eine düstere Zukunft, die auf Schauplätzen in der echten Welt, genauer gesagt in Polen, basiert. Nachdem ihr euren Vorgänger gefunden habt, der auf seiner Mission gescheitert ist, erhaltet ihr euren ersten Anhaltspunkt: ihr sollt eine der wichtigen Schlüsselpersonen finden, die in der Vergangenheit umgekommen sind und, die das Wissen besitzen, wie sich die drohende Apokalypse doch noch abwenden lässt. Um das zu schaffen, muss die Reisende einen Riss in der Zeit finden, ins Polen der 1980er zurück springen und dort die Essenz dieser Person extrahieren. Weil diese Aufgabe noch nicht schwer genug klingt, müsst ihr euch auf dem Weg dorthin natürlich aber auch noch mit allerhand Monstern und Hindernissen in der Umwelt rumschlagen, bevor ihr überhaupt erst einmal zu dem Riss kommt. Wie so oft im Horror-Genre erwarten euch aber auch hier noch einige Details und Twists, die ich euch nicht vorweg nehmen möchte. Es sei nur so viel gesagt: die Story von Cronos hat mich richtig gut unterhalten und ich war bis zum Ende am narrativen Haken gefesselt. Der erste Playthrough des Spiels wird euch im Durchschnitt etwa 15 Stunden beschäftigen, ich habe knapp unter 12 Stunden gebraucht und fand das Pacing im Spiel perfekt gelöst.

Nachdem ich vor meiner ersten Demo-Session noch mehr im Glauben war, dass Cronos: The New Dawn sich eher von Mechaniken und Ideen von Spielen wie Dead Space inspirieren lassen würde, musste ich den Gedanken schon während des gamescom-Termins direkt wieder verwerfen. Cronos punktet nicht nur visuell mit seiner ganz eigenen Identität, auf die wir später noch zu sprechen kommen müssen – bis auf den Stampf-Move, der zugegebenermaßen natürlich sehr ikonisch ist, war Cronos am Ende aber sehr viel weiter von Dead Space oder The Callisto Protocol entfernt, als ich dachte. Was durchscheint sind dann doch eher Genre-Größen wie Resident Evil: ihr bewegt euch in einer 3rd Person-Ansicht und einer frei bewegbaren Kamera durch eine düstere Welt, zielt eure Schusswaffen mit einem Blick über die Schulter und müsst euch auch mit Inventar-und Ressourcen-Management herumschlagen. Die Entwickler*innen von Bloober Team haben es aber trotzdem geschafft ihren ganz eigenen Twist im Genre zu finden und durch verschiedene Mechaniken etwas geschaffen, das ganz für sich steht.
In den Kämpfen sind das zum einen vor allem die Waffen: ihr beginnt das Spiel mit einer Pistole, der Sword MK-1615, die entweder regulär abgefeuert werden kann, aber auch einen stärkeren Schuss hat. Dieser nimmt, weil er sich erst Aufladen muss, mehr Zeit in Anspruch, in der euch theoretisch Gegner angreifen können, hat dafür aber auch sehr viel mehr Wumms. Außerdem kann er die Monster kurz aus dem Gleichgewicht bringen und euch dafür wieder wertvolle Sekunden schenken. Im weiteren Spielverlauf findet ihr noch einige andere Waffen, die auch jeweils mit Vor- und Nachteilen punkten können. So gibt es etwa zwei Schrotflinten, Variante A mit Charge Shot und mehr Streuung und Variante B, die direkt zwei Salven nacheinander abgeben kann, dafür aber auf die Entfernung nicht so stark ist. Das Zielen und Handling der Waffen hat mir dabei richtig gut gefallen und am Ende war ich mit der voll aufgewerteten Standard-Pistole sogar am glücklichsten. Die Waffen und auch deren Munition sind dabei Teil eures regulären Inventars, das platzmäßig begrenzt ist, ihr müsst also auch hier immer bedenken, was ihr wirklich mitnehmen wollt und, was ihr lieber in eurer Lagerkiste lasst. Die ist aber zum Glück wie ein schwarzes Loch und kann in jedem Saveroom neu sortiert werden.

