Da hat man sich gerade erst von Super Meat Boy 3D erholt – und mit „erholt“ meine ich: das Spiel direkt zwei Mal beendet und im zweiten Run die 100% erspielt – da feuert Headup Games schon direkt aus dem nächsten Rohr. Neben dem aktuellen Abenteuer von Team Meats Maskottchen durfte ich auf der gamescom letztes Jahr, gemeinsam mit ein paar anderen Titeln und Prototypen, einen Blick auf ein sehr interessantes Puzzle-Spiel werfen. Das vom Rheinländischen Studio Mirebound Interactive entwickelte Causal Loop hat bei mir als Rätselfreund schon auf den ersten Blick Interesse geweckt und mich mit interessanten Mechanik-Ideen neugierig gemacht. Nach sehr viel Action in den letzten Wochen, war es jetzt also mal wieder an der Zeit ein bisschen seine grauen Zellen anzustrengen.
Das Spiel schickt euch als Exo-Archäologe Bale gemeinsam mit eurer Kollegin Jen und Hilfsroboter Walter auf den Planeten Tor-Ulsat, um dort die Ruinen der untergegangenen Zivilisation der Tor zu erforschen. Bale ist aber mehr so Typ Indiana Jones und weniger der Typ zurückhaltend nach Relikten suchen und bei den Untersuchungen aktiviert er aus Versehen den Chronolithen, ein altes außerirdisches Konstrukt, bringt dabei die Realität durcheinander und strandet ohne seine Partnerin auf dem Planeten. Ganz normaler Donnerstag. Gemeinsam mit Walter macht sich Bale auf den Weg herauszufinden, was auf dem Planeten vorgefallen ist, wo seine Kollegin abgeblieben ist und warum er plötzlich alternative Versionen von sich selbst beschwören kann.

Die Suche nach Antworten müsst ihr aber nicht nur gemeinsam mit Walter bestreiten, Bale hat immer wieder die Stimme des Aliens Nala’Tor im Kopf, der euch teilweise neue Infos mitgibt, teilweise aber auch in kryptischen Sätzen mehr Fragen aufwirft, als er klärt. Die Story will euch dabei aber ganz bewusst im Dunkeln tappen lassen und hat mit mehreren unterschiedlichen Enden einiges an Narrative zu bieten. Der Anfang von Causal Loop hat sich dabei für mich etwas zu lang gezogen. Das Spiel verbringt wirklich erst einmal viel Zeit damit euch die Narrative um die Ohren zu ballern und so richtig los ging das Spiel erst nach dem fünften Kapitel, wenn auch die Mechaniken und Rätsel etwas anziehen. Zum Ende hin fand ich die Story dafür wieder umso besser, ich glaube ich hätte es insgesamt besser gefunden, wenn man den Start mit etwas mehr Rätseln ausgebaut hätte, um die Story etwas besser zu verpacken.
Die Idee des Gameplays muss sich nämlich absolut nicht hinter der Story verstecken, im Gegenteil: zu Beginn des Spiels erhält Bale die Fähigkeit in bestimmten Bereichen ein Echo von sich selbst zu erschaffen. Dieses kann in einem bestimmten Zeitraum verschiedene Tätigkeiten ausführen, die euch wiederum dabei helfen euch weiter durch die Welt zu bewegen und die ihr selbst ausführt und quasi aufzeichnet. Ist der Zeitrahmen zu Ende, in dem sich euer Echo bewegen kann, startet es direkt wieder von vorne und führt das, was ihr vorgemacht habt solange aus, bis es unterbrochen wird. Das kann z.B. passieren, wenn es in eine Barriere läuft oder mit euch selbst kollidiert. Zu Beginn sind diese Aufgaben alle noch sehr klar und überschaubar. Euer Echo drückt einen Knopf, damit ihr über die aktivierte Brücke gehen könnt, es öffnet eine Tür, durch die ihr geht oder deaktiviert eine Blockade, die euch den Weg versperrt hat.

Sobald ihr in den insgesamt 15 Kapiteln im Spiel etwas weiter seid, erhaltet ihr die Fähigkeit gleichzeitig zwei und später sogar drei Echos gleichzeitig aufzuzeichnen und da hat für mich der Spaß erst so richtig angefangen. Besonders zum Ende hin erwarten euch in Causal Loop Rätsel, bei denen ich erst mal gefühlt 30 Minuten planlos durch einen Abschnitt gelaufen bin, bis es plötzlich in meinem Kopf „Klick!“ gemacht hat, ich verstanden habe, was zu tun ist und der Plan dann auch (fast) jedes Mal aufgegangen ist. Eure Echos müssen sich dabei immer wieder gegenseitig unterstützen, Barrieren öffnen, mehrere Schalter zum gleichen Zeitpunkt betätigen und euch so weiter durch die Welt bringen. Kreuzen sich dabei ihre Pfade, lösen sie sich in Luft auf und ihr müsst eure Echo-Aufzeichnung von vorne beginnen. Ghostbusters hatte also schon immer Recht.
Um euch das Leben dabei nicht schwerer als nötig zu machen, hat Mirebound Interactive einige hilfreiche UI-Elemente eingebaut, mit denen euch die Koordination der Echo-Timings wesentlich leichter fällt und auf die ich vor allem bei späteren Rätseln auf keinen Fall hätte verzichten können. Startet ihr ein Echo, läuft in der Mitte des Bildschirms ein kreisförmiger Countdown ab und jeder Schalter, mit dem das Echo in seiner Aktionszeit interagiert, wird in der jeweiligen Farbe und zum jeweiligen Zeitpunkt auf diesem Kreis markiert. Das erste Echo, das ihr losschickt ist blau, das zweite rot und das dritte grün und ihr behaltet so gut im Blick, wann welche Aktion ausgeführt wird. Beim ersten Echo könnt ihr das noch relativ leicht ignorieren, beim zweiten wird es schon etwas kniffliger, sobald ihr aber drei Bales gleichzeitig über die Maps schickt, sind diese Markierungen unverzichtbar für euer Rätsel-Timing.

