Die beiden Australier*innen Samantha Cable und Kostia Liakhov haben es sich mit ihrem Indie-Kollektiv Spoonful of Wonder zur Aufgabe gesetzt aus Sydney heraus emotionale Geschichten zu erzählen, nostalgische Gefühle zu wecken und besondere Erfahrungen zu schaffen. Nachdem die beiden gemeinsam schon an einem Animations-Short, mehreren Kurzfilmen und einem Kinderbuch gearbeitet haben, war es für sie jetzt an der Zeit der Gaming-Branche einen Besuch abzustatten. Das dabei entstandene Indie-Game Debüt Copycat ist für den PC bereits im September letzten Jahres erschienen und konnte dort bereits allerhand positives Feedback einsammeln. Irgendwie hatte mir bisher die Zeit gefehlt, aber im Zuge des Konsolen-Releases habe ich mir die jetzt einfach genommen und mir das narrativ-fokussierte Spiel einmal näher angesehen.
Copycat beginnt damit, dass ihr in der Egoperspektive einer älteren Dame in ein Tierheim fahrt, um dort eine Katze zu adoptieren. Schon hier fällt auf, dass die Frau, aus deren Augen wir die Geschichte anfangs erleben, gesundheitlich nicht mehr ganz fit zu sein scheint und es wird auch angedeutet, dass sie den Tag zuvor beim Tierheim schon nach ihrer verlorenen Katze gesucht hatte. Wir landen dann auf jeden Fall vor den Käfigen und ihr könnt euch hier für eine der Katzen entscheiden. Das restliche Spiel werdet ihr dann als diese Katze verbringen, also wählt weise. Aber eigentlich sind alle Katzen süß, also könnt ihr auch nichts falsch machen. Die alte Dame, Olive, fährt dann mit euch am Rücksitz des Autos nach Hause und dort angekommen zeigt sich recht schnell, dass die Katze, die ihr nun steuert, eigentlich gar keinen Bock hat bei Olive zu leben und scheinbar in ihrer Vergangenheit nicht die besten Besitzer*innen hatte. Und mit all ihren eigenen Problemen und emotionalen Narben müssen die beiden jetzt unter einem Dach leben. Copycat macht über die Spielzeit von etwa 3 bis 4 Stunden immer wieder sehr schwere emotionale Themen auf und erzählt eine teilweise sehr düstere Geschichte rund um Verlust, Familienprobleme und vielem mehr, die mich doch mehr gefesselt hat, als ich anfangs gedacht hätte.

Als Dawn, so nennt euch eure neue Besitzerin, lebt ihr also nun in einem großen Haus und könnt euch dort relativ frei bewegen und allerhand Unfug machen. Eure innere Stimme wird dabei immer mit Text am Bildschirm dargestellt und sagen wir mal so – die ist etwas rebellisch. Ihr werdet also zu Beginn eurer neuen Haustier-Besitzerin-Beziehung einiges Chaos anrichten und das Hauptziel eurer Katze ist auch eigentlich aus dem Haus zu entkommen, da sie nicht darauf aus ist, es sich bei Olive zu lange gemütlich zu machen. Bei eurer ersten Tour durchs Haus klaut ihr erst einmal allerhand essbares und in dem Moment als die alte Dame euch dann das erste Mal in den Garten lässt und ihr euch ein eigenes Halsband aussuchen dürft, will euch eure innere Stimme direkt dazu bringen durch die Hecke abzuhauen. Wäre da nicht ein Schmetterling, der eure Jagdinstinkte weckt und euch davon abhält den Garten zu verlassen. Die Story ist dabei unterteilt in mehrere Kapitel, die ihr auch jederzeit separat spielen könnt.
Eine Katze tut, was eine Katze tun muss und so habt ihr als Dawn gar nicht so viele krasse Fähigkeiten oder Moves. Ihr könnt durch die jeweiligen Abschnitte entweder langsam gehen oder laufen, habt einen Sprungknopf, könnt mit diversen Gegenständen, wie Tassen, die ihr von der Tischkante stößt, kontextsensitiv interagieren und das wichtigste – ihr habt einen dedizierten Miau-Button. Außerdem gibt es immer wieder kleine Minispiel-artige Passagen, in denen ihr bestimmte Aktionen durchführen müsst: ihr versucht etwa ein Katzenspielzeug mit der richtigen Richtungs-Taste und besonders schneller Reaktion mit eurer Pfote zu erwischen, lauft Subway Surfer-ähnlich einen Korridor entlang und müsst nach links und rechts ausweichen oder euch sneaky durch kleine Schleich-Passagen bewegen. Obwohl das Gameplay relativ minimal ist und der Fokus in Copycat ganz klar auf der Story liegt, hat das Spiel seine Möglichkeiten gut genutzt und hält einen als Spieler*in einigermaßen gut bei Laune. Erwartet einfach das krass skillfordernde Gameplay und ihr solltet relativ fein sein damit, was das Spiel zu bieten hat.