Zusätzlich zu den Schusswaffen streut Cronos: The New Dawn aber auch praktische Gadgets mit ins Kampfgeschehen: ein Tool, mit dem ihr Zeitströme manipulieren und so bestimmte explosive Fässer wieder ganz machen könnt und eine Brandgranate, die an Oberflächen haftet und explodiert, sobald ihr ein Gegner zu nahe kommt. Im quasi-Tutorial des Spiels findet ihr außerdem einen Flammenwerfer, den ihr per Knopfdruck aktivieren und die Flammen vor euch auf den Boden schießen könnt, damit diese sich in einem kleinen Radius ausbreiten. Das nutzt ihr entweder um eure Gegner anzugreifen und für kurze Zeit bewegungsunfähig zu machen oder auch, um verschlossene Gewebe-Wege zu öffnen. Die Reisende selbst ist durch ihren Anzug immun gegen Feuer und hat zum Glück selbst keine Probleme damit. Der Flammenwerfer wird dabei durch Gas-Kartuschen betrieben, die ihr an speziellen Stationen finden oder selbst herstellen könnt. Bevor ihr euch jetzt Sorgen macht: ja, Cronos hat ein Crafting-System, aber nein, das besteht nur aus zwei Ressourcen, ist super niederschwellig und reißt euch nicht aus der immersiven Horror-Erfahrung raus. Vor allem der Flammenwerfer bringt noch eine weitere Ebene in die Kämpfe, da ihr immer bedenken müsst, dass er als Ressource nicht unendlich oft genutzt werden kann, er euch in Notsituationen aber schnell retten bzw. verschlossene Wege mit mehr Ressourcen öffnen kann.
Der zweite Aspekt, der die Kämpfe in Cronos: The New Dawn besonders spannend macht, sind die Gegner selbst. Diese bestehen aus Biomasse bzw. Leichenteilen und sind für sich erst mal meistens nicht ganz so gefährlich, können aber auch in ihrer schwächsten Form sehr viel schneller zu harten Gegnern werden, als in anderen Horror-Spielen. Das Mantra in Cronos ist nämlich „Don’t let them merge!“, da die Monster in der Spielwelt die Fähigkeit haben, mit den Leichen ihrer mit-Monster zu verschmelzen und so neue Kräfte zu entwickeln. Schon zu Beginn des Spiels stellt ihr hier schnell fest, dass aus einem Standard-Gegner direkt ein gepanzertes Ungetüm werden kann, das nicht nur mehr Munition frisst, sondern auch nicht an allen Stellen am Körper, oder was davon noch übrig ist, verletzt werden kann. Entweder müsst ihr also sehr schnell am Abzug sein und Gegner töten, bevor sie miteinander verschmelzen können, oder ihr nutzt auch hier euren Flammenwerfer und verbrennt die Überreste der gefallenen Monster einfach, damit nichts mehr davon übrig ist. Ich bin während meines Playthroughs auf dem normalen Schwierigkeitsgrad so nicht nur öfter als mir lieb ist in brenzlige Situationen geraten, sondern teilweise durch Ressourcen-Knappheit, den Überraschungsmoment oder einfach Übermut auch einige Male gestorben und fand die Herausforderung schon in diesem Modus nicht ohne. Vor allem auch, weil die Atosaves des Spiels relativ selten sind und von euch als Spieler*in erwartet wird, dass ihr regelmäßig manuell speichert.

Der Schwierigkeitsgrad zieht sich hierbei durch bis zu den Boss-Fights, die Cronos: The New Dawn immer wieder ins Spielgeschehen streut. Die ersten paar sind dabei noch relativ simpel und lassen euch auf glühende, offensichtliche Schwachstellen eines sehr großen Monsters schießen. Das ist zwar teilweise auch gar nicht so leicht, besonders, wenn euer Arsenal noch eher klein ist und ihr auch euch selbst noch nicht großartig aufgelevelt habt, gegen Ende war ich aber richtig begeistert, wie gut die Kämpfe inszeniert sind und wie sich die Gegner verhalten. Das gilt sowohl für die Encounter mit mehreren Standard-Gegnern, als auch für die größeren Kämpfe. Vor allem bei den letzten beiden Bossen ging mein Puls dabei ordentlich hoch und ich hatte richtig viel Spaß dabei, die Moves zu lernen, die Schwachstellen zu finden und am Ende als Sieger hervozugehen. Um euch das Leben zumindest etwas leichter zu machen, findet ihr immer wieder Kerne in der Spielwelt, mit denen ihr euch mehr HP, mehr Inventar-Plätze oder auch mehr Platz für Ressourcen geben könnt. Lasst mich euch sagen, dass ihr das aber auch wirklich dringend brauchen werdet. Aber nicht nur die Kämpfe konnten mich begeistern: auch die verschiedenen Abschnitte des Spiels bieten viel zu entdecken.