Neben den Echos, Türen, Barrieren und Schaltern haben die Rätsel in Causal Loop aber noch einiges mehr zu bieten: ihr findet etwa immer wieder Energiewürfel, die ihr an bestimmten Stellen im Spiel platzieren müsst, um verschiedene Dinge im Spiel zu aktivieren. Seid ihr zu langsam fliegen diese Würfel in die Luft, ihr müsst euch also immer beeilen. Die Würfen haben außerdem jeweils unterschiedliche Farben und verschiedene Terminals unterschiedliche Symbole, ihr müsst also immer bedenken, wo ihr eure Würfel abgebt. In späteren Kapiteln haben diese zudem unterschiedliche Energiewerte, von 1 bis 5 und ihr müsst neben den schon vorhandenen Komponenten zusätzlich noch beachten, wie viel Energie ein Terminal, eine Brücke oder eine Tür benötigt, um genug Energie zu bekommen, sich aber nicht zu überladen. Vor allem in Kombination sind alle diese Elemente zusammen eine richtig spaßige Mischung und dürften vor allem Rätsel-Fans sehr glücklich machen.
Während ihr zwar sterben könnt, indem ihr entweder in einen Abgrund stürzt, euch in einen Laser werft oder eine Bombe euch mitnimmt, bringt das keine wirkliche Konsequenz mit sich. Ihr startet einfach als Bale-Variante neu und müsst höchstens ein Rätsel von vorne beginnen, die Checkpoints sind dabei aber alle sehr fair gesetzt. So richtig gekämpft wird in Causal Loop außerdem nie, auch wenn euch mit Omega ein Antagonist gegenübertritt, der mit allen Mitteln versucht zu verhindern, dass ihr vorankommt. Im Spiel könnt ihr außerdem mit dem in euren Helm eingebauten Scanner ganz im Stile eines Metroid Prime verschiedene Artefakte, verstorbene Bales und andere Lore-Stückchen finden, die ihr euch in eurem Inventar in Ruhe durchlesen könnt und die euch mehr Infos über die Spielwelt geben. Habt ihr ein Kapitel beendet, könnt ihr über das Hauptmenü außerdem bereits gespielte Abschnitte wiederholen und direkt sehen, wie viel Scans ihr verpasst habt. Completionists müssen also nicht das ganze Spiel mehrmals durchspielen, um alles zu finden.

Wie so viele Unreal Engine 5-Spiele sieht Causal Loop richtig schön aus und liefert detaillierte Umgebungen sowie schöne Licht- und Schatteneffekte. Wie so viele andere UE5-Spiele hat es aber auch mit den altbekannten Problemen der Engine zu kämpfen: vor allem in Videosequenzen dauert es, bis die finalen Texturen geladen sind und wieder einmal wünschte ich mir, dass man dieses Problem endlich in den Griff bekommen würde. Vor allem die Performance hat mich aber wiederum sehr positiv überrascht: selbst wenn neben euch noch drei zusätzliche Bales als Echo durch die Welt laufen, hat das Spiel auch mit den weitläufigen und detaillierten Levels keine Probleme gemacht, nicht geruckelt und während meines Playthroughs konnte ich auch keine wirklichen Bugs finden. Außer zwei kleine Käfer, über die ich aus Versehen gelaufen bin. Aber darüber reden wir nicht. Das Voice Acting der Charaktere ist richtig gut gelungen und auch das Sounddesign passt perfekt zum Spiel.
„Causal Loop wird in den etwa 10 – 11 Spielstunden immer komplexer und glänzt richtig, sobald ihr mehrere Echos gleichzeitig steuern müsst, während sie in ihrem Zyklus verschiedene Aufgaben koordiniert durchführen.“
Ihr kennt bestimmt diese Serien, die einem empfohlen werden und die Person zusätzlich dann noch sagt „Das wird nach 2 Stunden richtig gut, bleib dran!“, oder? Ganz so wild ist es hier zum Glück nicht, den langsameren Start in die Welt und die Mechaniken muss man aber erst mal überwinden, bevor alle Mechaniken des Spiels ineinander greifen und ein wundervolles Rätsel-Abenteuer auf euch wartet: Causal Loop wird in den etwa 10 – 11 Spielstunden immer komplexer und glänzt richtig, sobald ihr mehrere Echos gleichzeitig steuern müsst, während sie in ihrem Zyklus verschiedene Aufgaben koordiniert durchführen. Man fühlt sich richtig klug, wenn man nach einer Zeit das Rätsel geknackt hat, alles ineinander greift und es in den nächsten Abschnitt schafft und zusätzlich liefert das Spiel noch eine spannende Story, mit unterschiedlichen Enden, einer gelungenen Synchro und vielen Geheimnissen, die ihr in der Spielwelt finden könnt.


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