Die Charaktermodelle der Menschen in Copycat sind zwar teilweise ein bisschen rough und der Look der Umgebung nicht ganz das, was ich 2025 erwarte, dafür ist das Modell der Katze und vor allem ihr Bewegungsablauf erstaunlich realistisch. Außerdem zieht das Spiel immer wieder Tricks aus der Kiste, um euch auch optisch zu unterhalten und schafft es mit smart gewählten Perspektiv-Wechseln und Traumpassagen, die optisch noch einmal ein bisschen surrealer gestaltet sind, den etwas kargen Look aufzufrischen. So wie Stray mir damals das Gefühl verkauft hat, wie sich eine Katze in einer Welt bewegen und fühlen muss, schafft das auch Copycat, nur eben mit ein bisschen weniger Cyberpunk und dafür mehr Realismus und greifbaren Themen. Die Welt rund um die eigenen 4 Pfoten wird hier teilweise durch kurze Dialog-Sequenzen, die teilweise wirklich nur 1-2 Sätze dauern, greifbar gemacht und dadurch die Geschichte einer ganzen Nachbarschaft erzählt und einem als Spieler*in glaubhaft näher gebracht. Einen großen Beitrag leistet da auch die Synchro, die für ein so kleines Indie-Spiel beachtlich gut ausgefallen ist.
„Während der drei- bis vierstündigen Spielzeit behandelt das Spiel unter anderem Themen wie Verlust, Altern, Familienkonflikte und natürlich auch die gegenseite Beziehung zwischen Tier und Tierhalter*in.“
Wenn ihr auf der Suche nach dem nächsten cozy-feelgood-Spiel mit Katzen seid, dann ist Copycat ziemlich sicher eher die falsche Wahl für euch. Richtig seid ihr hier schon eher, wenn ihr Bock habt, auf eine emotionale Story, die euch aktiv am Geschehen teilhaben lässt. Während der drei- bis vierstündigen Spielzeit behandelt das Spiel unter anderem Themen wie Verlust, Altern, Familienkonflikte und natürlich auch die gegenseite Beziehung zwischen Tier und Tierhalter*in und tut das gleichzeitig mit einer Sensibilität, aber auch harten Ehrlichkeit, die vermutlich niemanden kalt lassen wird. Vor allem das Gameplay-Gefühl eine Katze zu sein, wird glaubhaft transportiert und man bewegt sich gerne als flauschiger Vierbeiner durch die Spielwelt und erkundet sie so gut es geht. So richtig innovative oder neue Ideen sucht man im Gameplay zwar sonst vergebens, durch die kompakte Spieldauer und die mitreißende Geschichte, kann man dem Spiel das aber auch verzeihen und das, was einem geboten wird, ist dafür unterhaltsam genug, um die Story zu tragen. Ich freue mich, dass Copycat nun auch auf den Konsolen verfügbar ist und wenn ihr über die etwas altbackenere Grafik hinwegsehen und euer Augenmerk eher auf die Story lenken könnt, dann habt ihr bestimmt eine gute Zeit mit Copycat.


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