Nachdem ihr die Essenz eures Vorgängers an den dafür vorgesehenen Ort gebracht habt – und keine Sorge, ich spoilere euch hier nicht die Handlung selbst – landet ihr in einem Art Hub-Raum, von dem aus ihr jeweils in die neuen Gebiete startet, um die nächsten Aufgaben anzugehen. Die Spielwelt ist dabei komplett nahtlos miteinander verknüpft und nervt euch nicht mit Ladescreens, während ihr von einer Map auf die nächste lauft. Jedes Gebiet lässt euch dabei komplett frei in eurer Erkundung und bietet eine Menge alternative Wege bzw. Verstecke, in denen ihr entweder Munition, andere Ressourcen oder das beste Collectible aller Zeiten finden könnt: Katzen! Seht ihr irgendwo eine Katze herumlaufen oder hört ein Miauen, solltet ihr euch auf jeden Fall genau umsehen, da sich dort immer entweder ein wichtiges Item oder ein Raum mit einer sehr guten Belohnung befindet. Habt ihr eine der Katzen gestreichelt, lässt diese ein Item fallen und das beste daran ist – ihr könnt alle gefundenen Katzen in einem speziellen Raum in eurem Hub später besuchen. Aber zurück zum Leveldesign: eine Karte habt ihr, während ihr durch die Welt lauft, nicht zur Verfügung, solltet ihr aber einmal nicht weiterwissen, könnt ihr per Knopfdruck euren Kompass aktivieren, der euch zeigt, wo ihr hinmüsst.

Die einzelnen Gebiete sind zum Glück aber auch alle so gestaltet, dass es nicht zu viele Wege gibt, auf denen ihr euch verlaufen könnt, ganz im Gegenteil. Jeder optionale Abschnitt, der euch mit Items oder Infos belohnt, führt euch wieder geschickt auf den richtigen Weg zurück, den ihr für die Haupthandlung benötigt und das Spiel leitet euch auch immer wieder mit Lichtern oder anderen Indikatoren so, dass man eigentlich immer ohne größere Probleme oder Unklarheiten ans Ziel kommt. Cronos: The New Dawn ist dabei auch nicht unbedingt rätsellastig und lässt euch bis auf ein paar kleine Einlagen lieber die bedrohliche Atmosphäre aufnehmen, anstatt euch mit Schaltern, Item-Anordnung oder anderem zu belästigen. Insgesamt muss man nur ein Mal im ganzen Spiel drei Gegenstände an einen Ort bringen und das Silent Hill 2-Trauma in mir hat erleichtert aufgeatmet. Hin und wieder gibt es Türcodes bzw. Schlüssel oder Sicherungen, die ihr finden müsst, um weiter zu kommen, insgesamt hält sich das aber in Grenzen und trägt so nur noch mehr zum gut balancierten Pacing des Spiels bei.
