Titelbild zu Coffee Talk Tokyo von Chorus Worldwide und Toge Productions

Coffee Talk Tokyo

Schon mit den ersten beiden Teilen von Coffee Talk hatte ich eine verdammt gute Zeit. Beide Spiele waren eine mehr als willkommene Abwechslung zur schnellebigen Welt, sei es nun Social Media Doomscrolling am Handy oder auch immer größer und bombastische werdende Videospiele. Coffee Talk bietet da genau das, was auch das namensgebende Café im Spiel den Besucher*innen bietet: einen ruhigen Safe Haven, in dem man sich kurz ausruhen kann. Hier kann man die rasante Außenwelt zumindest für kurze Zeit ausblenden und sich zum Klang von entspannenden Lo-fi-Beats bei einer Tasse Heißgetränk mal etwas zurücklehnen und abschalten. Dementsprechend habe ich mich nach fast drei Jahren seit Coffee Talk Episode 2: Hibiscus & Butterfly sehr auf den neuesten Ableger gefreut,

Anders als in den ersten beiden Teilen seid ihr diesmal aber nicht Barista im Coffee Talk in Seattle, sondern in einem gleichnamigen Café in Tokyo. Dadurch trefft ihr im Verlauf der Story, die aufgeteilt auf 15 Tage stattfindet, auf weitaus weniger bekannte Gesichter, als noch im zweiten Teil, der Cast ist aber nicht minder liebenswert. Wer die Augen offen hält, kann über die App Tomodachill via Handy aber zumindest den ein oder anderen Cameo-Post entdecken und auch im Café selbst trefft ihr zumindest auf Hendry, den man schon aus den vorigen Teilen kennt. Wie auch schon in beiden Vorgänger-Titeln verfolgt ihr in eurem Café die Geschichten diverser Besucher*innen und freundet euch nach und nach mit diesn an. Als Gesprächseinstieg dient dazu so gut wie immer eine Tasse Kaffee, Tee oder andere Getränke, die ihr hinter dem Tresen zubereiten dürft.

Der Cast besteht auch diesmal wieder aus unterschiedlichen Fabelwesen, die gemeinsam mit Menschen in der Stadt leben und euer Café besuchen. Durch den Location-Switch sind diese aber in Coffee Talk Tokyo angelehnt an diverse Yōkai, mystische Wesen aus der japanischen Folklore wie Kappas, Kitsune oder auch mächtige Drachen. An der Theke sind aber alle gleich und auch die Yōkai führen ganz normale Leben und wollen am Ende einfach gemütlich ihr Getränk schlürfen und sich zu entspannender Musik in Gesprächen verlieren. Der Location-Switch hat für mich dabei definitiv nicht nur durch meine Japan-Affinität gut funktioniert, sondern vor allem wieder durch die glaubhaft geschriebenen Charaktere, die mit ihren jeweiligen Backgrounds und Dialogen sowohl witzige, als auch emotionale sowie sozial- und gesellschaftskritische Themen behandeln.

Im Vergleich zu Coffee Talk Episode 2: Hibiscus & Butterfly wurden eure Getränke-Rezepte und -Zutaten maßgeblich ausgebaut und damit sind auch die Bestellungen der Besucher*innen des Cafés ausgefallener. Insgesamt gibt es im Spiel über 50 verschiedene Drinks zu mixen und neben Kaffee, Tee, Schokolade und (Soya) Milch dürft ihr in Coffee Talk Tokyo auch Matcha und Hochija zubereiten. Neu im Spiel ist dabei, dass ihr die Drinks entweder in einer kalten oder heißen Variante zubereiten dürft und sich dadurch auch neue Rezepte ergeben. Mischt ihr etwa drei Mal Kaffee als Heißgetränk erhaltet ihr Espresso, während ihr gekühlt Eiskaffee macht. Neben euren Hauptzutaten warten ebenfalls wieder Nebenzutaten wie Honig, Ingwer, Minze oder auch Mango, Yuzu und Lychee und sogar Sprühsahne und Eiscreme, die ihr in euren Kreationen nutzen könnt.

Pro Tag kommen in Coffee Talk Tokyo jeweils mehrere Gäste in euer Café, die ihre ganz eigenen Wünsche an Zutaten mitbringen und eure Aufgabe ist es diese Wünsche in leckere Getränke umzuwandeln. Manchmal bekommt ihr dabei ganz spezifische Anforderungen an Zutaten, manchmal aber auch nur ungefähre Richtlinien, die euch die Basis vorgeben und vielleicht, dass es fruchtig werden soll, aber nicht mehr. Schafft ihr es den passenden einzigartigen Drink zu mixen, wird dieser nicht nur in eurem Brewpad-Lexikon registriert, sondern ihr erhöht gleichzeitig auch den Tomodachill-Freundschaftswert mit der jeweiligen Person. Im Idealfall seid ihr am Ende mit allen Figuren maximal befreundet und habt alle Bestellungen richtig abgeliefert. Aber keine Sorge: seid ihr mit einem Drink mal nicht zufrieden, habt ihr pro Tag 5 Neu-Versuche und könnt noch mal von vorne starten.