Wie schon erwähnt, muss ich aber auch unbedingt die visuelle Gestaltung des Spiels erwähnen: der Mix aus retro-futuristischer Technik, osteuropäischem Brutalismus und dann zusätzlich noch den Sequenzen in der Vergangenheit haben bei mir einen richtigen Sweet Spot erwischt. Zum einen weil diese Kombination so noch komplett frisch ist und kein Spiel so aussieht und zum anderen, weil man merkt, dass das polnische Studio hier genau weiß, was sie tun. Bloober lehnt sich hier vollends in die Ästhetik beider Themen, kombiniert diese perfekt und auch die einzelnen Abschnitte sind zwar für sich gesehen im ersten Moment Parade Survival Horror-Schauplätze, wie etwa ein Krankenhaus oder ein Friedhof, durch die Lore der Welt und den Aufbau dieser fusionieren sie aber perfekt zu einer zusammenhängenden Spielwelt, der man glaubt, dass sie in der Form existiert. Also wenn wirklich irgendwann alles von Monstern überrannt wird und wir uns von Reisenden aus der Vergangenheit extrahieren lassen müssen. Ihr wisst, was ich meine. Die Abschnitte bieten durch verschiedene Mechaniken und Themen genau die richtige Form von Abwechslung und mir wurde nie langweilig, weil ich dachte „Ah, schon wieder ein Gang mit Monstern, cool.“. Hier hat Bloober Team wirklich alles richtig gemacht.

Hätte ich Cronos: The New Dawn ca. 45 Minuten vor Spiel-Ende zur Seite gelegt, könnt ich hier jetzt schreiben, dass ich komplett ohne technische Probleme durchgekommen bin und alles super lief. Leider hatte ich am Ende einen seltsamen Bug, in dem ich in einer Sequenz plötzlich nicht mehr angreifen konnte, aber auch nicht von Gegner angegriffen wurde, ein Reload meines Auto-Saves hat das dann aber zum Glück gelöst. Kurz darauf wollte ich einen Schrank im Spiel verschieben, der mich am Weiterkommen hinderte, konnte die Aktion aber nicht ausführen, auch hier hat der Reload Abhilfe geschafft. Ansonsten hatte ich aber zum Glück keine groben Probleme, der Performance-Modus auf der PlayStation 5, in dem ich gespielt habe, lief komplett flüssig, egal wie viele Gegner gerade auf mich zugelaufen kamen und auch optisch sah das Spiel fantastisch aus. Vor allem die Taschenlampe, deren Lichtkegel ihr selbst steuern könnt und der Rest der Beleuchtung bzw. das Fehlen dieser, hat das Spiel wahnsinnig aufgewertet und vor allem den Horror-Regler noch mal ordentlich nach oben geschraubt. Auch das Sounddesign ist fantastisch und lässt die Welt noch glaubhafter wirken, wenn ihr schon durch Wände die Monster hört. Zusätzlich wird das Spiel immer wieder von atmosphärischen Synthwave-Tracks begleitet, die perfekt zum Setting passen.
„Cronos: The New Dawn ist für mich mit Abstand das beste Bloober Team-Spiel. Es ist aber auch im Vergleich mit anderen Titeln eine wahnsinnig gelungene Survival Horror-Erfahrung, die mit cleveren Ideen, frischem Setting und gelungenem Gameplay punkten kann.“
Mir war während meiner ersten Stunden im Spiel recht schnell klar, dass Cronos: The New Dawn ein richtig gutes Spiel von einem sehr kompetenten Team ist. Je mehr Zeit ich damit verbracht habe und je mehr sich das Spiel mit seinen Mechaniken, Ideen und verschiedenen Gebieten geöffnet und auch Mysterien aufgemacht hat, desto mehr hat mich der Titel begeistert. Während die Credits liefen plante ich dann schon direkt, wann ich meinen zweiten Playthrough starten kann, nachdem der Silksong-Hypetrain vorbei gezogen ist. Cronos: The New Dawn ist für mich mit Abstand das beste Bloober Team-Spiel. Es ist aber auch im Vergleich mit anderen Titeln eine wahnsinnig gelungene Survival Horror-Erfahrung, die mit cleveren Ideen, frischem Setting und gelungenem Gameplay punkten kann. Nachdem ich nicht der allergrößte Fan des Silent Hill 2 Remakes war, muss ich hier komplett ohne großes „Aber“ meinen Hut ziehen und kann Horror-Fans meine vollste Empfehlung aussprechen. Jetzt wo der Sommer vorbei ist und wir uns langsam alle mit Lebkuchen und Kürbissuppe auf Halloween vorbereiten, ist Cronos dieses Jahr auf jeden Fall der perfekte Titel.


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