Teilweise ist das auch wirklich nötig, vor allem gegen Ende werden die Wünsche der Gäste nämlich immer ausgefallener und ihr müsst euch auch in der Reihenfolge der Zutaten an bestimmte Abfolgen halten. Pro Drink wählt ihr nämlich nach der Grundzutat – Kaffee, Tee, Matcha, Hochija, etc. – eine Primär- und eine Sekundär-Zutat. Das kann jeweils die gleiche Primär-Zutat noch mal sein, ihr könnt Milch in eure Getränke mischen oder eben auch Mango, Minze und Co. und Sahne und Eis als abschließende Zutat. Während etwa die Kombination Milch, Milch und Mango ein generischer Milch-Mango-Drink wird, bekommt ihr bei der Kombination Milch, Mango, Milch den einzigartigen Drink Mango au Lait, der dann auch in eurem Brewpad registriert wird. Gemeinsam mit der Entscheidung zwischen warm oder kalt ergeben sich so wirklich viele mögliche Kombinationen, die nicht alle besondere Drinks produzieren.

Bestraft werdet ihr im Spiel zum Glück aber nie wirklich: neben den 5 Retries pro Tag, könnt ihr auch jeden der 15 Tage im Kalender einfach neu starten oder zu jedem Zeitpunkt im Spiel speichern und neu laden. Das führt übrigens auch wieder dazu, dass es an bestimmten Punkten verschiedene Handlungsstränge gibt, die sich auf das Ende des Spiels auswirken. Durch den Kalender könnt ihr aber auch hier anhand von Markierungen einfach an die jeweiligen Tage zurückspringen und bestimmte Entscheidungen anders treffen, um zu sehen, wie die Story auch anders ausgehen kann. Was genau passiert, will ich an dieser Stelle nicht spoilern, macht euch aber keine Sorge, ihr müsst hier definitiv nicht stundenlang Dialoge mehrere Male lesen, das Spiel kommt nämlich auch wieder mit einer Fast Forward-Funktion, mit der ihr schnell weiter nach vorne springen könnt.

Neben dem Story-Modus, der mich etwa 8 Stunden beschäftigt hat, wartet auch in Coffee Talk Tokyo wieder ein Endlos-Modus auf euch. Entweder mixt ihr dort im Free Brew-Modus Getränke für Besucher*innen eurer Wahl und tobt euch auch hier wieder mit der Latte Art-Funktion kreativ aus, oder ihr stellt euch dem Challenge Modus. Hier müsst ihr innerhalb eines Zeitlimits möglichst schnell auf die Wünsche eurer Gäste reagieren und möglichst viele zufrieden stellen. Die Wünsche starten dabei recht simpel und geben euch alle 3 Zutaten der Reihe nach vor, gehen aber recht schnell über zu speziellen Drink-Rezepten bis hin zu vagen Angaben wie „Ich möchte bitte etwas nicht ganz so süßes…“ anhand derer ihr herausfinden müsst, was nun gemixt werden soll. In diesem Modus stecken sicher noch einmal mehrere Spielstunden, zumindest ich habe mich da noch mal so richtig ausprobieren können.

Charaktere, Getränke und auch das Café selbst sind dabei wie schon in den beiden Teilen davor in einer wunderschönen Pixel-Optik gehalten und wer den Stil bisher mochte, wird auch hiermit wieder sehr viel Freude haben. Das User Interface ist im Vergleich zu den Vorgängern großteils bis auf ein paar Erweiterungen gleich geblieben: Tomodachill wurde um einen Hashtag-Reiter erweitert (den ihr gut im Auge behalten solltet), beim Mixen der Getränke könnt ihr zwischen warm und kalt auswählen, sonst solltet ihr euch aber direkt wieder zurecht finden, wenn ihr die Vorgänger gespielt habt. Auch was den Soundtrack angeht, bietet euch Coffee Talk Tokyo ähnliches, aber erweitert um mehr. Andrew „AJ“ Jeremy hat auch im dritten Teil wieder entspannende Lo-fi-Beats beigesteuert, aus denen ihr euch über die Shuffld-App am Handy eine eigene Playlist basteln könnt. Die Dialoge sind auch hier wieder nicht synchronisiert, für mich hat das dem entspannten Gameplay aber keinen Abbruch getan.

// Coffee Talk Tokyo baut auf den selben Stärken auf, die schon Teil 1 & 2 besonders gemacht haben, der Location-Switch bringt frischen Wind in die Serie und durch die mehr als 50 Drinks gibt es diesmal noch mehr zu mixen als je zuvor. //

Vermutlich wird auch der dritte Teil der Serie keine Person überzeugen, die bisher schon skeptisch auf die entschleunigte Serie geblickt hat. Als jemand, der schon mit den ersten beiden Teilen sehr viel Spaß hatte, konnte mich aber auch Teil 3 wieder vollends überzeugen und am Ende der Story habe ich tatsächlich ein paar Tränen verdrückt. Coffee Talk Tokyo baut auf den selben Stärken auf, die schon Teil 1 & 2 besonders gemacht haben, der Location-Switch bringt frischen Wind in die Serie und durch die mehr als 50 Drinks gibt es diesmal noch mehr zu mixen als je zuvor. Die Dialoge sind wieder wunderschön glaubhaft geschrieben, die Charaktere erzählen alle emotionale Geschichten über sich und ihr Leben und am Ende steht man wieder als Besitzer*in des Cafés wirklich selbst in dem Laden und lernt nach und nach die Gäste näher kennen, während man mehr über die japanische Kultur und ihre Leute lernt. Von mir aus darf alle paar Jahre wieder ein neuer Coffee Talk-Teil erscheinen, ich werde jedenfalls nicht müde als Barista hinter der Theke zu stehen.

4 von 5 Wertung zu Coffee Talk Tokyo von Chorus Worldwide und Toge Productions
4 von 5 Matcha.

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